Davide Martello bei den Rottenburger Friedenstagen: Mit dem Klavier an ungewöhnlichen Orten

Davide Martello bei einem Straßen-Konzert in Rumänien. Der berühmte Pianist kommt im Rahmen der Friedensdekade auch nach Rottenburg.
Daniel Mihailescu/AFP- Rottenburg lädt vom 8. bis 18. November zur Friedensdekade unter „couragiert widerständig“ ein.
- Pianist Davide Martello spielt am Samstag, 14. November, 19 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum.
- Journalist Andreas Zumach spricht am Sonntag, 15. November, 17 Uhr über die Zukunft des Nahen Ostens.
- Programm mit Gottesdiensten, Theater, Musik, Tanz und Kino – Auftakt bereits am Samstag, 7. November.
- Kino Waldhorn zeigt am Dienstag, 17. November, „Die Wohnung“ und „Gelbe Briefe“.
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Was bedeutet es, Haltung zu zeigen und Unrecht nicht hinzunehmen? Dieser Frage widmet sich die ökumenische Friedensdekade vom 8. bis 18. November in Rottenburg. Unter dem Motto „couragiert widerständig“ bietet das ökumenische Friedensdekade-Team Gottesdienste, Theater, Musik, Tanz, politische Diskussionen und Kino. Los geht es bereits am Samstag, 7. November.
Einer der Gäste ist der Pianist Davide Martello. Er reist mit einem transportablen Flügel durch verschiedene Länder und spielt eigene Kompositionen, auch an Orten, die von Krieg oder Katastrophen betroffen sind. Nach Angaben der Veranstalter trat er unter anderem in Afghanistan, im Ahrtal nach der Flutkatastrophe, in Solingen und an der polnisch-ukrainischen Grenze für Geflüchtete auf. „Hin und wieder spiele ich Klavier da, wo es brennt“, sagt er. Am Samstag, 14. November, um 19 Uhr konzertiert Martello im Evangelischen Gemeindezentrum in der Kirchgasse.
Um die Zukunft des Nahen und Mittleren Ostens geht es am Sonntag, 15. November, um 17 Uhr im Gemeindehaus St. Moriz. Andreas Zumach, früherer UN-Korrespondent der Taz in Genf, fragt in seinem Vortrag, ob weitere Kriege drohen oder neue Bündnisse mehr Stabilität ermöglichen könnten. Dabei behandelt er die Folgen der jüngsten Kriege, die veränderte Rolle der USA, Chinas wachsenden Einfluss sowie mögliche Bündnisse zwischen Regionalmächten. Anschließend ist eine Diskussion vorgesehen.
Theater, Tanz und Gottesdienste
Den Auftakt des Programms macht der Weltladen am Samstag, 7. November, von 9 bis 12 Uhr mit einem Fairen Frühstück im Dom-Gemeindehaus St. Martin. Das Ensemble „theater 4 im element“ spielt dazu Szenen über Zivilcourage und Widerstand gegen Unrecht.
Am Sonntag, 8. November, beginnt um 10.15 Uhr in der Evangelischen Kirche der ökumenische Auftaktgottesdienst mit Pfarrerin Regina Fetzer, die dabei zugleich verabschiedet wird. Um 17 Uhr folgen in der Dettinger St.-Dionysius-Kirche Musik und Texte zum Friedensmotto. Es wirken Organistin Christina Kuttler, der Dettinger Jugendchor unter Leitung von Diana Walz sowie Lydia Prakash und Friedemann Bresch mit.
Beim Workshop „Ja/Nein/Vielleicht“ am Dienstag, 10. November, um 19 Uhr erproben die Teilnehmenden mit Janne Wagler vom Theater Gobelin Methoden des Improvisations- und Forumtheaters. Es geht darum, festgefahrene Situationen im Miteinander neu zu gestalten. Veranstaltungsort ist das Evangelische Gemeindezentrum. Dort laden Susanne Riedel-Zeller und Brigitte Strölin-Bresch am Donnerstag, 12. November, von 19.30 bis 21.30 Uhr zum „Tanzen für den Frieden“ ein. Vorkenntnisse sind nicht nötig, bequeme Schuhe empfohlen.
Das Friedensdekade-Team und die Gruppe Dialog am Dom halten am Samstag, 14. November, um 11 Uhr eine Mahnwache auf dem Rottenburger Marktplatz ab.
Zwei Filme über Mut und Erinnerung
Am Dienstag, 17. November, zeigt das Kino Waldhorn zwei Filme. Um 18 Uhr läuft „Die Wohnung“ (2011) von Arnon Goldfinger. Beim Auflösen der Wohnung seiner Großeltern in Tel Aviv entdeckt der Regisseur, dass seine jüdische Familie mit dem deutschen SS-Offizier Leopold von Mildenstein befreundet war – auch nach dem Krieg. Der Dokumentarfilm fragt nach Erinnerung und dem Umgang mit der eigenen Familiengeschichte.
Um 20.15 Uhr folgt „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak. Das Drama handelt von einem Künstlerehepaar in Ankara, das nach einer Theaterpremiere ins Visier des Staates gerät. Derya und Aziz verlieren Arbeit und Wohnung. Während Aziz an seinen Überzeugungen festhält, versucht Derya, die Familie abzusichern. Im Mittelpunkt stehen politische Repression und der Preis des Widerstands.
Zum Abschluss am Mittwoch, 18. November, um 19 Uhr feiern die Gemeinden einen ökumenischen Gottesdienst in der Evangelischen Kirche. Ein Chorensemble der Moriz- und der Evangelischen Kirchengemeinde singt; Margret Schäfer-Krebs, Referentin für bischöfliche Liturgie, predigt. Danach gibt es Punsch im Evangelischen Gemeindezentrum.
Bücher und Figurentheater
Während der ökumenischen Friedensdekade vom 8. bis 18. November zeigt die Rottenburger Stadtbibliothek eine Buchausstellung zum Motto „couragiert widerständig“. Thematisch an die Friedensdekade knüpft auch die Figurentheateraufführung „Arachne, Wahr sagen“ am Samstag, 21. November, um 19.30 Uhr im Gobelin-Theater im Künstlerhof an. Janne Wagler verbindet darin den antiken Arachne-Mythos mit dem Leben der 2017 ermordeten maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia. Die Inszenierung beschäftigt sich mit der Freiheit von Kunst und Presse. Sie gehört nicht zum offiziellen Zeitraum der Friedensdekade.

