Reitereignis in Horb: Letzter Aufgalopp zu Leonhards Ehren

Auch beim letzten Leonhardsritt in Horb ein Hingucker: die Ankunft der Friesen-Quadrille vom Deutschen Friesen-Zuchtverband
MorlokDas war’s! Seit Donnerstagnachmittag, etwa gegen 14 Uhr, ist der Horber Leonhardsritt Geschichte. Insgesamt zehn Mal fand dieses Fest statt, das nach dem heiligen Leonhard von Limoges, dem Schutzpatron der landwirtschaftlichen Tiere, vor allem der Pferde, benannt wurde.
Ins Leben gerufen wurde dieses Benefizfest, dessen Erlös jeweils in den Fonds für die Sanierung der beiden Kirchendächer floss, also das der Stiftskirche und aktuell in das der Liebfrauenkirche, auf Basis einer Idee von Reitersmann Manfred Bok, der in den Anfangsjahren des Leonhardsrittes eine Reiterprozession hoch auf die Schütte im Kopf hatte.
Kirchengemeinde zieht mit
Mit Diakon Klaus Konrad, Joachim Milles und Klaus Graf fand er sehr schnell Mitstreiter, die sich als Organisationsteams und nimmermüde Werber für die gute Sache einsetzten. Für Klaus Graf kam später Hans Noll ins Team.
Mit den Kirchenmännern Konrad und Milles stand die Beziehung zur katholischen Kirche und zur Horber Kolpingsfamilie, Bok ließ in all den Jahren seine guten Beziehungen zu den Reitern von Baden-Württemberg spielen, und Graf und Noll kümmerten sich um die praktischen Dinge, die zu so einem Fest gehörten.
Spendenziel ist erreicht
Die Infrastruktur stand, und der Leonhardsritt war von Anfang an eine Veranstaltung, die von den Horbern angenommen wurde.
In diesem Jahr haben sich die Verantwortlichen dazu durchgerungen, diese Veranstaltung zum letzten Mal durchzuführen. Das Geld für die beiden Kirchdachsanierungen, das die Horber Kirchengemeinde beisteuern muss, ist in der Kasse, und die Verantwortlichen wollen aus Altersgründen aufhören.
Keine Nachfolger gefunden
Nachfolger fanden sie keine, und deshalb gab es am diesjährigen Tag der Deutschen Einheit den letzten Leonhardsritt. Ein Umstand, der sogar den Himmel weinen ließ. „Petrus lässt viel Weihwasser auf uns herunter“, scherzte Pater Jennis Thomas, der zusammen mit Diakon Klaus Konrad und dem Rottenburger Pater Francis als Zelebranten neben dem emeritierten Bischof Gebhard Fürst den gut besuchten Gottesdienst auf der Schütte durchführte. Ein Gottesdienst, der vom Bläserensemble der Spielgemeinschaft Horb-Bildechingen musikalisch umrahmt wurde.
Segen für die Tiere
Zwischen 200 und 250 Besucher lauschten trotz der nicht ganz idealen Bedingungen den Worten des früheren Bischofs der Diözese Rottenburg-Stuttgart. „Wer bei solch einem Wetter zu solch einem Fest kommt, der muss ein wahrer Christ sein“, lobte Fürst die Anwesenden.
In seiner Predigt ging er auf die Krisen und Kriege dieser Welt ein und auf die Sehnsucht der Menschen nach Frieden. Frieden und Verständigung waren der rote Faden seiner Predigt. Wünsche, in die er, wie auch nachmittags bei der Tiersegnung, alle Geschöpfe Gottes mit einbezog.
Gestrafftes Programm
Das schlechte Wetter brachte bei diesem letzten Leonhardsritt nicht nur ein ordentliches Besucherdefizit mit sich. Auch das Programm, das das Organisationsteam auf die Beine gestellt hatte, geriet durcheinander. Einige Veranstaltungspunkt, wie beispielsweise der Auftritt der Hundetrainer und der des Akkordeonorchesters Grünmettstetten, fielen buchstäblich ins Wasser. Aus praktischen Gründen wurde das Programm etwas gestrafft, so dass man schon gegen 14 Uhr den offiziellen Teil des Festes, die Tiersegnung und den Flug der Friedenstauben, durchführen konnte.
Alphornbläser treten auf
Der Auftritt der Alphornbläser des Freudenstädters Ortsteil Kniebis, die unter Leitung ihres Dirigenten Reinhard Züfle nach dem Motto „Hab Sonne im Herzen und Freude an der Musik“ nun auch schon zehn Jahre dabei waren, konnte erfreulicherweise ebenso stattfinden wie die musikalische Unterhaltung durch die Drehorgelspielerin Luise Rapp aus Tübingen.
Imposantes Schaureiten
Die Stars waren aber die Tiere. Hauptsächlich die Pferde. Marita und Holger Koppenhagen aus Albstadt machten den Anfang mit ihren mächtigen Friesen, gefolgt von der Friesen-Quadrille vom Deutschen Friesen-Zuchtverband. Acht wunderbare Tiere, darunter ein sehr seltener schwarz-weiß gescheckter Pinto, führten unter ihren Reitern den Tanz der schwarzen Pferde in Vollendung vor.
Ein Drachen spuckt Feuer
Spektakulär wurde es, als die Horber Reiterin Alfi ihren Kampf gegen einen kleinen Drachen aufnahm. Ein wenig Ritterspielromantik kam auf, als sich der modellierte kleine Drache mit pyrotechnischem Effekt gegen seine Angreiferinnen wehrte und am Ende sogar den Kampf gewann.
Ob nun Drache oder Reiter, es war eigentlich egal, wer diesen ungleichen Kampf gewann. Sieger waren die Organisatoren samt all ihren vielen Helfern, die zehn Mal diese Open-Air-Veranstaltung stemmten und dabei viel Geld für die Sanierung der Horber Kirchendächer sammelten.