Bei der „Weinlese“: Warum das Improvisationstheater in Wolfach so gut angekommen ist

Das aus dem ganzen Kinzigtal zusammengewürfelte Ensemble „Impro Vision“ eroberte das Publikum mit seinen turbulenten Improtheater-Szenen im Sturm.
LupferWar das Publikum bei der „Weinlese“ von „Kultur im Schloss am Donnerstag“ in der rappelvollen Flößerstube ehrlich, kannten zu Beginn gerade mal vier Zuschauer Improvisationstheater. Gute zwei Stunden, drei Theater-Blöcke und vier flüssige Gaumenschmeichler später stand fest: Der von Spontanität geprägte Erstkontakt soll nicht der letzte Abend dieser Art im Museum im Schloss gewesen sein.
„Darf ich euch euchzen? Das macht’s mir einfacher“, begann Armin Hagner – Trainer des Ensembles „Impro Vision“ und Moderator –, das Eis zu brechen. „Improvisationstheater geschieht aus dem Moment, aus dem Augenblick. Ihr werdet es heute Abend sehen – und dann nie mehr.“ Zumindest in genau dieser Form.
Denn: „Wir spielen mit euren Eingaben“, erklärte Hagner den Ablauf und erntete schon nach weniger als zehn Minuten stürmischen Applaus zum Einzug seiner Mitstreiter.
Sommelière begleitet den Theaterabend
„Improvision“ lautete das Motto des Abends. Auch für Assistant Sommelière Anja Kopp: „Den Letzten habe ich heute Morgen entschieden. Die Weißen musste ich rechtzeitig kaltstellen – die habe ich mir gestern schon rausgesucht“, flachste sie. Vom „Hexecco rosé“ und dem über die Besteuerung hinaus reichenden Unterschied zwischen Schaum- und Perlwein über einen im „gemischten Satz“, also mit verschiedenen Rebsorten in einem Weinberg, angebauten Wein des Guts Eitzinger aus Österreich bis zum Spätburgunder des Bötzinger Bio-Weinguts Häfflin reichte ihre Auswahl.
Bis zum Rand der Vorstellungskraft reichten die witz- und temporeichen Szenen, mit denen „Impro Vision“ mal Gegenstände, mal Stichworte aus dem Publikum im wilden Wechsel in immer neue Geschichten verpackte. Da wandelte sich ein Stift binnen weniger Minuten zum Mikrofon, Fernglas, Arznei-Zäpfle, Hunde-Stöckchen, Arztbesteck, Ferrari-Überbleibsel, zur Zigarre und zu allerhand mehr. Oder das verliebte Pärchen musste in seiner Unterhaltung im Gebirgsurlaub jeden Satz mit dem jeweils nächsten Buchstaben im Alphabet beginnen. Und alles untermalt und akustisch auf die Spitze getrieben von Andreas Bohl am Keyboard.
Darsteller haben keine Angst vor Aussetzern
Martin Schmid, Veronika Pfaff, Lars Kaesemann, Michael Berking, Bettina Ruf und Bettina Schreiber spielten sich gegenseitig die Ideen zu. Wolfach war nach einer längeren Pause einer der ersten Auftritte der aus dem Kinzigtal und Freiburg zusammengewürfelten Truppe, die regelmäßig in Hofstetten probt.
Ist man denn als Impro-Künstler noch nervös? „Ja“, versicherte Bettina Ruf. „Das Einzige, was wir nicht haben: Wir haben keine Angst, dass wir den Text vergessen.“ Wenn der andere eine Idee habe laute die Devise: „Immer ja sagen.“ Mitspielen. Und wenn doch mal etwas daneben gehe, greife ein weiterer der vier Impro-Grundsätze, betonte Hagner: „Scheiter heiter!“
Viel anbrennen ließ das Ensemble nicht. Beleg dafür: Der frenetische Schluss-Applaus. „Wir sind alle zusammen ins kalte Wasser gesprungen, und es hat sich komplett gelohnt“, freute sich Kultur-im-Schloss- Chef Christian Oberfell und versprach spontan: „Das war super, das machen wir wieder!“
Die anstehenden Termine
Der Verein Kultur im Schloss Wolfach plant für den kommenden Monat zwei Veranstaltungen. Am 4. Juni wird das Duo „Mon Marie et Moi“ im Schloss mit Gitarre und Gesang auftreten. Am 7. und 8. Juni findet der Antikmarkt statt.