Konzert in Bierlingen: Die Tücken des Alltags im „Dreiklang“

Witzig und ironisch: Trio Dreiklang gastiert im Bierlinger Bürgerhaus.
SteinmetzDie Texte sind selbst geschrieben, witzig, spritzig, hintergründig. Das wird dreistimmig gesungen, und heraus kommt „Dreiklang“. Die Gruppe gastierte am Samstag im Bierlinger Bürgerhaus. Dort erstmals – aber nicht zum ersten Mal in Bierlingen: Vor etlichen Jahren trat die Gruppe im „Hofcafé“ auf.
Noch kurz vor Beginn des Konzerts müssen Stühle aufgestellt werden. Die Veranstalter, das Forum Kultur in Starzach, hatte wohl nicht mit so vielen Besuchern gerechnet. Das freut natürlich die drei gut aufgelegten Sängerinnen mit ihrem Pianisten.
„Dreiklang“ – das sind die Sopranistin und Texterin Irene Jantzen, Renate Hallmayer (Alt) und Birgit Vrona (Mezzosopran). Am Piano sitzt Bert Klein. Er hat eine Vorliebe für Limericks, hält sich aber ansonsten im Hintergrund. Seine Klavierbegleitung ist nichtsdestoweniger bravourös und sicher.
„Singen ist wie atmen, man braucht es zum Leben.“ Gesungen wird beim Duschen, Kochen und sogar auf dem Klo, verraten die drei Damen. Alltägliches wird auf die Schippe genommen, es geht um Beziehungen, Traummänner, Heiraten, das Aussehen oder das Alter.
Liebeslied für einen Hund
Zugfahren, beispielsweise, hat heutzutage seine Tücken. Auf Pünktlichkeit ist kein Verlass mehr. Wenn frau dann noch beim Warten auf den Ersatzverkehr einen Abstecher in den Busch machen muss, ist der Bus weg. Ein anderes Lied gilt allen Hundebesitzern. In schönsten Farben und romantischsten Tönen wird das Zusammenleben mit einem Hündchen idealisiert. Das Liebeslied hätte eigentlich dem Mann gelten sollen, gesteht die Texterin. Bei ihren kritischen Mitsängerinnen hat sie es aber auch nicht leicht, denn alles muss korrekt gesagt werden. Anglizismen gehen gar nicht, männlich muss „als Zeugender“ oder „befruchtendes Geschlecht“ umschrieben werden, aus einem Cocktail wird ein Mischgetränk auf alkoholischer Basis. Beim Dichten hilft „Google“, und so stimmt am Ende der Text.
Besser diplomatisch sein
Das Damen-Trio sinniert darüber nach, ob immer die Wahrheit gesagt werden soll. Fazit: besser diplomatisch sein. Hellhörigkeit sei jedenfalls angesagt, wenn der Mann zur Therapie gehe. „Woischt noch“ – Erinnerungen an den Partykeller in der Jugendzeit werden wach, vor allem peinliche. Gut aber, dass man diese im Alter noch hat, wenn die Kinder in der Pubertät sind.
Das Trio setzt gekonnt die Stimmen ein, ein Klavier reicht zur Begleitung. Bei den raffinierten Arrangements glaubt man, ein ganzes Orchester zu hören. Eindringlich und ironisch zugleich erklingt in dem Rocksong Bohemian Rhapsody der Hilferuf „Mamaa – so ne Schnapsidee“.
Mit „Queen“, einer Zugabe und lang anhaltendem Beifall endet ein fast zweieinhalbstündiges Konzert. Es war die erste Veranstaltung von Forum Kultur 2025 – jedenfalls ein gelungener Auftakt im bereits fortgeschrittenen Jahr.