Blick in die Geschichte
: So entstand die Talsperre „Kleine Kinzig“

Als die Kreuzberg-Quellen versiegten, suchte Hausach nach neuen Wegen der Trinkwasserversorgung. Aus der lokalen Not entstand ein Projekt, das heute ganze Regionen versorgt.
Von
Michael Hensle
Oberndorf
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Die Skizze zeigt die Trinkwassertalsperre „Kleine Kinzig“ um 1979.

Stadtarchiv Hausach (Skizze)

„Mit dem Begriff des Schwarzwaldes verbinden sich bei uns in aller Regel die Bilder klarer Gebirgsbäche in einer ökologisch intakten Wiesen- und Waldlandschaft“, schrieb 1979 ein gewisser Fritz Frey. In der Zeitschrift „Kommunalwirtschaft“ (Ausgabe 6/1979) heißt es weiter: „Auch die tief verschneiten Winterlandschaften stehen zunächst in einem krassen Gegensatz zu dem üblichen Eindruck eines Wassermangelgebietes.“

Als Gründe für den Wassermangel wurden genannt „das Nachlassen oder gar Versiegen der Quellen“ im Spätsommer und Herbst oder das teilweise Fehlen von „wasserspeichernden Bodenformationen“.

Grundwasser reichte für das Gebiet nicht aus

Diese Beschreibung traf auch genau auf Hausach zu. Nachdem sich die Kreuzberg-Quellen für die Hausacher Wasserversorgung auf die Dauer als nicht ausreichend erwiesen, wurde versucht, eine zusätzliche Wassergewinnung durch Tiefbrunnen in den Kinzigtalauen zu erzielen. Aber: „Selbst unter der günstigsten Voraussetzung ist das vorhandene Einzugsgebiet nicht in der Lage, die benötigte Grundwassermenge allein durch versickernde Niederschläge zu ergänzen“, so ein Gutachten des Geologischen Landesamts von 1970.

Noch zu erschließende Brunnen, seien allenfalls eine „Übergangslösung“ bis zum „Anschluss an eine Fernwasserleitung“, hieß es nach einer Geländebegehung. Mit „Fernwasserleitung“ war das Stichwort gesetzt für eine überörtliche Lösung und dazu wurde 1972 ein Planungsverband in Freudenstadt gegründet.

Dabei ging es um drei Lösungsansätze: Grundwassergewinnung aus dem Rheintal oder Anschluss an die Bodensee-Wasserversorgung und schließlich „Bau einer Talsperre im Oberlauf der Kleinen Kinzig südlich von Freudenstadt“.

Der Zweckverband wurde 1974 gegründet

Man entschied sich für die Talsperren-Lösung und gründete am 12. Juni 1974 in Haslach den „Zweckverband Wasserversorgung Kleine Kinzig“, dessen Geschäftsführer besagter Fritz Frey später wurde. Der Zweckverband hatte zunächst 27 Gründungsmitglieder: zehn Städte, darunter Hausach, 14 Gemeinden und drei Zweckverbände.

Der als Stausee geplante Trinkwasserspeicher sollte eine Fläche von rund 60 Hektar umfangen und ein Fassungsvermögen von 13 Millionen Kubikmeter Wasser besitzen. Hausach rechnete mit einer Abnahmemenge für die Stadt in Höhe von etwa 250 000 Kubikmeter im Jahr 1982. Über ein Leitungsnetz von 150 Kilometer sollten im Einzugsgebiet insgesamt 120 000 Einwohner und 30 000 Feriengäste versorgt werden. Für das Großprojekt wurden rund 200 Millionen DM veranschlagt, wovon das Land Baden-Württemberg 60 Prozent tragen würde. Dieser Zuschuss wurde im Jahre 1982 auf 75 Prozent erhöht.

Luftaufnahme Trinkwassertalsperre „Kleine Kinzig“ mit Wasserentnahmeturm 1984, Luftbild Schäfer (freigegeben vom RP Karlsruhe, Nr. 016629)

Foto: Stadtarchiv Hausach

Wichtigstes Bauwerk der 1978 begonnenen Talsperre war die Staumauer mit einer Höhe von 71 Meter. Damit war sie die höchste in Deutschland. Hinzu kam neben einem Wasserwerk ein 75 Meter hoher Wasserentnahmeturm, der die Entnahme von Wasser auf unterschiedlichen Höhen erlaubte.

Am 13. Dezember 1982 war es dann soweit: Nach einer offiziellen Einstaufeier wurde auf Knopfdruck der Abfluss gestoppt und das Kinzigwasser lief in die Talsperre ein.

Kinzigwasser gelangte in den Neckar

Planmäßig war der Stausee bis Mai 1984 gefüllt und ein Jahr später, also vor 40 Jahren, begann die Wasserversorgung „Kleine Kinzig“. Auch die Stadt Horb war inzwischen dem Zweckverband beigetreten, was zu dem Kuriosum führte, dass Kinzigwasser über die Wasserscheide des Schwarzwaldes in den Neckar gelangte.

Die Wasserqualität war hervorragend, auch weil der Wald um den Stausee als Puffer gegen den sauren Regen wirkte. Das Baden im See ist aus hygienischen Gründen untersagt.

„Offener Brief“ gegen Windräder

Das Projekt „Kleine Kinzig“, das damals durchaus eine ökologische Seite hatte, wird heute durch ein anderes ökologisches Projekt bedroht: den Bau von Windrädern oberhalb des Stausees. Bei einer Havarie oder einem Unfall könnten verunreinigte Flüssigkeiten, wie beispielsweise Schmieröle, in das Trinkwasserreservoir gelangen. Der „Zweckverband Wasserversorgung Kleine Kinzig“ hat entsprechend beim zuständigen Freudenstädter Landrat mit einem „offenen Brief“ gegen die Pläne protestiert.

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