Feuerwehr Talheimzieht Bilanz: 17 Einsätze, Notfall in eigenen Reihen, viele Würdigungen

Antreten zur Ehrung hieß es in Talheim.
Peter MorlokBernhard Müller, Abteilungskommandant der größten Feuerwehr-Abteilung in der Stadt, lud zur Hauptversammlung ein und eine große Anzahl aktiver Einsatzkräfte, Männer aus der Alterswehr, Jugendliche und Musikanten folgten dieser Einladung.
Gemeinsam mit Bürgermeister Ralf Zimmermann, Ortsvorsteher Anton Ade, Kreisbrandmeister Frank Jahraus, dem Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzenden Maik Zinser sowie Feuerwehr-Stadtkommandant Sven Weniger, die direkt vom Feuerkreisverbandstreffen, das in Schopfloch stattfand, nach Talheim kamen, ließen sie sich über das zurückliegende Jahr informieren.
Abteilung hat 118 Mitglieder
Besonders begrüßte Müller den Spielmannszug, der auch dieses Jahr die Versammlung musikalisch eröffnete. „Wir dürfen stolz sein, dass wir in der Abteilung Talheim den letzten aktiv spielenden Spielmannszug im Landkreis Freudenstadt haben“, hob der Abteilungskommandant hervor.
In seinem Jahresbericht 2024 fasste Müller zuerst einige statistische Werte zusammen. Die Feuerwehr Talheim hatte zum Stand 1.1.2024 118 Mitglieder. Davon sind drei aktive Frauen und 59 aktive Männer, 15 Mann in der Altersabteilung, ein Ehrenkommandant, zehn Jungs sowie drei Mädchen in der Jugendfeuerwehr und 22 Spieler im Spielmannszug (davon fünf Jugendliche).
17 Einsätze im Jahr 2024 Im Jahr 2024 hatten die Talheimer 17 Einsätze, die mit 611 Einsatzstunden bewältigt wurden. Die Einsätze teilen sich in folgende Gruppen auf: Drei Umweltschutz-Einsätze (mit dem Umweltschutzzug), man musste sechs Mal Technische Hilfe leisten, zu vier Brand-Einsätzen und drei Fehlalarmen ausrücken und dazu kam noch ein sonstiger Einsatz.

Beförderungen bei der Feuerwehr in Talheim: Unser Foto zeigt die Beförderten zusammen Stadtbrandmeister Sven Weniger (links) und Bernhardt Müller.
Foto: MorlokIn 2024 hatte man 39 Termine auf dem Dienstplan. Zehn davon waren Gruppen-Übungen, dazu kamen sieben Gesamtübungen, eine Sommerübung, eine Stationsausbildung, eine Hauptübung sowie eine Nachtübung. Zudem sechs Umweltschutzübungen gemeinsam mit den Kameraden aus Horb, eine Verbundübung mit den Gefahrgutzügen aus dem Landkreis, zwei Maschinisten-Übungen, zwei Gruppenführerfortbildungen sowie sieben sonstige Termine.
Vollbrand in der Nagolder Straße
Ein nicht alltäglicher Einsatz war der Vollbrand in der Nagolder Straße, bei dem, trotz des schnellen Eingreifens der Feuerwehr, das Gebäude so stark beschädigt wurde, dass es nicht mehr bewohnbar ist. Bei diesem Einsatz ereignete sich auch ein Atemschutznotfall, bei welchem ein Kamerad durch eine Decke gebrochen ist. „Gott sei Dank geht es ihm heute wieder gut und er kann aktiv am Dienst teilnehmen“, gab Müller Entwarnung.
Zwei schwere Unfälle Im Jahr 2024 wurde die Abteilung auch zu zwei schweren Verkehrsunfällen gerufen. In beiden Situationen galt es, eine eingeklemmte Person aus dem Fahrzeug zu befreien. „Bei beiden Einsätzen hat es sich gezeigt, wie wichtig es ist, auch auf den Abteilungen hydraulisches Rettungsgerät vorzuhalten, um den für die Patienten so wichtigen ersten Zugang zu schaffen“, machte Müller deutlich. Weiter berichtete Müller, der auch stellvertretender Kreisbrandmeister ist, dass man in Talheim wirklich stolz auf Nachwuchs sein darf.
Wettkämpfe für Nachwuchs „Auch 2024 war der Nachwuchs wieder sehr aktiv in Sachen Wettkämpfe. Zum wiederholten Mal haben sie die Sternwanderung gewonnen, wodurch der Wanderpokal nun in Talheimer Händen bleibt. Am Bundeswettbewerb in Rielasingen-Worblingen am Bodensee haben sie teilgenommen und Horb sowie den Kreis Freudenstadt vertreten. Ebenso wagten sich zwei Betreuer sowie einige Jugendliche gemeinsam mit unserem Kreisbrandmeister zum Besuch der Jugendfeuerwehr im polnischen Partnerlandkreis. Ein Ziel, das nicht gerade um die Ecke liegt.“

