Waldachtaler Schriftstellerin: Simone Hirth: Mut, die eigene Stimme zu erheben

Simone Hirth aus Waldachtal, heute Wien, will mit ihrem neuen Roman „Die Kröte“ Mut machen in einer verunsicherten, verängstigten Welt.
Verlag/A. KönigseckerIn ihrem fünften Roman „Die Kröte“ gelingt der aus Waldachtal stammenden und inzwischen in Wien lebenden Simone Hirth einmal mehr die schonungslose Neuerzählung eines bekannten Stoffes: Ein raffiniert-absurdes Märchen über die Verunsicherung in unserer Zeit und die Macht von Geschichten und Poesie. Die 40-jährige Mutter eines achtjährigen Sohnes macht Hoffnung in einer sorgenvollen und verängstigten Zeit.
Was hat Sie zu ihrem neuen Roman „Die Kröte“ inspiriert?
Inspiriert haben mich die Kröten auf dieser Welt, von denen es leider viele gibt. Und inspiriert hat mich auch das Märchen „Froschkönig“, das ich gerne neu erzählen wollte, weil mir daran einiges nicht passt.
Was ist die Message?
Ich wollte ein hoffnungsvolles Buch schreiben. Eine Geschichte, die zeigt, dass man die eigene Stimme und die Souveränität behalten kann, trotz aller Widrigkeiten auf der Welt. Und dass Kunst - im engeren Sinn Literatur und Poesie - einen stützen und retten können.
Welches Schicksal haben Sie im neuen Roman verpackt?
Das Schicksal einer jungen Frau, die Mut und viele Ideale und Ideen hat, und dennoch gehörig ins Straucheln gerät. Die aber nicht verstummen will und die sich auch nicht damit abfindet, dass die Kröte, die ihr begegnet, die Oberhand behalten will.
Welche Gedanken möchten Sie vermitteln?
Mut zur Verantwortung gegenüber sich selbst und der Welt. Mut, die eigene Stimme zu erheben. Die Kraft der Poesie zu erkennen und zu nutzen. Kritisch zu bleiben gegenüber dem „Gequake“, das uns täglich von allen Seiten entgegenhallt.
Welcher Stilmittel haben Sie sich bedient?
Auktoriales Erzählen. Märchen beziehungsweise Neuerzählung eines alten Stoffes. Brüche und Leerstellen. Zitieren von Gedichten.
Wenn Sie jemand fragt, warum man gerade diesen Roman lesen soll, was antworten sie?
Weil jeder mindestens eine Kröte kennt.
Was bewegt und beschäftigt Sie, wenn sie an unsere gesellschaftliche Entwicklung und weltweite Krisen-Lage denken?
Ich habe, wie sehr viele, natürlich Angst und bin sehr besorgt, wie das alles noch weitergehen soll und was kommen wird. Es ist sehr düster momentan. Trotzdem habe ich noch eine gewisse Hoffnung in mir und einen großen Willen, die Dinge nicht hinzunehmen, wie sie sind beziehungsweise nicht zu verstummen angesichts des Wahnsinns auf der Welt. Ich glaube, wir müssen alle einfach weitermachen und unser Bestes geben, um Dinge wieder zu verbessern und uns nicht unterkriegen zu lassen respektive um den Mächtigen der Welt nicht das Ruder allein zu überlassen.
Ist es angedacht, bald mal wieder in Ihrer Heimat Waldachtal eine Vorlesung zu halten?
Angedacht ist es, aber es gibt noch keinen Termin. Ich plane es aber auf jeden Fall baldmöglichst.
Das ist Simone Hirth
Simone Hirth
, geboren 1985 in Freudenstadt, ist als Tochter von Edgar und Ines Hirth im Waldachtal-Luftkurort Lützenhardt aufgewachsen.
Sie studierte
am Deutschen Literatur-Institut in Leipzig.
Die mehrfache Preisträgerin
lebt seit 2012 in Österreich und heute als freischaffende Autorin in Wien.
Ihr Debüt-Roman
von 2016, „Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft“, wurde für den Alpha-Literaturpreis nominiert.
2023 legte sie ihren Roman „Malus“
auf, in dem sie mit dem patriarchalen Erbe unserer Gesellschaft gnadenlos abrechnet und die Tür zu einem anderen Lebensentwurf und selbstbestimmten Leben der Frau öffnet.
Neuer Roman 2025
: Die Kröte, 208 Seiten, Verlag Kreymayr & Scheriau, Wien, ISBN 978-3-218-01471-7, Euro 25.