Halloween in Rohrdorf
: Das Böse wird mit Süßem ausgetrieben

Wahrsagerinnen, Mumien, Zombies und Co.: In Rohrdorf wurde am Vorabend von Allerheiligen farbenprächtig und originell gefeiert.
Von
Peter Morlok
Oberndorf
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Ein Teil des an Halloween selbst ernannten „Forscherteams“ zusammen mit bunten, gruseligen „Experten“.

Peter Morlok

Forschende des wohl nicht ganz ernst gemeinten „freien Instituts für Kultur und Gemeinschaft aus Eutingens schönstem Ortsteil Rohrdorf“ waren dieser Tage dem Phänomen auf der Spur, warum kleine Kinder plötzlich zu Monstern mutieren und ohne Skrupel Erwachsene an der Haustür bedrohen.

„Süßes oder es gibt Saures“, so der Standard-Spruch der Kinder-Banden, die sich mit von Generation zu Generation vererbten Leintüchern über dem Kopf in Geister verwandelten und schauerlich maskiert, teils sogar mit Ketchup verschmiert, durch die Straßen zogen.

Viele gruselige Kostüme

Um diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen, befragten die recht seriös gekleideten Teammitglieder, die als Wahrsagerinnen, Mumien und Fabelwesen unterwegs waren, Scheintote, Untote, zufällig vorbeikommende Passanten, Dorfbewohner genannt, die sie mit preiswertem Essen und geistigen Getränken anlockten, sowie Führungskräfte aus den Kinder-Banden und Fachpersonal aus dem Zwischenreich der Welten. Eine bunt zusammengewürfelte Experten-Mischung also, die bei Eiterlikör und Krötensaft am Ende zu ganz erstaunlichen Ergebnissen kam.

Nein, diese Gewaltausbrüche der ansonsten das Jahr über meist recht friedlichen Dorfjugend (Ausnahme: Nacht zum 1. Mai, da schmeißen ein paar von ihnen mit rohen Eiern auf Häuser und finden das auch noch lustig) können nicht als amerikanische Unsitte, wie bisher angenommen, bezeichnet werden, sondern beruhe auf keltischem Aberglauben, fanden die geschichtsinteressierten Mitglieder des Rohrdorfer Fördervereins im Zuge ihrer Recherchen heraus.

Viele machen mit

Und diese Erkenntnis teilten sie mit all den anderen Gestalten der Nacht. Ganz Rohrdorf schien auf den Beinen zu sein, um die Nacht des Grauens zu feiern.

Haupttreffpunkt war der schaurig beleuchtete Platz vor dem Kindergarten. Dort brannte ein Lagerfeuer. Ein großes schwarzes Zelt, in dessen Mitte der Geist der weißen Frau über einem kupfernen Kessel schwebte, diente als Rückzugsplatz. Doch der Haupttreffpunkt all der Gestalten war rund um und an der Bar. Spinnweben waren überall, Totenköpfe und mit Spinnen und sonstigem Getier gefüllte, neonfarbene Wabbelmasse stand als besondere Beleuchtung auf den Tischen und aus der Lautsprecherbox dröhnten neben schaurigen Schreien auch Songs wie „Welcome to My Nightmare“ (Willkommen in meinen Alpträumen) von Alice Cooper, und ein Skelett bat um Spenden, die in diesem Jahr zu Gunsten der Gemeinde-Bücherei gesammelt wurden.

Witzige Dekorationen

Vorne, am Eingang zur Rohrdorfs Grusel-Bude, hing nicht nur die Hexe im Baum, auch eine freundlich dreinblickender Plastikkrake spukte supertolle Nebel-Blasen (Bubble Fog) in den Nachthimmel und lockte als Blickfang auch die letzten schwarz gekleideten Fledermäuse samt ihrem Nachwuchs auf den Platz.

Die Familien Löhrke, Wittek, Pflanz, Oeynhausen, Kauk und Eder hatten sich auf dem Festplatz voll ins Zeug gelegt. Bei einem Rundgang durchs Dorf durfte man feststellen, dass ganz Rohrdorf das Böse feierte, dass man an diesem Abend mit ein paar Süßigkeiten lässig vertreiben konnte.

Die Ursprünge von Halloween

Vorurteile
 „Wir wollen mit den Vorurteilen, dass Halloween ein amerikanischer Brauch ist, aufräumen“, sagte „Forschungsleiterin“ Verena Oeynhausen am Rande der Grusel-Party. Das Fest habe seinen Ursprung im keltischen Fest „Samhain“, das bereits vor über 2000 Jahren in Irland, Schottland und Teilen Frankreichs gefeiert wurde.

„Samhain“
markierte das Ende der Erntezeit und den Beginn des Winters. Es war das Neujahrsfest der Kelten. Man glaubte, dass in dieser Nacht die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten verschwimmt. Irische Auswanderer brachten im 18. Jahrhundert ihre Bräuche in die USA. Dort entwickelte sich Halloween zu dem Fest, das man heute mit Kürbissen, Verkleidungen und Süßigkeiten in Verbindung bringt.

Allerheiligen-Vorabend
Ab dem 7. Jahrhundert führte die Kirche den Allerheiligentag (1. November) ein. Der Vorabend, der „All Hallows’ Eve“, wurde später zu Halloween.

In Irland und Schottland
wird Halloween nach wie vor traditionell gefeiert. Auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern gewinnt das Fest immer mehr an Popularität. Viele Bräuche wie Kürbislaternen, Verkleidungen und Süßigkeiten sammeln, werden nun auch hier zelebriert.

In ihrem Fazit
stellten die Rohrdorfer fest: Halloween hat seine Wurzeln im alten Europa – vor allem im keltischen „Samhain“. Durch christliche Einflüsse und irische Einwanderer kam es nach Amerika, von wo aus es heute wieder in ganz Europa gefeiert wird.

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