Waldachtal
: "Die Stimme ist ein Geschenk Gottes"

Oper: Ein familiärer Schicksalsschlag ließ Otto Schmid zum Sänger werden –­ und zum glühenden Pavarotti-Fan
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Schwarzwälder-Bote
Oberndorf
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Otto Schmid aus Lützenhardt lässt sich gerne vor seinem Vorbild Luciano Pavarotti fotografieren. Foto: Schmid

Schwarzwälder-Bote

Er stand schon mit James Last, Nana Mouskouri und Freddy Quinn auf der Bühne: Otto Schmid gilt als "der Pavarotti aus dem Waldachtal". Seine Stimme betrachtet der Tenor aus Lützenhardt aber nicht nur wegen der Ähnlichkeit mit seinem berühmten italienischen Vorbild als Geschenk des Himmels.

Waldachtal-Lützenhardt. Die Frisur, der Bart, die Statur –­ seine Optik hat Otto Schmid voll und ganz auf den großen Star-Tenor Luciano Pavarotti abgestimmt. Doch auch beim Gesang versucht der Lützenhardter, der schon in mehr als 400 Fernsehsendungen aufgetreten ist und zuletzt beim Saisonabschluss der Schwarzwälder Top-Sound-Music im Kurshaus in Lützenhardt das Publikum begeisterte, seinem Idol so nah wie möglich zu kommen. Schon oft habe man seiner Stimme eine gewisse Ähnlichkeit mit der Pavarottis nachgesagt. "Es hieß sogar schon mal, ich sei der uneheliche Sohn", lacht Schmid, der stolz ist auf seinen Spitznamen "Pava-Otti".

Umso mehr bedauert Schmid, dass er sein großes Vorbild, das 2007 in seiner Heimatstadt Modena gestorben ist, nie in natura gesehen hat. Immerhin: Vor einigen Jahren fasste er sich ein Herz und fuhr nach Modena, um auf Spurensuche zu gehen. Vor der Pavarotti-Villa überrannten Schmid die Gefühle und er sang inbrünstig "O ­sole mio". "Die Leuten kamen sofort aus ihren Häusern gerannt, weil sie dachten, Pavarotti wäre wieder da", denkt Schmid mit leuchtenden Augen an jenen Tag zurück, "es war ein absolutes Erlebnis, dort zu stehen."

Schon im Alter von zwölf Jahren interessierte sich Schmid für klassische Musik. Während seine Klassenkameraden auf AC/DC oder die Bee Gees abfuhren, schwärmte der junge Lützenhardter schon damals für Pavarotti. "Klassik hat mir schon immer gefallen. Vor allem die italienische Opernmusik hat mich sehr berührt. Ich habe Pavarotti angehimmelt", sagt Schmid.

Die Faszination für die filigrane Gesangskunst ist eng verbunden mit einem familiären Schicksalsschlag: Sein ­Vater Josef wurde durch einen Unfall im frühkindlichen ­Alter taubstumm. Mit ihm konnte Schmid nur per Gebärdensprache kommunizieren, die Stimme seines Vaters hat er nie gehört. "Dass ich eine Stimme habe, betrachte ich als ein Geschenk Gottes, als eine Art Wiedergutmachung", betont Schmid.

Der junge Lützenhardter beschloss, in seine Stimme zu investieren. Schon im Alter von 15 Jahren fing er an, bei mehreren namhaften Gesangspädagogen in Trossingen und Stuttgart Unterricht zu nehmen und widmete sich dem klassischen Gesangsstudium.

Seine glockenklare Stimme vom Typ jugendlicher Heldentenor brachte ihn schließlich auf die Showbühnen dieser Welt – zunächst als Chorsänger, später auch als Solist. Er sang mit Größen wie James Last, Nana Mouskouri und Freddy Quinn, aber auch mit Gotthilf Fischer, Tony Marshall und den Flippers teilte sich Schmid die Bühne. Beim Festakt zum 40-jährigen Bestehen der Bundesrepublik Deutschland sang er "Freude schöner Götterfunken" und saß neben dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

In Erinnerung bleibt Schmid vor allem sein Aufritt im August 2010 im Europapark Rust. In der Sendung "Immer wieder sonntags" mit Stefan Mross wagte der Stimmakrobat aus Lützenhardt einen Rekordversuch und hielt das hohe C beim letzten Vincero der Opernarie "Nessum dorma" ganze 16 Sekunden lang. Schmid: "Das konnte nicht einmal Luciano Pavarotti."

Den finalen Schritt zum Profimusiker hat "Pava-Otti" allerdings nie gewagt. James Last soll einmal zu Schmid gesagt haben, dass jemand wie er auf die ganz große Bühne gehöre – und wollte ihn mit in die USA nehmen. "Gerade in Las Vegas wird ja viel mit Doubles gearbeitet. Da würde ich als Pavarotti vielleicht gut ankommen", vermutet Schmid.

Doch auch hier spielt das Schicksal des Vaters eine ­Rolle: Weil er mit ihm nur per Gebärdensprache kommunizieren konnte, wurde er oft von Mitschülern gehänselt. Das hat Blessuren an Schmids Selbstbewusstsein hinterlassen, die bis heute nachwirken. Zwar haben der Gesang und die Bühnen-Erfahrungen seinen Charakter gestärkt, den Weg über den Großen Teich traute sich der Lützenhardter dann aber doch nicht zu.

Somit genießen weiterhin die Bühnen in Deutschland das Privileg, Schmids voluminöse Stimme zu genießen, die auch mit hohen Tönen keine Probleme hat. Aus gesundheitlichen Gründen tritt der Heldentenor inzwischen zwar etwas kürzer, so ganz von der Bühne trennen kann er sich aber nicht. Einzig sein Herzenswunsch wird niemals in Erfüllung gehen: Dass sein taubstummer Vater ihn nur ein einziges Mal singen hört.

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