Der letzte Spielmannszug in Kreis Freudenstadt spielt zur Eröffnung der Jahreshauptversammlung.
Foto: MorlokMüller dankte besonders den Betreuern und Ausbildern der Jugendfeuerwehr, ohne deren zusätzliches Engagement sowas nicht möglich wäre.
60 Jahre Feuerwehrdienst
Neben dem Lob für die Teilnahme an Lehrgängen und Fortbildungen einiger Mitglieder der aktiven Wehr, durfte Sven Weniger Samuel Grötzinger, Lenny Hahn, Niclas Igel, Sebastian Klink sowie Jannik Kreidler zum Feuerwehrmann und Fabian Bühler zum Löschmeister befördern.
Kreisbrandmeister Frank Jahraus hatte dann die Ehre Jens Möhrle und Felix Joachim für 15 Jahre Feuerwehrdienst auszuzeichnen.
Stefan Kalmbach, der ebenfalls seit 15 Jahren aktiv bei der Wehr ist, bekommt diese Ehrung nachgereicht.
Eine ganz besondere Ehrung, für die sich die Anwesenden sogar von ihren Sitzen erhoben, erfuhren die beiden Hauptfeuerwehrmänner Josef Kramer und Michael Walz. Sie erhielten die Landesehrung in Gold für 40 Jahre aktiver Feuerwehrdienst.
Die Bilanz dieser beiden Männer, die in ihrer Dienstzeit viel erlebt und durchlebt hatten, war in einem Feuerwehrlebenslauf zusammengefasst, den Jahraus verlas.
Hans Weber, ein Mann, der bereits alle Feuerwehrehrungen hinter sich hat, wurde separat für 60 Jahre Feuerwehrdienst mit einer einfachen Urkunde geehrt.
Frank Jahraus, ein bekennender Fan der Feuerwehrmusik freute sich ganz besonderes, dass er Manuel Klink und Schneider Markus für 30 Jahre Spielmannszug die Bandschnalle in Gold überreichen durfte. „Ihr vertretet mit eurer Musik den Kreis und Talheim“ stellte er fest.
Florian Klink bekommt ebenfalls für 30 Jahre im Spielmannszug die Bandschnalle in Gold nachgereicht.
Solo auf der Trommel
Die Bandschnalle in Altgold, für 10 Jahre Mitgliedschaft im Spielmannszug, ging an den „Raketenprofessor“ Manuel Hönle, wie Jahraus den jungen Mann, der seiner Meinung nach ein ganz gescheites Kerlchen ist, bezeichnete. Und dieser durfte vor seiner Ehrung noch ein Solostück auf der Feuerwehrtrommel spielen.
Großes Engagement und deutliche Worte
Spielmannszug
Stabführerin Michaela berichtete über einige Auftritte mit Feuerwehrcharakter und vom großen Auftritt beim Konzert „Steinachtal musiziert“ sowie einige Weiterbildungen und Workshops berichten. Vor dem Hintergrund, dass man 2027 das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen feiern darf, bat sie die Versammlung, Werbung für den Spielmannszug zu machen, da noch Mitglieder gesucht werden.
Jugend
Jugendleiterin Franziska Hartmann freut sich, dass die Jugendarbeit so gut ankommt. Zehn Jungs und 13 Mädels hatten 25 Termine in 2024.
Alterswehr
Hans Weber, Stellvertreter von Hans Dettling, berichtete unter anderem von Hilfsdiensten bei den Übungen, Ausflügen und Exkursionen, wie zum Beispiel zum Campus Galli in Messkirchen. „Mit eurer Arbeit seid ihr für uns eine extreme Entlastung. Vielen, vielen Dank dafür“, sagte Bernhard Müller in Richtung der Alterswehr.
Kritik an Gemeinderäten
Bürgermeister Ralph Zimmermann, einige Mitglieder des Gemeinderats und des Sparausschusses, die „so einen Blödsinn wie eine Aufnahmestopp bei der Feuerwehr und der Kürzung bei der Ausstattung“ in nichtöffentlicher Sitzung fordern. „Das geht doch nicht, denn sie sind es doch, die unser Leben und unser Hab und Gut schützen“, stellte er fest und seufzte: „Doch Gottseidank steht der Gemeinderat in der Öffentlichkeit noch für die Freiwillige Feuerwehr ein“.
Bestätigung von Ade
Ortsvorsteher Anton Ade machte auf die Herausforderungen aufmerksam, die auf die Wehr in Zukunft zukommen und schloss sich den Worten Zimmermanns an, indem er feststellte, „dass man bei der Einstellung mancher Kommunalpolitiker ausflippen könne“.
Pflichtaufgabe
Maik Zinser von Feuerwehrkreisverband betonte, dass die Feuerwehr eine Pflichtaufgabe der Kommune sei. „Der Verband klopft den Kommunen auf die Finger und besteht darauf, dass die Gelder aus der Feuerschutzabgabe auch an die Wehr geht und nicht zur Finanzierung von Infrastrukturen einsetzt werden“, machte er deutlich.