Horb a. N.
: Zukunft in Horb – freitags und im Kloster

Kommunales: Politik-Sommertour: Esken diskutiert mit Projekt Zukunft und örtlichen Aktivisten von Fridays for Future
Von
Jürgen Lück
Oberndorf
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Zum Schluss des Besuchs von Saskia Esken bei Aktivisten von Friday for Future in Horb gibt es noch ein Selfie: Luis Scheiderhan hält die Kamera, Saskia Esken (Zweite von rechts), Jerome Brunelle und Viviana Weschenmoser blicken nach oben in die Linse. Fotos: Lück

Schwarzwälder Bote

Auf ihrer Sommertour besuchte die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken das Horber Kloster und die Fridays-for-Future-Bewegung von Horb. Zwei Gespräche, die nicht nur ihr interessante Einblicke bringen.

Horb. Das Projekt Zukunft macht seit 1983 Soziokultur und ist seit 1989 im Kloster. Ein scheinbares Heimspiel für Saskia Esken, hat sie doch in ihrer früheren Heimat in Renningen das Jugendhaus mitbegründet. Auch Bernd Riexinger war mit dabei – der jetzige Parteichef der Linken.

Das Projekt Zukunft im Kloster hat sich brillant entwickelt, so Helmut und Ewald Loschko: Gut 100 eigene Veranstaltungen im Jahr, die Zahl der Raumbuchungen beispielsweise von Mieterbund, Katholischer Erwachsenenbildung und anderen nähert sich der Zahl 600 im Jahr. Seit 1985 gibt es ein Kinderprogramm. Ewald Loschko: "Jetzt kommen die von damals schon mit ihren Enkeln."

Fakt ist: Das Kloster (100 000 Euro Jahresetat, davon 60 Prozent Eigenmittel) funktioniert mit dem Träger Projekt Zukunft. Ewald Loschko schildert: "Wir bekommen 40 Prozent Zuschuss – auch durch die Unterstützung der Stadt. Der Landkreis unterstützt uns auch. Für einen Euro Zuschuss bekommen wir 50 Cent vom Land dazu. Unter der rot-grünen Landesregierung war der jährliche Zuschuss allerdings nicht sicher. Das hat sich unter Grün-Schwarz geändert. Jetzt bekommen wir zuverlässig unser Geld!"

Esken will wissen, wie das mit Bundeszuschüssen ist. Helmut Loschko sagt: "Das ist ein Wahnsinns-Aufwand." Die SPD-Politikerin meint: "Da sollte sich der Landkreis drum kümmern. In Calw gibt es dafür extra eine Stelle, die sich um solche Zuschüsse kümmert."

Doch was ist mit der Zukunft? Helmut Loschko: "Wir haben rechtzeitig angekündigt, dass wir uns 2023 zurückziehen. Der Verein wird dann noch die Friedenstage und das Kinderprogramm machen – mehr aber nicht. Mit 70 Jahren will ich nicht mehr die Belegung organisieren." Im September gibt es einen Treff mit der Klosterstiftung und der Stadt, um zu überlegen, wer die Veranstaltungen im Kloster in Zukunft organisieren könnte.

Helmut Loschko schildert: "Für die Stadt dürfte das teurer werden." Saskia Esken sagt: "Das sollte es Horb allerdings wert sein. Für mich war Horb immer ein Ort mit starker Kultur. Ihr seid das Zentrum."

Und was ist mit den Mini-Rockern? Mini-Rock Sprecher Benjamin Breitmaier: "Die Kooperation zwischen uns und dem Kloster hat bisher wunderbar funktioniert. Wir müssen mal schauen. Aber Bock hätten wir schon."

Doch auch die Politik bedroht die Soziokultur, so Ewald Loschko: "Der AfD-Antrag im Landtag, die Zahl der Beschäftigten mit und ohne Migrationshintergrund in der Kultur aufzählen zu lassen, könnte auch die Soziokultur in die Knie zwingen." Saskia Esken sagt: "Wir kämpfen auch in Berlin dafür, die bisherigen Regelungen der Gemeinnützigkeit zu erhalten. Da passen wir in der Politik schon auf – und lassen uns nicht ins Bockshorn jagen. Wir müssen auch der Zivilgesellschaft deutlich machen, welche schlimmen Trends hinter der Aberkennung der Gemeinnützigkeit stehen."

Dann geht es mit dem SPD-Ortsvorsitzenden Jerome Brunelle und Gemeinderätin Viviana Weschenmoser in das alte Freibad. Hier wartet schon Luis Schneiderhan – ein Gesicht der Fridays-for-Future-Bewegung in Horb. Schneiderhan sagt: "Wir wollen nicht nur demonstrieren, sondern die Jugendbeteiligung zum Thema Klimaschutz fördern. Bisher haben wir schon zwei Klimakonferenzen am Martin-Gerbert-Gymnasium (MGG) gemacht."

Dazu gibt es immer wieder Newsletter, Klimaschutztipps am Schwarzen Brett und Projektgruppen wie die Umwelt-AG. Diese Impulse sollen im neuen Schuljahr auch an andere Schulformen in Horb getragen werden. Zu Weihnachten soll es einen Adventskalender mit Umwelttipps geben. Luis Schneiderhan: "So wie es in der 7. Klasse das Projekt der Anti-Mobbing-Tage gibt, soll auch der Klimaschutz Thema werden."

Saskia Esken meint dazu: "Toll. Gerade bei diesen Themen kann man lokal das Bewusstsein stärken. Man sollte für das Thema nicht nur die Schulen ins Boot holen, sondern auch den Stadtelternrat und den Stadtschülerrat. Dazu sollte man auch den Jugendgemeinderat mit einbeziehen."

Die SPD-Bundestagsabgeordnete weiter: "Hilfreich wäre es sicher auch, wenn ihr wie eure Kollegen in Calw, einfach mal vor dem Kreistag sprecht. Landrat Riegger hat entschieden: Das geht. Das waren vier Leute in eurem Alter, und die haben das super-gut gemacht. Dabei kamen viele überraschende Punkte auf den Tisch: Lebensmittelverschwendung oder sozialer Wohnungsbau."

Jerome Brunelle schlägt vor: "Habt ihr schon mal überlegt, Leute aus meiner Generation mit einzubinden?" Saskia Esken: "Das sehe ich anders. Es gibt jede Menge Bewegungen für Klimaschutz – Fridays for Future ist eure Bewegung. Das sollte man nicht vermischen."

Luis Schneiderhan antwortet: "Wir bleiben dran und versuchen, mit unseren AGs für Schüler, Streiks und Aktionen das Bewusstsein zu stärken, dass sofort umgesteuert werden muss. Nicht so wie auf den Straßen, dass erst eine Ampel aufgestellt wird, nachdem es einen tödlichen Unfall gegeben hat."

Viviana Weschenmoser, die Fridays for Future unterstützt, sagt: "Wir haben schon Signale erhalten, dass einmal streiken in Ordnung ist. Dass man aber bei zu starker Häufung das Schulrecht anwenden will. Luis und mich haben diese Aussagen – auch von Kultusministerin Susanne Eisenmann – schockiert." Saskia Esken sagt: "Wichtig ist mir, dass es keine Ressentiments gegen die Schüler gibt, die streiken. Dieser Tendenz stellen wir uns entschlossen entgegen."

Gute Gespräche, viele Impressionen. Da fehlt zum Schluss noch das Selfie. Für Instagram. Luis hält die Kamera, Esken, Brunelle und Viviana Weschenmoser blicken nach oben in die Linse. Das Ende eines aufschlussreichen Besuchs.

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