Trinkwasser – verzweifelt gesucht?
: Was in Horb und Umgebung gegen die Hitze getan wird

Städte und Gemeinden sollen künftig bei hohen Temperaturen Durstigen Trinkwasser zur Verfügung stellen – zum Beispiel in Form von Trinkwasserbrunnen. Wie ist der Stand in Horb und Umgebung? Wir haben uns umgehört.
Von
Janina Link
Oberndorf
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Brunnen, wie dieser hier in Empfingen, werden oftmals vom Grundwasser gespeist. Das Wasser darin ist also folglich kein Trinkwasser. Ein Gesetz soll daran nun was ändern.

/Nowotny

Die Stadt Nagold hat es jüngst vorgemacht: Sie plant, drei öffentliche Trinkwasserbrunnen in der Innenstadt aufzustellen. Dort kann sich jeder durstige Besucher bedienen. Auch in Lahr kann künftig auf dem Rathausplatz kostenlos Wasser gezapft werden. Die Idee kommt nicht von irgendwoher: Bürgern im öffentlichen Raum Zugang zu qualitativ hochwertigem Trinkwasser zu ermöglichen, ist das Ziel der EU-Trinkwasser-Richtlinie.

Die Bundesregierung hat diese Richtlinie mit einer Änderung des Wasserhaushaltgesetzes auch in deutsches Recht umgesetzt. Die Trinkwasserversorgung soll laut Gesetzestext im öffentlichen Raum durch Innen- und Außenanlagen gewährleistet werden – soweit dies technisch durchführbar und unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten verhältnismäßig ist.

Horb: Projektidee muss noch ausgearbeitet werden

Das Thema wurde nicht zuletzt durch andauernde Hitzewellen und andere Extremwetterereignisse aktuell, die eine Hitzevorsorge nötig machen. Einige Städte und Gemeinden haben schon konkrete Schritte unternommen, um die Trinkwasserversorgung im öffentlichen Raum zu gewährleisten. Wie sieht die Lage in Horb und Umgebung aus?

Auch in Horb ist das Thema bereits angekommen. Laut Stadtverwaltung gibt es eine Projektidee, die jedoch erst noch ausgearbeitet werden soll. Pfarrer Johannes Unz vom Evangelischen Pfarramt Mühlen könnte sich zudem gut vorstellen, hinter der Radwege- und Pilgerkirche Mühlen einen Trinkwasserbrunnen aufzustellen, jedoch sei das eine Frage der Finanzierung. Dem Durst der Kirchenbesuchern wird derweil durch eine Flasche Wasser abgeholfen, die in der Kirche mitgenommen werden kann.

Truffner in Empfingen: „eher Wasserverschwendung“

„Wir haben aktuell keine konkrete Planung in Aussicht, aber bei der Umgestaltung des Rathausvorplatzes soll hierfür Platz geschaffen werden“, sagt Ferdinand Truffner, Empfingens Bürgermeister, zu der Trinkwasserbrunnen-Thematik. Die Planung sei für 2026 angedacht, nach der Sanierung des Gebäudes Mühlheimer Straße 4. Derzeit würden die Brunnen in Empfingen noch vom Grundwasser gespeist werden, das aus den Feldern fließt und dann im Tälesee mündet – das Wasser darin ist folglich also kein Trinkwasser.

Eutingen: Trinkwasser aus der öffentlichen Toilette

Sonderlich viel hält Truffner im Übrigen nicht davon, Trinkwasserbrunnen in dörflichen Gemeinden aufzustellen: „Ich persönlich begrüße die Verpflichtung für größere Städte – aber für kleine, dörfliche Gemeinden ist so eine Infrastruktur meist überflüssig und eher Wasserverschwendung oder gar Unterstützung von cleveren Schwaben, kostenlos Wasser zu beziehen und nicht bezahlen zu müssen.“

Ganz ähnlich sieht das Markus Tidemann, Bürgermeister von Eutingen. „Der Referentenentwurf der Bundesregierung schätzt den Erfüllungsaufwand je explizitem Trinkwasserbrunnen auf einmalig 15 000 Euro, sowie die jährlichen Kosten für Betrieb und Unterhaltung auf 1000 Euro.“ Die im Gesetzestext genannte Verhältnismäßigkeit sei daher in seinen Augen für kleinere Kommunen eher fraglich.

In Eutingen werde der Öffentlichkeit täglich von 6 bis 20 Uhr Trinkwasser aus dem Leitungsnetz der Gäuwasserversorgung in Form der Wasserhähne in den öffentlichen Toiletten im Rathaus Eutingen bereitgestellt, so Tidemann. Dies erfülle seines Erachtens den Zweck zur Bereitstellung von Trinkwasser aus dem Leitungsnetz.

Waldachtal: Kann man Wasser aus dem Brunnen trinken?

Die Gemeinde Waldachtal habe zwar zahlreiche Brunnen, doch keiner ist als Trinkbrunnen ausgewiesen, sagt Bürgermeisterin Annick Grassi. „Nichtsdestotrotz wird ein Großteil der Brunnen bereits aus dem Wassernetz gespeist, es wäre also Trinkwasser.“

Waldachtal sei eine ländliche Gemeinde mit vielen Bäumen und vielen Gewässern. Das Ziel, das mit Trinkbrunnen erreicht werden solle, nämlich an heißen Sommertagen der Bevölkerung Wasser oder auch Schatten zur Verfügung zu stellen und eine gewisse Sicherheit und Vorsorge vor Hitzeschäden zu geben, sei in ihren Augen durchaus gegeben, so Grassi.

Zusätzliche Infos

Trinkwasserbrunnen
Derzeit gibt es laut einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz deutschlandweit bereits schätzungsweise mehr als 1.300 öffentliche Trinkwasserbrunnen. In einem ersten Schritt sollen Städte und Gemeinden nun etwa 1.000 zusätzliche Trinkwasserbrunnen aufstellen. Dabei haben sie weitgehende Flexibilität, was Lage, Zahl und Art der Trinkwasserbrunnen angeht.

Hitze: Gefährdung für Gesundheit
Sonnenstiche, Hitzschläge und andere durch Hitze oder Sonnenlicht verursachte Schäden führten im Durchschnitt der Jahre 2001 bis 2021 zu knapp 1500 Krankenhausbehandlungen jährlich, so das Statistische Bundesamt. Als direkte Todesursache lässt sich Hitze bei durchschnittlich 19 Fällen pro Jahr allerdings selten feststellen. Sehr hohe Temperaturen lassen die Sterblichkeit jedoch insgesamt steigen, da in vielen Fällen die Kombination aus Hitze und Vorerkrankungen das Sterberisiko erhöht.

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