Regionalkonferenz in Rottenburg
: „Kirche der Zukunft“ mit 50 bis 80 neuen Gemeinden

Stark rückläufige Mitgliederzahlen der katholischen Kirche, weniger Kirchensteuereinnahmen und ein ebenfalls deutlicher Rückgang des pastoralen Personals: Die Diözese stellt sich bei diesen Gegebenheiten neu auf.
Von
Marzell Steinmetz
Rottenburg
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Im Rottenburger Dom trafen sich die Vertreter von Kirchengemeinden zur Regionalkonferenz: Es ging um die Zukunft der Kirche.

Im Rottenburger Dom trafen sich die Vertreter von Kirchengemeinden zur Regionalkonferenz: Es ging um die Zukunft der Kirche.

Marzell Steinmetz
  • Diözese plant „Kirche der Zukunft“: 50 bis 80 neue Gemeinden aus 1020 Kirchengemeinden.
  • Regionalkonferenz im Rottenburger Dom mit Bischof Klaus Krämer – 240 Vertreter vor Ort.
  • Zusammenschlüsse per Union, Leitung flexibel; pastorale Arbeit bleibt vor Ort organisiert.
  • Voten der Gemeinden im September, Entscheidung über neue Zuschnitte im Dezember dieses Jahres.
  • Gründe: weniger Mitglieder, sinkende Kirchensteuer, weniger Personal; Verwaltung und Gebäudeabbau geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zur „Kirche der Zukunft“ fand am vergangenen Freitag eine Regionalkonferenz im Rottenburger Dom mit Bischof Klaus Krämer statt.

Gekommen waren 240 Vertreter der Dekanate Rottenburg, Reutlingen-Zwiefalten, Esslingen-Nürtingen, Böblingen und Calw. Der Prozess der „Kirche der Zukunft“ startete Ende November 2025. Die bisherigen Regionalkonferenzen dienten dazu, mit dem Bischof ins Gespräch zu kommen. Auch wenn schon einiges feststeht, in welche Richtung es gehen soll – es gibt noch viele Fragen. Das zeigte die Veranstaltung im Rottenburger Dom. Die eine oder andere Kritik an dem bisherigen Prozess wurde ebenfalls geäußert.

Auch unbequeme Stimmen werden gehört

Dompfarrer Klaus Rennemann betonte eingangs, dass die „Kirche der Zukunft“ kein Soloprojekt, sondern ein synodaler Weg sei, auf dem auch „unbequeme Stimmen“ gehört werden sollen. „Was benötigen die Menschen von uns? Was brennt ihnen auf den Nägeln?“ Dafür müsse man mit einer „Haltung des Hörens“ empfänglich sein.

Es sind weitreichende strukturelle Veränderungen in der diözesanen Landschaft geplant. Der Aufbruch in eine neue Zukunft prägt deshalb eine große Unsicherheit, doch es werden auch Chancen dabei gesehen, stellte Stefanie Oeben von der Prozessleitung fest. Bis zum Jahr 2030 sollen aus 1020 Kirchengemeinden 50 bis 80 neue Kirchengemeinden entstehen. Vorgesehen ist eine Vereinigung durch Union. Diese sieht so aus, dass eine Kirchengemeinde die anderen Gemeinden aufnimmt, somit auch den neuen Pfarrsitz darstellt und die Pfarrkirche stellt. Der Name der neuen Gemeinde kann übernommen oder auch geändert werden.

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Bischof Klaus Krämer stellte sich im Rottenburger Dom  Fragen zum Veränderungsprozess der Kirche.

Bischof Klaus Krämer stellte sich im Rottenburger Dom Fragen zum Veränderungsprozess der Kirche.

Marzell Steinmetz

Verschiedene, bereits erprobte Leitungsmodelle mit einem Pfarrer, einem Pfarrerteam, einem Pfarrbeauftragten oder pfarrbeauftragtem Team sind möglich. Dem Zeitplan zufolge sollen die Kirchengemeinden im September ihre Voten abgeben, wer sich mit wem zusammenschließt. Diözesanrat und weitere Gremien geben ebenfalls ihre Stellungnahmen ab.

Im Dezember dieses Jahres entscheidet Bischof Krämer über die Umschreibung der neuen Kirchengemeinden. Damit steht dann auch die neue diözesane Landkarte fest. Bis 2029 sollen als Grundlage der neuen Kirchengemeinden Gründungsvereinbarungen getroffen werden, um zum 1. Januar 2030 dann die neuen Kirchengemeinden zu bilden. Solange bleiben die bestehenden Gremien im Amt.

