Mitbestimmen statt zusehen: So wirkt der Jugendgemeinderat Horb in der Kommunalpolitik

Louis Herold (von links), JGR-Mitglied, Iva Rigotti, Vorstand des JGR, und Aileen Wehle, Ehrenamtsbeauftragte der Stadt, setzen sich für die Belange der Jugendlichen in Horb ein.
RückPersonen unter 16 Jahren haben kein politisches Mitspracherecht. Das wichtigste demokratische Element – die Wahl – bleibt ihnen verwehrt. Doch ganz stimmt das nicht: Über den Jugendgemeinderat (JGR) können junge Menschen kommunal mitwirken. Ein Beispiel: der JGR Horb.
Für Iva Rigotti (17 Jahre alt) und Louis Herold (18) ist es bereits die zweite Amtszeit. „Es ist eine richtig gute Chance, kommunal mitzuwirken und zu gestalten. Man lernt super viel und hat Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen“, beschreibt Rigotti ihre Motivation für die ehrenamtliche Arbeit.
Daran arbeitet der Jugendgemeinderat
Und die Arbeit trägt Früchte: Beim Dachverbandstreffen der Jugendgemeinderäte in Baden-Württemberg wurde das Projekt „Tabuthema Menstruation? Von wegen!“ mit dem zweiten Platz ausgezeichnet. Auf den Toiletten aller weiterführenden Schulen in Horb stehen kostenfreie Menstruationsartikel bereit, offen zugänglich und regelmäßig aufgefüllt.
Den ersten Platz sicherte sich der JGR aus Mössingen, der einen legalen Mountainbiketrail eröffnete – ein Vorhaben, an dem auch der JGR Horb arbeitet.
Die Möglichkeiten, die Stadt mitzugestalten, sind vielfältig. So veranstaltete der JGR kürzlich die „Back to the Beach“-Party auf dem Turnierfeld und arbeitet an der Anschaffung eines Kalisthenie-Turms für die Öffentlichkeit (Kalisthenie, auch bekannt als Calisthenics, ist eine Form des körperlichen Trainings, die mit dem eigenen Körpergewicht arbeitet).
Doch die Umsetzung von Projekten ist oft schwierig – besonders bei der Finanzierung. Zwar verfügt der JGR über ein eigenes Budget und darf für größere Ausgaben Anträge im Gemeinderat stellen, doch „wir haben nicht unendlich viel Geld“, so Rigotti. „Bei einem Freibad oder einem Kino in Horb kommen wir an unsere Grenzen.“
Persönliches Wachstum durch Ehrenamt
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Oberbürgermeister, dem Gemeinderat und der Verwaltung? „Sehr gut“, meint Herold. „Wir haben im Gemeinderat das Rede- und Anhörrecht und einen guten Draht zu den meisten Fraktionen. Wir fühlen uns mit unseren Anliegen sehr ernst genommen.“ „Ein unglaubliches Privileg, andere JGR haben das nicht“, ergänzt Rigotti.
Auch persönlich bringt das Ehrenamt viel: „Soft Skills, der Umgang mit wichtigen Menschen – aber vor allem organisatorisch habe ich viel gelernt“, erzählt Herold. Rigotti nennt ein konkretes Beispiel: „Ich habe bei der Gedenkfeier am Volkstrauertag eine Rede gehalten, dann ist so eine Präsentation in der Schule nicht mehr so wild.“
Beide haben für die nächste Wahl des Jugendgemeinderats im März 2026 einen Wunsch: „Es ist eine super Sache Jugendgemeinderat zu sein. Wir würden uns über Bewerbungen freuen.“