Dämme in Horb
: Der Biber baut, wofür Menschen Millionen ausgeben

Gefällte Bäume und überschwemmte Wiesen prägen das Bild vom Biber. Doch hinter seinen Bauwerken steckt ein Geheimnis, das Millionen einsparen kann. Experten bei Horb verraten, warum.
Von
Anna-Sophie Zepf
Horb
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Biber am Rexinger Bach bei Horb

Die Biberfamilie am Rexinger Bach bei Horb genießt das kühle, ruhige Wasser, das sie mithilfe ihres Damms aufgestaut haben.

Frank Scheffold
  • Biber am Rexinger Bach bei Horb bauen zwei dichte Dämme und stauen ruhiges Wasser an.
  • Experten erklären: Dämme sichern Nahrung, Burgzugang liegt 60–80 cm unter der Wasseroberfläche.
  • Die Bauwerke fördern Renaturierung und schaffen Lebensraum – viele Arten profitieren.
  • Materialien sind Holz, Äste, Pflanzenreste, Steine und Schlamm, teils mit großem Kraftaufwand.
  • Eine Familie umfasst Eltern und Jungtiere aus zwei Jahrgängen; vor Ort leben etwa fünf bis sechs.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Biber machen immer wieder Negativschlagzeilen: angenagte oder gefällte Bäume, Überschwemmungen von Wiesen oder Feldern. Dass die kleinen Nager mit ihren Dämmen aber unglaubliche Bauwerke errichten, die auch etliche Vorteile aufweisen, bleibt dabei häufig außen vor. Was den kleinen, fleißigen Baumeister und seine Bauwerke ausmacht – wir haben nachgefragt.

Ein kleiner Spaziergang zum Rexinger Bach bei Horb führt in eine Landschaft hinein, die im Sommer beinahe vollständig im Grün versinkt. Zwischen gemähten Wiesen bleiben kleine Grashüpfer unsichtbar – bis sie zum Sprung ansetzen. Aus den hüfthohen Brennnesseln am Ufer dringt das unablässige Zirpen der Insekten. Zur Mittagszeit werfen Weiden und Pappeln nur noch schmale Schatten, die kaum Schutz vor der Sonne bieten.

Doch zwischen einem Gewirr aus Mädesüß, Seifenkraut und Weidenstauden verbirgt sich eine andere Welt. Erst bei genauerem Hinsehen werden die Spuren eines Bibers sichtbar, dessen Zuhause im dichten Uferbewuchs nahezu mit seiner Umgebung verschmilzt.

Fakten rund um den Biberdamm

Verborgen unter dichten Gräsern, Kräutern und Sträuchern offenbaren sich nicht nur ein Biberdamm, sondern gleich zwei. Peter Daiker, Biberbeauftragter des Landkreises Freudenstadt, erklärt, woraus die Dämme bestehen und warum ein Biber sich überhaupt die Mühe macht, diese zu errichten.

  • Biber am Rexinger Bach Wildkamera

    Der Biber am Rexinger Bach nagt ausgiebig an den Bäumen, das hat eine Wildkamera festgehalten.

    Wolfgang Kiesewetter
  • Biberdamm am Rexinger Bach bei Horb

    In die Biberburg am Rexinger Bach bei Horb zieht sich die Biberfamilie zurück.

    Wolfgang Kiesewetter
  • Biberdamm am Rexinger Bach bei Horb

    Diese Bäume mussten nach den Bemühungen des Bibers am Rexinger Bach bei Horb gefällt werden.

    Wolfgang Kiesewetter
  • Eingezäunter Baum am Rexinger Bach bei Horb

    Zum Schutz vor dem Biber werden Bäume am Rexinger Bach bei Horb eingezäunt.

    Anna-Sophie Zepf
  • Drainagerohr am Rexinger Bach bei Horb

    Das Drainagerohr am Rexinger Bach bei Horb sorgt dafür, dass die angrenzende Wiese nicht überschwemmt wird.

    Anna-Sophie Zepf
  • Nahrungsfloß des Bibers am Rexinger Bach bei Horb

    Dieses Nahrungsfloß dient der Biberfamilie am Rexinger Bach bei Horb als Notfallration im Winter.

    Anna-Sophie Zepf
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Mit viel Mühe und Zeitaufwand habe die Biberfamilie am Rexinger Bach bei Horb zwei Dämme errichtet, berichtet Daiker. Der größere der beiden Dämme messe ungefähr zwei Meter und sei auch mehrere Meter breit. Innerhalb einiger Monate seien die Dämme entstanden, meint er.

Als Materialien werden Holz, kleinere Äste, Pflanzenreste, Steine und Schlamm verwendet. Mithilfe einer Wildtierkamera sei der Arbeitsaufwand zu sehen gewesen: Ein Biber habe mühsam auf zwei Beinen einen schweren Stein zu einem seiner Bauten getragen, erzählt der Biberbeauftragte amüsiert.

