Schlössle in Salzstetten: Gigs und Gags die geniale Rezeptur

Restlos begeistert vom humoristischen Unterhaltungsabend mit dem Tübinger Kabarettisten zeigte sich das Publikum im Salzstetter Kulturtempel.
Walter MaierKabarettist Bernd Kohlhepp beeindruckte als Improvisationskünstler par excellence. Er entrückte vom sorgenvollen Alltag mit Steilvorlagen zu „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Gigs und Gags hieß die Rezeptur des amüsanten Unterhaltungsabends.
„Herr Hämmerle kommt!“ und wie. So grandios, wortgewaltig und schlagfertig, dass sich bei der Premiere im Schlössle die Balken bogen. Auf der Kleinkunstbühne kommunizierte der angeblich aus Bempflingen Angereiste mit den Besuchern im ausverkauften Haus, interaktiv und mit Anleihen vom Improvisationstheater. Der 63-Jährige präsentierte sein Wortwitz reiches Hämmerle-Programm, gespickt mit Höhepunkten aus den letzten Jahren.
Künstler zündet eine geballte Ladung Humor
Schon ab den ersten Minuten waren die Zuhörer hellauf begeistert ob der geballten Ladung Humor, welche der preisgekrönte Bühnenkünstler zündete. Pointe um Pointe lösten Lachsalven in Dauerschleife aus: Im historischen Gemäuer beleuchtete der Comedian viele Facetten des menschlichen Alltags. Und alles in Allegro di molto: Bernd Kohlhepp kokettierte mit atemberaubender Gedanken- und Sprechschnelligkeit und erntete oftmals stürmischen Applaus auf offener Szene.

Knaller-Abend im historischen Ambiente: Bernd Kohlhepp erheiterte auf komödiantische Weise, setzte Pointen das i-Tüpfelchen auf und brachte das Publikum im Salzstetter Schlössle zum Lachen wie am Fließband.
Foto: Walter MaierWeil die Sache mit seiner Frau zu Hause, so Hämmerle, schon auslaufe, flirtete er mit einer Dame in der ersten Reihe. Ein spontanes Gedicht helfe, um Frauen zu schmeicheln: „Das bombt sie um.“ Und merkte an: „Das große Volk der Chinesen hat es nicht geschafft, einen einzigen schwäbischen Dichter hervorzubringen.“ Er stellte die Vorzüge der Adam-Nachfolger heraus: “Männer sind Vulkane. Manchmal bricht das Magma aus und manchmal „mag mer net“. Der Kabarettist sinnierte über das Tantra, das er mit „Hand ra“ übersetzte. Mit einem Song outete sich Herr Hämmerle als „Meister der Heißluftpistole“. Gesten und Mimik reich machte er sich seine Reime über den menschlichen Körper und über einige der vielen Apfelsorten im Ländle.

Gestik und Mimik beherrscht der Multikünstler Herr Hämmerle alias Bernd Kohlhepp aus dem Effeff.
Foto: Walter MaierWie wahr: „Der Mensch wird seinem Haustier immer ähnlicher.“ So wie die Katze von der senilen Frau Schwerdtfeger. Er zitierte einen „Wissenschaftler“ von RTL 2: „Alles, was man in zwei Jahren nicht in der Hand gehabt hat, kann weg.“ Große Stücke hielt er vom schwäbischen Auto-Navi-System „Herbert“ bei dem die Stimmer öfters sage: „Do grad wärs gwäa (gewesen)“.

Ziemlich beste Freunde gut gelaunt: Schlössle-Fördervereins-Vorsitzender Eberhard Armbruster (links) und Vize Herbert Erath (rechts) zusammen mit dem Erste Sahne-Kabarettisten Bernd Kohlhepp.
Foto: Walter MaierDer versierte Bühnenkünstler mit beachtlicher Stimme verriet: „Ich singe lieber hier im Schlössle vor Publikum als daheim allein unter der Dusche.“ Elvis Presley-Hits mit pfiffigen Original Bernd Kohlhepp-Texten gab er im Salzstetter Kulturtempel zum Besten. Denn: „Die Schwaben haben den Rock’n’Roll erfunden.“ Bei einem seiner Lieblings-Songs „Lonesome tonight“ in der Kohlhepp-Deutsch-Übersetzung „Langsam zur Zeit“ hatte er die Lacher auf seiner Seite. Mit dem finalen Song „Sofa-Zeit“ verabschiedete sich der Multi-Künstler nach daheim.
Der Förderverein Schlössle hat ein Trumpf-Ass gezogen
Förderverein-Vorsitzender Eberhard Armbruster, freute sich, mit dem hochkarätigen Kabarettisten eine Kultfigur aus dem Ländle für das Kulturprogramm im Kleinod Salzstetter Schlössle gewinnen zu können. Mit Bernd Kohlhepp hat der Förderverein Schlössle ein Trumpf-Ass gezogen. Alle wünschen sich, was Wunder, ein Wiedersehen mit dem Tübinger Kabarettisten.
Kabarettist Bernd Kohlhepp
Der namhafte Bühnenkünstler,
Jahrgang 1962, kam im schweizerischen Zofingen als Sohn eines Badeners und einer Holländerin auf die Welt. Somit ist der gar kein gebürtiger Schwabe, wie immer wieder vermutet wird.
Mit zwei Jahren
zog er allerdings mit seinen Eltern nach Tübingen ins Ammertal, das seine Heimat wurde.
Dem mit vielen Preise
n ausgezeichneten Kabarettisten wurde 2015 der baden-württembergische Kleinkunstpreis verliehen.