Nistkästen in Starzach: Steinkauz-Projekt über Gemeindegrenzen hinweg

Der Nistkasten wird an einem dicken Ast befestigt.
Marzell SteinmetzMathias Schlichter und Tobias Kappel stehen auf der Leiter und montieren auf dem dicken Baumast einen länglichen Nistkasten. Die Obstbaumwiese, weit genug weg von einer Straße, ist ein ideales Revier für den Steinkauz.
Normalerweise sucht er zum Brüten höhlenreiche Bäume auf, die aber mit dem Verschwinden alter Obstbaumwiesen selten geworden sind. Mit den künstlichen Nisthilfen erhofft sich Kappel von der NABU-Ortsgruppe Rottenburg einen Zuzug und eine größere Populationsdichte dieser in Deutschland stark gefährdeten kleinen Eulenart.
Das Steinkauzprojekt hat Matthias Schlichter, stellvertretender Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Starzach, initiiert. Bei der der jüngsten Hauptversammlung hatte er einen Vortrag zum Thema Steinkauz mit Referent Tobias Kappel vom Naturschutzbund in Rottenburg organisiert. Daraus hat sich eine Aktion über die Gemeindegrenzen hinweg entwickelt.
Zahlreiche Nistkästen hängen bereits
„In Wachendorf gibt es Steinkäuze“, weiß Mathias Schlichter. Seine Idee, Nistkästen für Steinkäuze aufzuhängen, stieß dann auch bei den Obst- und Gartenfreunde Eichenberg und der Interessengemeinschaft Vogelschutz Hirrlingen auf Interesse. Inzwischen haben die Vereinsmitglieder in Hirrlingen acht, in Starzach vier, in Rottenburg-Dettingen ebenfalls vier und in Frommenhausen zwei dieser röhrenartigen Kauzkästen aufgehängt. Ewald Dettling aus Horb-Dettingen hat sie gegen Materialkosten gebaut. „Für uns ist es wichtig, interkommunal tätig zu sein. Die Natur hört nicht an der Grenze auf“, betont Matthias Deibler von der Hirrlinger Interessengemeinschaft Vogelschutz, die noch eigene Naturschutzrojekte am Laufen hat.

Mathias Schlichter zeigt, wie der Nistkasten innen aussieht.
Foto: Marzell SteinmetzFür die Nistkästen mussten geeignete Standorte gefunden werden. „Wir haben mehrere Mitglieder im Obst- und Gartenbauverein, denen Obstbaumwiesen gehören“, erklärt Mathias Schlichter. Zusammen mit den beiden anderen Vereinen seien weitere Flurstücke gesucht worden. Tobias Kappel hat sie auf ihre Eignung geprüft: Zu beachten sind dabei größere Abstände zu Straßen und zum Wald. Dort drohen Räuber, auch der Waldkauz gehört dazu. Nicht zuletzt muss der Eigentümer der Wiesen sein Einverständnis geben.

Sie hängen die Nisthilfen in mehreren Ortschaften auf: Matthias Deibler (von links), Tobias Kappel, Josef Bartel, Mathias Schlichter und Ludwig Göhner.
Foto: Marzell SteinmetzDer Naturschutzbund in Rottenburg startete vor drei Jahren sein Nisthilfen-Projekt für den Steinkauz. Inzwischen seien rund 70 Kästen aufgehängt worden. Mit Starzach, Hirrlingen, Frommenhausen und Dettingen werden jetzt weitere Lücken im Kreis Tübingen geschlossen. Grundstücke hat Kappel außerdem in Eckenweiler angeschaut.
Eine gute Population erreichen
In Kontakt sei er zudem mit dem Neustetter Bürgermeister Gunter Schmid. „Wir wollen eine gute Population erreichen und die Region Steinkauz freundlicher machen“, sagt Kappel. Er appelliert aber auch an die Obstbaumwiesen-Besitzer, alte Bäume noch stehen zu lassen. Im Totholz finden neben dem Kauz andere Vögel Nistgelegenheiten.
Rund um die Nistkästen
Der Termin
für die Befestigung der Nistkästen an geeigneten Bäumen ist nicht zufällig gewählt worden. Junge Käuze suchen sich jetzt schon ihre Reviere, um im kommenden Jahr brüten zu können. Auf einer Fläche von drei bis zehn Hektar werden pro Paar zwei Kästen benötigt – zum einen für die Brut, zum anderen als Tageseinstand oder Beutedepot.
Die Brutröhre
ist etwa 80 Zentimeter lang, 20 Zentimeter breit und hat ein Einflugsloch mit einem Durchmesser von 65 Millimeter. Innen wird der Kasten mit grobem Holzschredder ausgelegt. Ein s-förmiger Eingang verhindert, dass Marder eindringen können. „Wir übernehmen die Pflege der Nistkästen. Sie müssen einmal im Jahr gereinigt werden“, teilt Schlichter mit.
Wo die einzelnen Standorte
sind, will er nicht verraten. Der Steinkauz soll in seinem Revier ungestört nisten können.