Konzert in Talheim
: Bittlingers Lieder stehen für Tiefgang

Der christliche Liedermacher Clemens Bittlinger zeigte bei seinem fünften Auftritt in Talheim, dass Glaube und Humor zusammenpassen.
Von
Peter Morlok
Oberndorf
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Dem Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlingen gelang zusammen mit dem Talheimer „Chörle“ ein beeindruckendes Konzert.

Peter Morlok

Bittlinger kommt gut an. Das sah man an der großen Zahl der Besucher, die sein neues Programm „Spuren“ am Sonntagnachmittag mit ihm gemeinsam erleben wollten. Die Kirche in Talheim war so voll wie sonst höchstens am Ostersonntag oder in der Weihnachtsnacht.

Gemeindereferentin Ulrike Roth von der Kirchengemeinde Heilig Geist Talheim begrüßte die Zuhörer, und wenig später kam der Star des Abends, der sich von David Plüss an den Tasteninstrumenten und dem Schlagwerker David Kandert sowie dem Talheimer „Chörle“ unter Leitung von Christoph Schmitz begleiten ließ, nach vorne in den Altarraum.

Mitsingen ist einfach

Er holte sein Publikum gleich mit dem ersten Lied „In diesem Augenblick“ ab. Ein Lied, das im Textsinn an den „Prediger“ erinnert, der feststellte: „Alles hat seine Zeit“. An diesem Abend war Zeit für besinnliche, christliche Lieder. Bittlinger, der Mann, der sich mit der Aura einer gewissen verbindlichen Unnahbarkeit umgibt, verpackt seine Songs in wirklich einfache Melodien, die man sofort mitsingen kann, und gibt ihnen Texte, die Raum schaffen, um sich von der Hektik des Alltags zurückzuziehen. Der Pop-Pfarrer holt seine Besucher ab, lädt sie ein, ein Stück weit mit ihm auf seinem Weg zu gehen, der sich mit der Vielfalt des Lebens und mit Gott beschäftigt.

Pfiffige Storys als Akzente

„Was für ein Vertrauen“ war das Mottolied des evangelischen Kirchentages. Es wurde ebenso wie der kluge Rat „Prüfe alles“, die vertonte Jahreslosung 2025, in ihrer stimmlichen Umsetzung zur Sternstunde des „Chörle“, das insgesamt einen mehr als beeindruckenden Auftritt hinlegte. Gut, die Sängerinnen und Sänger hatten fleißig für diesen Auftritt geübt, doch muss man so einen Auftritt erst mal meistern. Und dies gelang den Hobby-Sängerinnen und Sängern eindrucksvoll. Die Bittlinger Konzerte sind keine langweiligen Zuhör-Konzerte, denn der 66-jährige Liedermacher aus dem Odenwald moderierte seine Lieder immer mit recht pfiffigen Storys an, die sich jedoch nur im ersten Moment witzig und etwas oberflächlich anhörten. In Wirklichkeit sind sie tiefgründig und immer mit dem Ernst der Botschaft des dazugehörigen Liedes verbunden.

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Der christliche Liedermacher Clemens Bittlinger mit seinem Percussionisten David Kandert.

Foto: Peter Morlok

Seine Gebrauchsanleitung fürs Leben (ein Seitenhieb an Donald Trump) verpackte er im Refrain des Songs „Weisheit“ in die Worte: „Wenn es nicht deins ist, nimm es nicht! Wenn es nicht richtig ist, tu es nicht! Wenn es nicht wahr ist, sag es nicht! Wenn du’s nicht weißt, sei still!“ Welch starke Worte, welch großartiger Rat.

Oder ein anderes Beispiel, wie man Kritik auch schön verpacken kann. Den Klang eines Handpan, einer in d-Moll gestimmten Blechtrommel, beschrieb er so: „Es beginnt mit einem wohltönenden D, steigt dann in ein freundliches F auf und geht hoch zum voluminösen, feierlichen A. Spielt man diese Tonleiter in absteigender Form, wird aus dem d-Moll der Sound der Düsternis und der Dummheit, denn die Tonleiter schreibt man dann AFD.

Publikum macht mit

Es gab auch ein paar nette Witzchen zu hören, und besonders lustig wurde es gegen Ende des Konzerts, zu dem sogar der frühere Talheimer Pfarrer Armin Noppenberger vom Bodensee her angereist war, beim Hit „Aufstehen, aufeinander zugeh’n“. „Wir singen dieses Lied in jedem Konzert und immer sitzt sich die bundesweite Christenheit den Hintern in der Kirchenbank platt und singt sich an: Aufsteh’n … und bleibt sitzen.“ In Talheim verstand man diese Botschaft und stand geschlossen auf, um ,wie bei vielen anderen Liedern auch, mitzusingen und mitzuklatschen. Vorne sangen die Gastmusiker und das „Chörle“ und im Publikum der große Chor bei diesem außergewöhnlich schönen Konzert.