Gemeinderat Hausach: Nicht überall rechnen sich PV-Anlagen

Hausach hätte viel Potenzial für die Installation von PV-Anlagen. Es gibt je nach Gebäude aber einige Hürden.
Peter HeckDie Stadt hat im vergangenen Jahr die Hausacher Firma Elektro Schillinger beauftragt, die städtischen Gebäude zu untersuchen, wo eine Photovoltaik-Anlage sinnvoll wäre und sich rechnen würde – und wo nicht. Die Ergebnisse hat Geschäftsführer Martin Bruder am Montagabend im Gemeinderat vorgestellt. „Hausach braucht im Jahr 402.930 Kilowatt (KW) Strom. 2024 bedeutete das rund 121.024 Euro Stromkosten für das ganze Jahr“, erklärte er. Die Frage, ob die Stromkosten mit PV-Anlagen gesenkt werden könnten, beantwortete Bruder mit Ja, „weil die meisten Gebäude eine optimale Lage für eine PV-Anlage haben und die Anlagen daher in der Regel wirtschaftlich sinnvoll sind“. Dennoch sei die Beurteilung nicht ganz so einfach, weil viele Kriterien beachtet werden müssten.
Untersucht wurden 14 städtische Gebäude: Das technische Rathaus, das Rathaus, die Kaplanei, das Gebäude von „Stifte und Mohr“, die Graf-Heinrich-Schule (GHS) und das Robert-Gerwig-Gymnasium (RGG), die Stadthalle, das ehemalige Jugendhaus, die Tannenwald- und Friedhofshalle, das alte Rathaus in der Einbacher Straße, das Feuerwehrhaus sowie die Kitas „Sternschnuppe“ und St. Barbara.
„Man muss Vor- und Nachteile abwägen. Die Vorteile sind unter anderem, dass man unabhängiger von Energiepreisen ist, es ist umweltfreundlich und senkt die Stromkosten. Dagegen stehen Nachteile wie Bürokratie, Anschaffungskosten oder Wartungsaufwand.“ Bruder erläuterte anhand jedes Gebäudes die mögliche Energieerzeugung, Auslastung, den Deckungsanteil des eigenen Stroms und nach welchem Zeitpunkt sich die Anlage voraussichtlich rechnen würde.
Für das technische Rathaus in der Hauptstraße 34 etwa würde sich die Anlage nach rund elf bis zwölf Jahren rechnen. Das Fazit: „Wirtschaftlich wäre es, die Anlage würde rund 30.708 Euro kosten, da sind die Planungskosten mit drin und die Teuerung der PV-Module.“
Gesamtinvestition läge bei 1,3 Millionen Euro
Die Firma rechne mit einer Lebensdauer von 30 Jahren bei den PV-Modulen, beim Wechselrichter mit 15 Jahren und beim Speicher mit 15 bis 20 Jahren. Auf dem Rathaus sei eine größere PV-Anlage sinnvoll, weil dort eine Klimaanlage verbaut sei. Allerdings war hier der Denkmalschutz ein mögliches Ausschlusskriterium, wie auch bei der Alten Kaplanei.
Weniger wirtschaftlich seien Anlagen auf dem Gebäude von „Stifte & Mohr“, dem ehemaligen Rathaus im Einbach sowie auf Tannenwald- und Friedhofshalle. Diese Anlagen würden sich erst nach 14 bis fast 22 Jahren rechnen. Die teuersten Anlagen wären in der Anschaffung die auf der GHS (rund 348.240 Euro) und auf dem RGG mit Schulmensa (rund 269.633 Euro), seien aber zugleich eine der ertragreichsten mit fast 150.000 Kilowattstunden pro Jahr beziehungsweise rund 95.000 Kilowattstunden pro Jahr. Für viele Räte eine Überraschung: Eine PV-Anlage auf der Stadthalle würde laut Bruder wegen der Statik schwierig. Auch der Brandschutz sei ein mögliches Thema, ebenso wie beim RGG und der GHS.
Rechnet man alle 14 möglichen Anlagen auf den Dächern der städtischen Gebäude zusammen, ergäben sich laut Bruder Gesamtkosten von rund 1,3 Millionen Euro. „Aber einige PV-Anlagen müsste man sich überlegen, manche machen wenig Sinn“, schränkte er ein. Die größte Frage war die der Kosten. „Wenn wir es über ein Darlehen finanzieren müssten, wäre das happig. Die Zinsen für Kommunen sind annähernd so hoch wie für Privatverbraucher“, so Bürgermeister Wolfgang Hermann. Das beste Vorgehen sei es, die Anlagen zu priorisieren, die wirtschaftlich sind, und einen Zeitplan für die Anschaffung zu machen, waren sich mehrere Räte einig.
Umsetzung ist schwierig
„Mir wäre es lieber, dass man die Gebäude zusammenfasst, zum Beispiel Schule und Stadthalle, ein Cluster. Die große Ersparnis ist das Netzentgelt, das ich nicht zahlen muss. Dann bräuchte man auch nur noch einen Zähler“, war die Meinung von Bernhard Kohmann (SPD). Das wäre möglich, sei aber komplexer, da man die Straße aufreißen müsste, das Netz dann „das eigene Problem ist, nicht mehr das des Netzbetreibers“, so Bruder.