Missglückter Scherz in Rottenburg
: Heftige Beispiele für Abistreiche – aber auch mit Botschaft

Nach dem Farbe-Fauxpas in Rottenburg – ein Blick auf andere Abiaktionen zwischen Chaos und klarer Botschaft zeigt: Es kommt immer wieder zu Streichen, die aus dem Ruder laufen.
Von
Florian Ganswind
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Ein bisschen sind die Schriften schon verblasst: Doch die Farbe bekamen die Rottenburger Schüler nicht mehr ab.

Martina Hoffmann

In Rottenburg ging ein Abistreich jüngst ziemlich daneben: Sprühkreide, die angeblich wasserlöslich sein sollte, ließ sich nicht wie geplant wieder entfernen – nun müssen die frischgebackenen Abiturientinnen und Abiturienten Teile der Schule selbst neu streichen. Doch der Vorfall steht nicht allein da. Immer wieder geraten Abigags außer Kontrolle – teils mit ernsten Konsequenzen, teils mit überraschend viel Sinn dahinter.

Aachen 2015: Filmreif – aber mit echtem Polizeieinsatz An einem Aachener Berufskolleg sorgte ein Filmstreich für Alarmstimmung: In Tarnkleidung und mit nachgebauten Waffen stellten Schüler eine “Lehrerentführung“ nach. Die Aktion löste Polizeieinsatz und Strafanzeigen aus. „Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn nur ein Schüler auf Zuruf der Polizeibeamten die Waffen nicht niedergelegt hätte“, zitiert „Spiegel online“ einen Polizeisprecher hinterher.

Kronberg 2013: Schaumparty mit 280 Einsatzkräften Was als witziger Abistreich begann, endete in einer Großlage: In der Altkönigschule Kronberg war der Schaum für die „Party“ zu stark konzentriert – viele klagten über Atemnot und Übelkeit. 280 Rettungskräfte mussten ausrücken.

Tübingen 2024: Schulflur unter Wasser In der Geschwister-Scholl-Schule blieb kein Fuß trocken: Durch nicht geschlossene Wasserhähne standen Foyer und Fahrstuhlschacht unter Wasser. Türen quollen auf, der Schaden ging in die Tausende. Die Abiturient erklärten sich später bereit, bei der Instandsetzung zu helfen.

Berlin-Zehlendorf 2016: Sturmhauben und Sicherheitsbedenken Mit Gefängnis-Inszenierung, Sitzblockade und Sturmhauben wollten Berliner Schüler einen besonders spektakulären Abistreich landen. Die Polizei sah das anders und rückte an. Die Schule sprach Hausverbote aus.

München 2015: Stripperin lässt die Hüllen fallen Im Münchner Luitpold-Gymnasium sorgte 2015 ein Abistreich für Aufsehen: Eine professionelle Stripperin trat im Schulgebäude auf – entgegen der Absprache mit der Schulleitung. Die Schüler hatten die Aktion als harmlosen Vortrag angemeldet. Beschwerden von Eltern folgten, Konsequenzen gab es keine. Die Show dauerte nur wenige Minuten, jüngere Schüler waren nicht anwesend. Schulleiter Hieronymus nahm es mit Humor, wie sein Zitat in der Süddeutschen Zeitung zeigt : „Wie soll man eine Veranstaltung regulieren, die den Regelbruch zur Regel hat?“

Euskirchen in den 90ern: Buttersäure und Gülle Ein besonders extremer Fall stammt aus Euskirchen: Gülle-Stifte, Buttersäure-Pistolen und Sachschäden führten damals zu Polizeieinsatz, Anzeigen und einem legendären Ruf – im negativen Sinn.

München 2016: Umweltstatement in DIN A4 Dass ein Streich auch klug und gesellschaftskritisch sein kann, zeigte ein Jahrgang in Kirchseeon: Die komplette Schulhausfassade wurde mit 11.000 Blättern Papier beklebt – gesammelt über zwei Jahre. Ziel: Auf Papierverschwendung aufmerksam machen. Später wurde die Aktion sogar gelobt.

Trier: Ein Auto im Lehrerzimmer Humorvoll, ohne Schaden: In Trier wurde ein Auto in Einzelteilen ins Lehrerzimmer geschleppt – mit Genehmigung des Schulleiters. Am Ende wurde das Schrottauto sogar an einen Lehrer versteigert.

Ob Farbe, Wasser, Schaum oder Papier – viele Abistreiche balancieren zwischen origineller Idee und potenziellem Ärger. Doch spätestens, wenn Rettungskräfte anrücken oder Schäden entstehen, endet der Spaß oft jäh.

Der KreisLetter
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Freudenstadt Montag bis Samstag im kompakten Überblick.