Haslach i. K.: Von Bohnen, Trollen und Elefanten

Orakeln für "ihre" Gemeinden im Kinzigtal (von links): Die Redakteurinnen Lisa Kleinberger, Katharina Beule, Charlotte Reinhard und Lena Weimer. Fotos: Lübke
Schwarzwälder Bote2019 geht, 2020 kommt. Was bringt die Zukunft für die Kinzigtäler Gemeinden? Die Schwabo-Redaktion wagt bei ihrem traditionellen Orakel einen Blick in die kommenden 366 Tage. Dieses Mal mit Zinn.
Mittleres Kinzigtal. Für das Orakel heißt es diesmal "zurück zu den Wurzeln" – zumindest fast. Bleigießen ist inzwischen EU-weit verboten. Da Wachs sich als keine gute Alternative herausstellte, wurde vergangenes Jahr auf Tarotkarten ausgewichen. Mit Zinn ist jetzt aber wieder eine vernünftige Alternative gefunden, die mehr als Plättchen auf der Wasseroberfläche produziert. Hornberg: Die unterschiedlichen Farbschattierungen auf dem kleinen Klümpchen mögen ein Hinweis auf die Gestaltung der Außenfassade der Hornberger Stadthallen-Anbauten sein, über deren endgültige Optik der Gemeinderat 2020 noch entscheidet. Oder ist es der Schlossberg? Ein Blick in das Deutungsbuch verrät: Der Berg steht für "Nichts ist unmöglich" und stimmt positiv: Vielleicht klappt es ja mit der Niederlassung neuer Hausärzte, einem neuen Schulleiter für die WHS oder der Weiterentwicklung des Schlossbergkonzepts. Gutach: Nein, das ist kein Bollenhut. Vielmehr haben sich links und rechts der Figur zwei kleine Hände gebildet. Die "Hand" bedeutet laut Orakelbuch "Rettung naht". Hat Gutach schon vor wenigen Wochen mit Wolfgang Scheidtweiler aus Pforzheim einen Investor gefunden, der das Traditionsgasthaus Linde kaufen und sanieren möchte, steht 2020 die konkrete Umsetzung auf der Agenda. Der Unternehmer Scheidtweiler gilt im Südwesten bereits als "Retter der Gastronomie". Oberwolfach: Manchmal läuft es beim Zinngießen nicht ganz so einfach – das Orakel für Oberwolfach ist nicht leicht zu deuten. Dann jedoch der Geistesblitz: Ein Felsen. Und dessen Bedeutung könnte sein: "Es liegt viel Arbeit vor einem". Ziemlich passend für die Gemeinde, denn mit dem Neubau des Pflegeheims St. Luitgard, dem Radweg und diverser anderer Projekte liegt tatsächlich ein ganzer Berg Arbeit vor Oberwolfach. Ob es beschwerlich wird oder läuft, das verrät das Orakel freilich nicht. Zu wünschen wäre natürlich Letzteres. Hofstetten: Die Redakteurin hat ein besonderes Händchen dafür, Klumpen zu gießen. Dieser sieht immerhin eindeutig aus wie eine Bohne. Diese deuten zunächst positiv auf aufkeimendes Glück und Gewinn hin. Ein Zeichen, dass die angestoßene Partnerschaft mit der ukrainischen Kommune Trostjanez, wo bald der Gegenbesuch ansteht, Früchte trägt und beide Seiten voneinander profitieren können. Gleichzeitig deuten sich wirtschaftliche Verschlechterung und Ärger an. Kindergarten-Neubau und die anstehenden Kanalsanierungen im Zweckverband stellen die kleine Kommune vor deutliche Herausforderungen. Jetzt ist Umsicht gefragt. Wolfach: Ganz anders sieht es in Wolfach aus: Die Figur sieht aus wie ein Ohr. Und das bedeutet so viel wie "Gut zuhören!". "Viel zu oft hörst du nur mit halbem Ohr hin, wenn dir jemand etwas erzählt", heißt es weiter. Wünschen wir der Stadt und dem Gemeinderat für das kommende Jahr also stets ein offenes Ohr. Schließlich liegt mit der Entwicklung des Schulstandorts wieder ein dicker Brocken vor dem Gremium. Und ein bisschen auf die Nöte und Sorgen anderer zu hören, kann da nicht schaden. Haslach: Das ist ein Trollkopf. Der Troll lässt sich auf verschiedene Arten interpretieren: Er deutet auf hohe Kreativität hin, mahnt aber dazu, das echte Leben nicht aus den Augen zu verlieren. Das Kämpfen gegen einen Troll versinnbildlicht Herausforderungen im Allgemeinen. So sehr die Interpretation auf der Hand liegt, so banal erscheint sie auch: Es geht um die B 33-Umfahrung. Sie ist die Herausforderung für Haslach. Und wenn endlich die Pläne vorgelegt werden, sollte niemand anfangen, Luftschlösser zu bauen. Steinach: Eine Fackel bringt Licht ins Dunkel. Nur – in welches? Wörtlich genommen wäre zu hoffen, dass die Unterführung am Bahnhof freundlicher gestaltet wird. Da müsste aber die Bahn mitspielen. Oder verschafft die Fackel Steinach im übertragenen Wortsinn Klarheit rund um die Frage: Wie geht’s mit der Interkom-Erweiterung weiter? Hausach: Mit etwas Fantasie ist in dem zerfledderten Haufen eine Wassernacktschnecke zu erkennen. Eine Schnecke soll ein Hinweis darauf sein, dass man sich nicht zu sehr zurückziehen sollte. Aber als Standort für das interkommunale Kinzigtalbad ist der Gemeinde das wirklich nicht nicht vorzuwerfen. Vielleicht ist die Schnecke eher ein Hinweis darauf, dass das so bleiben soll – und dass sich Hausach weiterhin für interkommunale Themen einsetzen sollte. Fischerbach: Das ist ganz eindeutig ein kleiner Babyelefant, der seinen Rüssel selbstbewusst in die Höhe reckt. Klein, aber oho, so wie Fischerbach. Die Figur des Elefanten ist ein Hinweis auf Durchhaltevermögen und Kraft. Da es sich hier um einen Babyelefanten handelt, wird Fischerbach 2020 vielleicht nur ein bisschen Ausdauer und Stärke brauchen. Vielleicht wird das Thema Kanalsanierung zwar kräfteraubend, aber nicht so schlimm wie befürchtet? Mühlenbach: Keinen Schnee, aber eine Schaufel gibt es für Mühlenbach. "Nicht auf sich beruhen lassen", soll das bedeuten. Also, liebe Frau Wössner und liebe Gemeinderatsmitglieder in Mühlenbach: Bleiben Sie an den Themen öffentlicher Nahverkehr und Kinderbetreuungsplätze dran! Vor allem bei letzterem wird es dringend. Im Kindergarten wird es eng und dass die Zahl des zu betreuendem Ortsnachwuchs weniger wird, ist angesichts der Geburtenzahlen ziemlich unwahrscheinlich.
Orakeln ist immer so eine Sache – egal, ob mit Blei, Zinn oder mit Tarotkarten. Die eine oder andere Prophezeihung hat sich bewahrheitet.
Fischerbach: Der "Ritter der Schwerter" zeigte an, dass es Zeit wird, in Sachen Haushaltsloch zu handeln. Das passierte schnell: Direkt zu Jahresanfang verkaufte die Gemeinde den Vogelsberghof.
Haslach: Mit Beharrlichkeit sollte die Stadt Haslach an der B 33-Umfahrung bleiben – mahnte zumindest der gezogene "Ritter der Münzen". Tatsächlich hat sich mit dem positiven Bescheid für die Troglösung in Richtung Hausach etwas getan.
Hofstetten: "Der Herrscher", der "Selbstbewusstsein mit Verantwortung verbindet und dazu auffordert, das Beste aus dem Leben zu machen": Eine große Karte für eine kleine Gemeinde. Bürgermeister Martin Aßmuth hat im Lauf des Jahres ordentlich die Ärmel hochgekrempelt: Austausch mit einer ukrainischen Gemeinde oder die Würdigung des Ehrenamts mit einem neuen Preis sind nur zwei Projekte. Die Gemeinde positioniert sich selbstbewusst und verantwortungsvoll.
Gutach: Der "Bube der Münzen" orakelte einen "Schwiegermutterliebling". Vielleicht ein Hinweis auf die Bürgermeisterwahl? Diese gewann jedenfalls souverän Siegfried Eckert. lmk