Bei Horb gedeiht die Natur
: Was der Biber erschafft, bekommt kein Mensch hin

Der Biber fällt Bäume, setzt Wiesen unter Wasser und gilt trotzdem als Retter der Natur. Was hinter diesem scheinbaren Widerspruch steckt, zeigt sich am Rexinger Bach.
Von
Anna-Sophie Zepf
Horb
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Biber am Rexinger Bach bei Horb

Eine Biberfamilie hat sich am Rexinger Bach bei Horb niedergelassen und verusacht mit ihren Biberdämmen einige Veränderungen in der Landschaft.

Frank Scheffold
  • Am Rexinger Bach bei Horb schafft eine Biberfamilie ein artenreiches Biotop.
  • Biberdämme bremsen den Wasserabfluss – Gewässer werden strukturreicher und klarer.
  • