Waldachtaler auf Forbes-Liste: „Viele trauen sich nicht zu gründen“

Maximilian Oligschläger steht vor der elektrischen Flugplattform, an der er bei ERC System arbeitet.
ERC SystemMark Zuckerberg, Kylie Jenner, Emma Watson, „A$AP Rocky“ – sie alle standen bereits auf der Forbes „30 unter 30“-Liste. Das Magazin ehrt damit jährlich junge Menschen, die ihre Branchen prägen und gesellschaftlichen Wandel vorantreiben. Nun steht auch ein Schwarzwälder auf der Liste: Maximilian Oligschläger, 27 Jahre alt, aufgewachsen in Waldachtal.
Oligschläger ist Mitgründer der Münchner Firma ERC System. Das Unternehmen entwickelt eine elektrische Flugplattform für Luftrettung und militärische Logistik – und wurde dafür von Forbes im Bereich Herstellung und Fertigung ausgezeichnet.
Wie entstand die Idee zu ERC System? Was war die Motivation, sich gerade auf elektrische Luftrettung zu spezialisieren?
Meine Mitgründer und ich haben an der Technischen Universität München in der Luftfahrt angefangen. Unser Professor Florian Holzapfel hat uns erzählt: „Leute, die größte Revolution in der Luftfahrt steht vor uns – die Elektrifizierung.“ Wir wollten uns dabei aber auf Anwendungsbereiche fokussieren, die einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten. Die meisten elektrischen Flugzeugfirmen konzentrieren sich auf den Lufttaximarkt.
Den ersten Prototypen, Echo, haben sie im Geheimen gebaut. Warum?
Für uns war am Anfang wichtig zu beweisen, dass wir es technisch draufhaben, also wirklich einen Flugzeugdemonstrator bauen, der möglichst kapitaleffizient fliegt. Marketing kostet und lenkt ab. Das hat nichts damit zu tun, dass uns irgendjemand kopiert, sondern dass wir gesagt haben: „Erst das machen, was wichtig ist, also das Flugzeug bauen.“ Und seit einem Jahr zeigen wir auch öffentlich, dass wir es draufhaben.
Welche Hürden gab es dabei?
Eine persönliche Hürde war, zu lernen, wie man Mitarbeiter führt. Ich bin noch jung und einige Mitarbeiter älter als ich, daran musste ich mich gewöhnen.
Eine unternehmerische Herausforderung ist die strenge Reglementierung der Luftfahrt. Man muss seriös arbeiten, viel dokumentieren und Leute überzeugen, dass es überhaupt möglich ist. Und technisches Risiko rausnehmen, denn in der Luftfahrt hat die Sicherheit der Passagiere, aber auch die der Menschen, über die man hinwegfliegt, Priorität. Das braucht viel Zeit und Beweisführung, was für ein Start-Up, das schnell sein will, nicht immer einfach ist. Also man braucht viel Geduld.
Gab es Momente, in denen das Team gezweifelt hat? Wie sind Sie intern damit umgegangen?
Wir machen das Ganze, weil wir dran glauben. Ich würde sehr viel Geld darauf setzen, dass wir in 20 Jahren sehr viele elektrische Flugzeuge haben werden. Die Frage ist: Welche Firma schafft es und zu welchem Zeitpunkt? Und das ist, wo man am meisten mit kämpfen muss. Zweifel am Markt haben wenige. Es ist eher Ungeduld, die wir haben, weil wir viele junge, motivierte Ingenieure sind.
Es gibt ERC System seit fünf Jahren, was steht in den nächsten fünf an?
Die Entwicklung von Charlie. Das ist das finale Produkt, das Flugzeug, welches wir ab 2030 verkaufen wollen. Das wird gerade designt, wir sprechen mit Zulieferern und wir fangen den Zertifizierungsprozess an. Dieser ist lang, man muss einige Testflüge machen, viel mit den Zulassungsbehörden kommunizieren. Darauf liegt der Fokus um 2030 eine Zulassung zu haben und Flugzeuge liefern zu können.
Zurück zur Forbes Liste. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung persönlich?
(lachend) Mir persönlich tatsächlich eher weniger. Am meisten hilft es, dass meine Eltern jetzt verstehen, dass Firmen gründen cool ist. Ich merke, dass es in der Heimat im Schwarzwald jetzt nicht normal ist, eine eigene Firma aufzubauen. Da geht man eigentlich zu Fischer oder Homag.
Sonst ist es eher für die Firma cool. Nicht ich gründe die Firma, es sind ganz viele neben mir und wir haben einige Mitarbeiter. Es ist schon toll, dass sich Forbes von den wenigen Unternehmen in Europa gerade uns ausgesucht hat. Und das bringt uns ehrlich gesagt richtig viel, weil es für Publicity sorgt. Und die wiederum hilft, Kunden und Zulieferer zu überzeugen.
Welchen Rat haben Sie für junge Menschen, die eine gute Idee umsetzen wollen?
Was mir geholfen hat, war für eine Zeit in Städte zu gehen, in denen Gründen verbreiteter ist. Gerade bei mir im Studium war es völlig normal, dass sich jeder Student damit auseinandersetzt, ob er nicht eine eigene Firma aufmacht. Man bekommt dadurch viele Mentoren, die einem zeigen, wie gründen geht. Und es ist einfacher, als man denkt.
Es geht darum, dass du motiviert bist, ein relevantes Problem identifiziert hast, und dann, dass du jemand findest, der investiert und sagt: „Löse das Problem für mich.“ Der Fokus sollte eher auf dem Problem als auf der Lösung liegen, und man sollte viel mit denen sprechen, die das Produkt am Ende kaufen. Doch viele trauen sich nicht zu gründen, obwohl wir in der Heimat einen großen Unternehmergeist haben. Dabei gibt es im Schwarzwald so viele Firmen, auch Familienunternehmen, die bereit wären, zu helfen.
Zur Person
Maximilian Oligschläger
wird 1998 in Freudenstadt geboren und und wächst im Waldachtaler Ortsteil Hörschweiler auf. Ein Praktikum bei Fischer entfacht seine Begeisterung für die Naturwissenschaften. Direkt nach dem Abitur am Gymnasium Dornstetten zieht er nach München, um an der Technischen Universität Ingenieurwissenschaften zu studieren. Dort gründet er Workride und steigt bei ERC System als Mitgründer ein.
Die Unternehmen:
Workride ist eine Anwendung, die es großen Unternehmen ermöglicht, die eigene Fahrzeugflotte intelligent zu managen und auszulasten.