FriedWald Starzach: Ein Ort der Trauer mitten in der Natur

Friedwaldförster Frank Schmitt erläutert die Anlage.
Marzell SteinmetzDer naturnahe Wald unterhalb des Felldorfer Ausweichsportplatzes umfasst insgesamt 42 Hektar, davon wird aber zunächst nur ein „Zipfel“ mit 150 durchnummerierten Bäumen genutzt.
„Wir rechnen mit zwei Beerdigungen pro Woche. Die Nachfrage ist da: Bestattungen in der Natur ist die Zukunft“, glaubt Friedwaldförster Frank Schmitt. Die Termine sind immer freitags um 9 Uhr und 11 Uhr.
Den Parkplatz erreichen die Besucher von der Kreisstraße her. Die Zufahrt ist teils geschottert, aber gut befahrbar. Von oben herunter werden die Autos von einem mitten auf die Straße gesetzten Poller allerdings an der Weiterfahrt gestoppt.
Der Rundgang mit dem Friedwaldförster Frank Schmitt und Franziska Bittel von der FriedWald GmbH beginnt auf dem Parkplatz.

Auf dem Andachtsplatz steht ein großes Kreuz.
Foto: Marzell SteinmetzDie Angehörigen organisieren die Andacht
Auf einem schön angelegten Weg geht es hoch zum Andachtsplatz mit einem großen Holzkreuz aus Eiche, Rednerpult, Urnenstele und Sitzbänken. Links und rechts stehen zwei größere Findlinge aus dem Wald. Schmitt, der auch den Friedwald im Schönbuch bei Entringen mitbetreut, hat schon viele Waldbestattungen erlebt, auch außergewöhnliche, wie er erzählt. Trauerfeiern mit Buschtrommeln oder Alphornbläser beispielsweise, aber auch ergreifende Reden. Die Angehörigen organisieren die Andacht – mit und ohne Pfarrer. Es komme auch vor, dass bei Beisetzungen niemand dabei sei.

Ein Mustergrab für die Urnenbestattung im Wald.
Foto: Marzell SteinmetzAuffallend an den Bäumen sind verschiedenfarbige Bänder. Rot bezeichnet einen Partnerbaum, gelb einen Gemeinschaftsbaum und blau einen Basisbaum für den Fall, dass jemand keinen eigenen heraussucht und dies dem Friedwald-Personal überlässt. Die meisten wollen aber den Baum für die letzte Ruhe selber bestimmen, weiß Schmitt.
Die Urnen, die mit einem kleinen Abstand vom Baum ins Grab gelegt werden, sind biologisch abbaubar. „Nach ein bis zwei Jahren brechen sie zusammen, und nach sechs bis sieben Jahren sind sie aufgelöst“, erklärt Schmitt an einem zur Veranschaulichung angelegten Mustergrab mit einem kleinen Kreuz. Die Pflege übernimmt die Natur, Blumen oder Gestecke sollen nicht abgelegt werden. Nur ein Namensschild erinnert, falls erwünscht, an den Verstorbenen.

Ein Bläserensemble des Musikvereins Bierlingen umrahmt mit einem Choral die Eröffnungsfeier.
Foto: Marzell SteinmetzEin neuer Abschnitt in der Geschichte von Starzach
Der Wald steht zwar für 99 Jahre zur Verfügung, die Ruhezeiten sind aber beschränkt. Es ist ein schöner 80- bis 90- jähriger gesunder Mischbestand mit Buchen, Eichen, Ahorn, Linde, Ulmen, Kirsche, Nussbaum sowie Nadelbäumen. Den Wald durchziehen gut begehbare Wege, die auch öffentlich genutzt werden können. „Es ist aber kein Park, sondern ein Wald“, so Schmitt.
Reden zur Eröffnungsfeier und kostenlose Führungen
Der Wachendorfer Burkhard Freiherr von Ow
betont bei der offiziellen Eröffnungsfeier auf dem Andachtsplatz mit geladenen Gästen: „Wir können uns freuen, es ist ein neuer Abschnitt in der Geschichte von Starzach.“ Es sei eine besondere Art der Waldstilllegung für einen Ort der Trauer in einer „wunderbaren Natur“. Von Ow sieht den Friedwald aber nicht nur als Bestattungswald, er diene auch der Erholung.
Er hat bereits 2011 den Friedwald im Schönbuch
eröffnet. Der in Felldorf ist der zweite, auch im Landkreis Tübingen. 2019 hat der Starzacher Gemeinderat dem Standort auf dem Schelmenwasen zugestimmt. Dass es dann nochmals sechs Jahre dauerte, stößt bei Bürgermeister Thomas Noé auf Unverständnis. Doch nun freue er sich über dieses Projekt, das die Möglichkeit biete, den Wald zu erleben und Trauer zu bewältigen.
Die Feier
hat ein Bläserensemble des Bierlinger Musikvereins feierlich umrahmt.
Kostenlose Friedwald-Führungen
sind am 26. Juli um 15 Uhr sowie am 22. August um 13 Uhr. Einmal im Monat finden weitere Waldführungen im „FriedWald Starzach“ statt.