Die Seelsorge wird weiterhin vor Ort ermöglicht

Das Ziel des Prozesses: Die Seelsorge wird weiterhin vor Ort ermöglicht. Dabei sollen das pastorale Personal und die Ehrenamtlichen von Verwaltungsaufgaben entlastet werden.

Wie Diözesanreferentin Barbara Strifler aufzeigte, werden bis zum Jahr 2040 mehr als 30 Prozent weniger Kirchenmitglieder prognostiziert. Durch Austritte und weniger Taufen werde die Kirchensteuer 2035 um 27 Prozent zurückgehen. Stark nach unten weist auch die Kurve des pastoralen Personals. Die Steuereinbußen könnten zunächst zwar durch Rücklagen abgefedert werden, jedoch sei dies keine Dauerlösung. Der personelle Abwärtstrend in der Seelsorge werde nicht mehr umkehrbar sein.

Neben der Reduzierung der Kirchengemeinden zielen weitere Maßnahmen darauf ab, die Verwaltung zu verschlanken. Das gilt auch für den nicht sakralen Gebäudebestand, der um 30 Prozent reduziert werden muss. Gleichzeitig sollen eine Digitalstrategie sowie die Einführung eines zentralen Prozessmanagements Abläufe und Prozesse der Verwaltung verbessern.

Die pastorale Arbeit wird weiterhin vor Ort gestaltet

Im Vorfeld der Veranstaltung sind zahlreiche Fragen eingereicht worden. Etliche davon betrafen die Mitsprache in der neuen Kirchengemeinde. Welche Entscheidungen dürften noch vor Ort getroffen werden? Nach Auskunft von Bischof Krämer soll die pastorale Arbeit weiterhin vor Ort gestaltet und organisiert werden. Die rechtlichen Beschlüsse, die Gebäudeunterhaltung oder die Finanzen lägen im Aufgabenbereich des neuen Kirchengemeinderats. Wie groß dieses Gremium sein werde, darüber werde noch diskutiert. Finanziell blieben die kleinen Orte nicht auf der Strecke. „Da geht es um Fairness“, betonte Krämer, das Teilen müsse im Vordergrund stehen.

Befürchtet wurde, dass künftig die Ehrenamtlichen stärker belastet werden. Krämer räumte ein, dass die ehrenamtliche Arbeit wichtiger werde. Gleichzeitig versicherte er: „Die Ehrenamtlichen sollen kein Lückenbüßer sein. Ich setzte sehr auf das Ehrenamt. Wir werden es fördern und begleiten.“ Weitere Fragen bezogen sich auf die pastorale Präsenz im Kirchenort. Wie oft wird dort eine Messe gehalten? Ist eine Eucharistiefeier von der Entfernung her für die Gemeindemitglieder noch erreichbar? Alle sollen an Gottesdiensten teilnehmen können. Dafür werde ein Personalplan entwickelt, sagte Krämer.

Die Regionalkonferenz fand nach zwei Stunden einen liturgischen Abschluss.

Gott kennt den Weg: „Wir müssen ihn nur noch finden“

Mehr als 20 Kirchengemeinden, darunter die Seelsorgeeinheiten Starzach und Hirrlingen sowie Ergenzingen und Baisingen, wollen sich mit Rottenburg zusammenschließen. Dieses Votum soll dann auch im September abgegeben werden.

Mit den Vertretern der Kirchenorte habe es bereits zwei Treffen gegeben, teilte Dompfarrer Klaus Rennemann nach der Regionalveranstaltung am Freitag im Gespräch mit unserer Zeitung mit. So sei es einfacher, miteinander ins Gespräch zu kommen. „Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg, auch wenn noch viele Fragen offen sind“, stellte Rennemann fest. Eine davon betrifft die Räume, die abgegeben werden sollen. Gebhard Breil von der Seelsorgeeinheit Starzach wollte bei der Regionalveranstaltung wissen, ob die Pfarrhäuser und Pfarrbüros alle aufgelöst werden. Eine konkrete Antwort erhielt er nicht. Ob etwa Außenstellen erhalten würden, könne derzeit nicht beantwortet werden.

In den Seelsorgeeinheiten müssten, so Rennemann, jedenfalls noch Vorschläge erarbeitet werden, welche Räumlichkeiten nicht mehr benötigt würden.

Doch es gilt, für die Bildung einer großen neuen Kirchengemeinde noch andere Probleme zu lösen. „Es gibt Unterschiede zwischen Stadt und Land“, sagte Rennemann. Jeder Kirchenort habe seine eigenen Traditionen und Feste. Man müsse schauen, wie diese erhalten werden könnten. Rennemann ist zuversichtlich, dass die Zusammenführung der Gemeinden gelingt. Eine andere Wahl gebe es auch nicht. Gott kenne den Weg dorthin: „Wir müssen ihn nur noch finden.“