Die Dämme sind eine außerordentliche Leistung: Sie seien „wahnsinnig dicht“, ergänzt Wolfgang Albrecht, einer der acht Biberberater im Landkreis Freudenstadt. „Als Kind hat man seine selbstgebauten Dämme nie so dicht bekommen“, fügt Wolfgang Kiesewetter vom Naturschutzbund (Nabu) Horb schmunzelnd hinzu.

Wolfgang Albrecht (von links), Wolfgang Kiesewetter, Markus Pagel und Peter Daiker

Biberberater Wolfgang Albrecht (von links), Wolfgang Kiesewetter vom Nabu in Horb, Markus Pagel, Gewässerbeauftragter des Nabu Baden-Württemberg, und Peter Daiker, Biberbeauftragter des Landkreises Freudenstadt, sind begeistert von der Artbeit der Biberfamilie am Rexinger Bach bei Horb.

Anna-Sophie Zepf

Doch wozu bauen Biber eigentlich Dämme? Der Nager baue sich mit seinen Dämmen seine eigenen Nahrungsgründe, informiert Daiker. „Im Sommer fressen die Biber alles, was grün ist“, sagt er. Zum Leidwesen der Landwirte könnten dem Appetit der pelzigen Tiere allerdings auch Mais oder Weizen  zum Opfer fallen. Im Winter hingegen werden hauptsächlich Baumrinde und Zweige verspeist.

Eine Biberburg zum Schutz vor Fressfeinden

Dafür lege der Biber sich unter Wasser ein sogenanntes Nahrungsfloß an, so Daiker. Dort werden Äste in den Schlamm gesteckt, damit sie nicht davontreiben. Selbst wenn die Wasseroberfläche zugefroren ist, kann der Nager die Äste unter Wasser holen und sie direkt in seine Biberburg, den höhlenartigen Rückzugsort der Biberfamilie, bringen. Deren Eingang liegt etwa 60 bis 80 Zentimeter unter der Wasseroberfläche.

Somit ist die Biberburg, die wie die Dämme aus Gehölz, Steinen und Schlamm besteht, bestens gegen Fressfeinde wie Wölfe, Füchse und streunende Hunde sowie die Kälte im Winter geschützt.

Biberdamm bei Ihlingen, Horb

Der Biberdamm beim Horber Ortsteil Ihlingen misst inzwischen etwa zwei Meter und ist mehrere Meter breit.

Peter Daiker

Das stehende Wasser, das der Biber mit seinem Damm aufgestaut hat, dient ihm außerdem als Wellnessbecken: Hier lässt er sich gemütlich treiben und putzt sein Fell – gelegentlich genießt das hauptsächlich nachtaktive Tier allerdings auch die Sonne.

Ein Baumeister, der keine Genehmigung braucht

Biber erweisen sich als wahre kleine Baumeister: Neben Biberdämmen und -burgen bauen sie  Fluchttunnel unter den Wiesen, die es ihnen ermöglichen, ungesehen von einem Ort zum anderen zu gelangen. Zudem gibt es auch sogenannte Biberrutschen, also abfallendes Gelände, das es den wasseraffinen Nagern ermöglicht, sich schnell wieder in ihr Element zu begeben.

Die wahren Meisterwerke sind allerdings die Dämme, denn diese helfen nicht nur dem Biber bei der Nahrungsbeschaffung und dem Schutz vor Fressfeinden durch das Verbergen des Eingangs zum Biberbau, sondern sie werten den Lebensraum um sie herum auf.

Die verschiedensten Tiere profitieren von dem neu erschaffenen Habitat, ebenso wie die Pflanzen in der Umgebung. Es geschieht eine Renaturierung in kürzester Zeit. Wofür der Mensch Jahre der Planung, unzählige Gutachten und Genehmigungen braucht und etliche Millionen in die Hand nehmen muss, baut der Biber einfach einen Damm.

„Biber erbringen eine enorme Leistung“, erklärt Daiker. Als Beispiel nennt er das Landschaftsschutzgebiet Brdy in Tschechien, nahe der Hauptstadt Prag, in dem eine Biberfamilie im vergangenen Jahr in kürzester Zeit mit ihren Dämmen eine Renaturierung umsetzte, die die dortige Verwaltung bereits sechs Jahre geplant hatte. „Was der Biber schafft, können Menschen lange nicht erreichen“, meint Daiker.

Eine Biberfamilie

Eine Biberfamilie besteht in der Regel aus einem Elternpaar und den Jungen aus zwei Generationen. Erst wenn die Jungbiber etwa zwei Jahre alt sind, müssen sie sich ihr eigenes Revier suchen. Daiker schätzt, dass im Biberrevier am Rexinger Bach etwa fünf bis sechs Biber leben – die Eltern und drei bis vier Jungtiere.

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