Neubaugebiet in Sulzau: Unterschriften kommen locker zusammen

Nicole Brutsche (links) und Stephanie Nissel (Mitte) von der Sulzauer Bürgerinitiative haben mit Margarethe Mulks (rechts) aus Bierlingen eine Unterstützerin gefunden
stbIn der Gemeinde Starzach regt sich Widerstand gegen ein neues Bauprojekt im Ortsteil Sulzau. Am Samstag sammelte die Bürgerinitiative Unterschriften vor dem Netto-Markt in Bierlingen.
Während einige an dem Plakat-Aufsteller und den beiden Stehtischen links vom Eingang vorbeigingen, hielten viele an. Manche unterschrieben direkt, manche kamen zuerst ins Gespräch mit den Mitgliedern der Bürgerinitative.
Bereits am Samstag zeichnete sich ab: Die erforderlichen 283 Unterschriften (das entspricht sieben Prozent der wahlberechtigten Einwohnerinnen und Einwohner ab 16 Jahren in Starzach) für einen Bürgerentscheid werden die Initiatoren locker zusammen bekommen.
Der Gemeinderat hatte am 28. Juli dieses Jahres beschlossen, den Bebauungsplan „Mühlacker IV“ aufzustellen. Geplant sind 47 Wohneinheiten auf einer Fläche von rund zwei Hektar – etwa der Größe von drei Fußballfeldern. Realisiert werden soll das Vorhaben durch eine Immobilienfirma.
Initiatoren sehen gewachsenen Charakter gefährdet
Die Gegner im 309 Einwohner zählenden Dorf (Stand August dieses Jahres) befürchten unter anderem, dass durch die zusätzlichen 150 bis 200 Einwohner die Dorfbevölkerung innerhalb kurzer Zeit um die Hälfte anwächst. Dies gefährde den gewachsenen Charakter des Ortes. „Wir sind nicht gegen Entwicklung, aber für einen maßvollen und zum Dorfcharakter passenden Zuwachs“, sagte zum Beispiel Klaus Weingärtner.
Auch die Infrastruktur sei unzureichend, warnen die Initiatoren: Kindergarten, Schule, Straßen sowie Wasser- und Abwasserversorgung seien schon jetzt an der Belastungsgrenze, zudem drohten hohe Folgekosten. Das Baugebiet liege in einem ökologisch wertvollen Areal mit Quellen und schützenswertem Lebensraum. Darüber hinaus bestehe bei Starkregen die Gefahr einer Überlastung der Kanalisation mit möglichen Überschwemmungen.
In der Frühschicht vor dem Netto-Markt warben am Samstag Nicole Brutsche und Stephanie Nissel um Unterstützung für die Bürgerinitiative. „Es gibt einige wenige Leute, die sagen, dass Wohnraum dringend gebraucht wird und sie das Vorhaben unterstützen“, sagte Nissel. Wie die Leute denken, die vorbeigehen, blieb indes unklar. Kein Interesse? Nicht direkt betroffen? „Wir haben Flyer an alle Starzacher Haushalte verteilt“, sagte Brutsche. Sie ist in Sulzau aufgewachsen, hat bis auf einige Zeit in Hirrlingen immer dort gelebt. „Unsere letzte freie Fläche sollte nicht verbaut werden.“
Die allgemeine Stimmung der Leute, die an den Stand kamen: Verständnis und Unterstützung. „Sulzau ist ein schönes Dorf“, sagte beispielsweise Andrea Schmid aus Wachendorf. Sie sei dagegen, es zu „verbauen“. Es werde „zu voll“. Schließlich seien nicht nur Einfamilien- und Doppelhäuser, sondern auch Mehrfamilienhäuser geplant. „Das passt nicht zum Charakter des Dorfes?“, sagte Schmid. Doch muss die Entwicklung nicht auch weitergehen? Die Wohnungsnot ist schließlich groß.
Für Wachstum, aber nicht in dieser Geschwindigkeit
„Ich bin für Wachstum, aber es sollte langsamer gehen“, sagte ein Felldorfer. Wenn es auf einmal so viele neue Leute kommen, sei das nicht gut. Er sei selbst vor acht Jahren nach Starzach gezogen. „Das muss fließen.“ Wenn es nach und nach gehe, könnten nicht nur Kindergärten und Schulen, sondern auch Vereine wachsen und alles gut organisiert werden. Und am Ende die Gemeinde profitieren. Die Bürgerinitiative erlebte von den meisten Leuten Zuspruch, möchte diesen Samstag noch einmal vor dem Netto-Markt Unterschriften sammeln.