Vor Bürgerentscheid in Horb: „Aussagen verfälscht“ – Kritik an Darstellung im Windkraft-Flyer

Ulrich Schraml (Mitte), Direktor der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg, bei der Infoveranstaltung in der Hohenberghalle
Jürgen LückWenige Tage vor dem Bürgerentscheid zur Windkraft in Horb gibt es neues Konfliktpotenzial. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), das Forum Energiedialog Baden-Württemberg (FED) und die Stadt Horb haben eine gemeinsame Mitteilung veröffentlicht. Anlass ist ein Flyer der Initiatoren des Bürgerentscheids, in dem Aussagen von Professor Ulrich Schraml aus einer Informationsveranstaltung am 13. November verwendet wurden.
Nach Angaben der drei Institutionen wurde Schraml darin aus dem Kontext gerissen. „Die einseitige Zusammenstellung von Halbsätzen aus meinem Vortrag verfälscht meine Aussagen“, erklärt der FVA-Direktor. „Es wird der Anschein erweckt, ich würde die Nein-Position beim Bürgerentscheid in Horb unterstützen. Auch die Art der Darstellung im Flyer vermittelt diesen falschen Eindruck.“
“Ausbau der Windkraft wichtiges Element des Klimaschutzes“
In seinem Vortrag habe er dargestellt, welche Aspekte im Zusammenhang mit Windenergie im Wald abzuwägen seien. Zudem habe er betont, dass der Ausbau der Windkraft ein wichtiges Element des Klimaschutzes und damit auch des Waldschutzes sei: „Ich traue den Bürgerinnen und Bürgern zu, sich daraus selbst eine Meinung zu bilden.“
Die Bürgerinitiative hat nach Kritik des Referenten reagiert und den Flyer in seiner ursprünglichen Form von der Internetseite entfernt. FVA, FED und Stadt Horb appellieren gemeinsam, die gedruckte Version ebenfalls nicht weiter zu verbreiten und gegenüber Empfängern die Darstellung zu korrigieren.
Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern
Hintergrund ist der Bürgerentscheid am 30. November. Dann stimmen die Einwohnerinnen und Einwohner darüber ab, ob städtische Waldflächen für die Nutzung von Windkraftanlagen bereitgestellt werden sollen. Die Auseinandersetzung zwischen Befürwortern und Gegnern hatte zuletzt deutlich an Schärfe gewonnen – von Fragen zur Wegverbreiterung für Schwertransporte bis hin zu Debatten über Pachteinnahmen, Waldschutz und Vertrauen in Gemeinderat und Verwaltung.
Mit der gemeinsamen Mitteilung wollen die drei Institutionen nach eigenen Angaben für eine sachliche und korrekte Grundlage in der öffentlichen Diskussion sorgen.