Fiese Betrugsmasche in Horb
: Vorsicht vor falscher Behinderten-Hilfe

Sie waren schon mehrfach in der Region unterwegs: Betrügerische Bettler, die Namen von Hilfsorganisationen missbrauchen.
Von
Christof Schülke
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Beim Einkaufszentrum waren Betrüger unterwegs.

Maria Hopp

Ein „Zentrum mit Kontakten auf nationaler und internationaler Ebene“, geplant vom „Landesverband für Behinderte und Taubstumme“. So stand es im Titel der seriös wirkenden Unterschriftenliste, die mit den Logos von Hilfsorganisationen versehen war. Das A4-Blatt steckte an einem Klemmbrett, mit dem ein Mann vor einem Markt im Horber Einkaufszentrum Kunden ansprach. Diese sollten auf der Liste unterschreiben und Geld spenden. Der Mann gab vor, nicht sprechen zu können.

So sah eine betrügerische „Spendensammlung“ in Horb aus – ein Muster, das seit Jahren bekannt ist, doch offenbar fallen immer wieder Menschen darauf herein. Der Kunde schildert seine Begegnung mit den Betrügern: „Es war so gegen 12.45 Uhr oben an der Rolltreppe. Einer der Männer hat sich als taubstumm ausgegeben.“ Der Marktkunde reagierte misstrauisch und recherchierte im Internet, wo er schnell auf Berichte über den „Klemmbrett-Betrug“ stieß. Kurz darauf ging er noch einmal zu dem Ort zurück. „Ich wollte die Polizei rufen, falls die noch da sind. Doch die waren wie vom Erdboden verschluckt.“

Seit Jahren bekannt

„Schlimm, dass die Logos von Hilfsorganisationen missbraucht werden“, sagte der Mann, der gleich gemerkt hatte, dass an der Aktion der zwei Männer etwas faul war. Ärgerlich: Ein Blick auf die vermeintliche Spendenliste habe gezeigt, dass einige gutgläubige Leute schon unterschrieben und bis zu 50 Euro gespendet hatten. „Aber vielleicht schreiben die Betrüger das auch selber rein, um den Anschein zu erwecken, dass Leute da spenden.“

Der Trick mit der Unterschriftenliste. Er ist auch der Polizei seit Jahren wohlbekannt. Die Gruppen organisieren sich, bleiben oft unauffällig und schicken immer nur eine bis zwei Personen vor. Diese geben sich als Helfer eines sozialen Projekts aus, für das sie Unterschriften und Geld sammeln. Doch das Mitleid der Spender wird schamlos ausgenutzt – denn kein Cent geht jemals an das vorgebliche neue Haus für Sehbehinderte oder Gehörlose. Der Name von Behindertenorganisationen wird missbraucht. Und die vermeintlichen Helfer, die sich mit Gebärden verständigen, sind in Wirklichkeit keinesfalls gehörlos.

Viele Fälle in Stuttgart

Der Klemmbrett-Betrug, der im Stuttgarter Umland seit Jahren häufig beobachtet wird, ist in den vergangenen Jahren mehrfach in der Region und in diesen Tagen erneut in Horb aufgefallen. Oft werden Personen, die zwar unterschreiben, aber nicht bereit sind, ohne nähere Angaben zu dem Projekt oder zu einem Träger Geld zu spenden, mit bettelnder Mitleidsgestik konfrontiert.

Auch in Nachbargemeinden sind die Betrüger unterwegs, wie zum Beispiel in Dornhan, wo drei Männer Geld für „taubstumme und behinderte Menschen“ gesammelt haben. Doch die Masche ist inzwischen weit verbreitet. Im Internet gibt es zahlreiche Berichte darüber, von Norddeutschland bis in die Schweiz.

Ordnungswidrigkeit?

Der Betteltrick mit der Unterschriftenliste wird von den Polizeirevieren und Stadtverwaltungen unterschiedlich eingestuft. Mal nur als Ordnungswidrigkeit, mal als Straftat. Wem diese Bettler auffallen, der sollte möglichst schnell die Polizei benachrichtigen. Wichtig ist es außerdem, nicht auf die Bettler einzugehen.

Auch die seriösen Hilfsdienste, die immer wieder ihre Stände vor Supermärkten aufbauen und dort Mitgliederwerbung betreiben, leiden unter den Treiben der Bettler-Banden. Die Polizei macht darauf aufmerksam, dass jeder echte Spendensammler einen Ausweis vorzeigen kann. Bei echten Aktionen gibt es auch immer Möglichkeiten, sich zu informieren.

Der KreisLetter
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Freudenstadt Montag bis Samstag im kompakten Überblick.