Diskussionen um teures Fahrzeug
: Braucht Wolfachs Feuerwehr eine eigene Drehleiter?

Dem Sicherheits-Plus für Bevölkerung und Kameraden stehen horrende Kosten und weitreichende Verpflichtungen gegenüber. Die Entscheidung ist Sache des Gemeinderats.
Von
Tobias Lupfer
Oberndorf
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Auch die Haslacher Drehleiter war schon zu Übungszwecken in Wolfach.

Lupfer

Neue Fahrzeuge wird es in den kommenden Jahren für die Feuerwehr Wolfach so oder so geben müssen. Eine mögliche Investition in den Fuhrpark sticht aus dem am Montag im Gemeinderat vorgestellten Feuerwehrbedarfsplan aber besonders hervor: eine Drehleiter.

Die Kosten für eine Drehleiter seien sehr hoch, redete der stellvertretende Gesamtkommandant Christian Keller in der Präsentation des Planwerks nicht lange um den heißen Brei herum. Rund 1,1 Millionen Euro koste allein der Kauf, für den eine Förderung um 265 000 Euro möglich sei. „Die Wartungs- und Folgekosten sind auch immens.“

Obendrein brauche es Platz, sowohl im Gerätehaus als auch bei Gebäuden, um die Drehleiter nutzen zu können. Und: „So ein Gerät ist auch sehr schulungsintensiv.“

Es gebe gute Gründe für eine Drehleiter, sagt der Kommandant

„Was uns dazu bewegt, das näher zu beleuchten, ist, dass es in Wolfach 150 Gebäude gibt, bei denen eine Drehleiter im Ernstfall eigentlich notwendig wäre.“ Nicht nur zur Personenrettung und für Löschangriffe biete die Drehleiter Vorteile, sie erhöhe auch die Sicherheit der Einsatzkräfte: Über den Drehleiterkorb gelangten Kameraden sicherer ins zweite oder dritte Obergeschoss als über Steckleitern.

Darum habe die Wehr versucht, das Thema Drehleiter abzuwägen – „mit allem Für und Wider“. Ergebnis, so Keller: „Aus Sicht der Feuerwehr wäre eine Drehleiter auf jeden Fall sinnvoll zu beschaffen, aber es besteht keine gesetzliche Notwendigkeit.“

Ob im Bedarfsfall stehe weiter die Hausacher Drehleiter zur Verfügung, wenn sie in Wolfach gebraucht werde, wollte Georg Schmieder (FWV) wissen. „Generell ist sie so hinterlegt“, bestätigte Keller. Sollte die Drehleiter aber bereits bei einem anderen Einsatz belegt sei, müsse auf die nächstgelegenen Drehleitern ausgewichen werden – mit längeren Anfahrtszeiten.

Alarmiert werde die Hausacher Drehleiter häufig, pflichtete Kommandant Christoph Mayer bei: „Tatsächlich ist es so, dass mehr als die Hälfte der Einsätze der Drehleiter nach Wolfach gefahren werden.“

Braucht es eine weitere Drehleiter im Kinzigtal? Kreisbrandmeister Bernhard Frei war am Montag zwiegespalten: Die Alarmierungen seien eine enorme Belastung für die Feuerwehr Hausach. Jedoch werde es in Sachen Zuschuss „sehr, sehr schwierig werden. Wir bewegen uns im Grenzbereich, was die Einsatzzeiten angeht.“

Eine Drehleiter braucht viel Wartung

Das Land überarbeite derzeit die Hinweise zur Leistungsfähigkeit einer Gemeindefeuerwehr. „Da diskutiert man auch aus der Erfahrung: Wieviel Menschen wurden denn mit der Drehleiter gerettet?“ Neben dem Kaufpreis folge bei einer Drehleiter nach zehn Jahren eine Wartung für rund 80 000 Euro, für die Wartung nach 20 Jahren seien gut 220 000 Euro fällig. Und, so betonte Frei: „Wenn man die Drehleiter hat, dann muss man liefern. Dann muss sie rollen.“

Er sei selbst auch einst Kommandant gewesen: „Es ist ein wahnsinnig hoher Verantwortungs- und Schulungsbedarf.“ Darum müsse man bedenken, ob diese Investition nicht noch mehr Belastung fürs Ehrenamt bedeute. „Die Priorisierung ist eine rein politische Entscheidung. Nur die Drehleiter allein hilft nicht“, erklärte Frei abschließend.

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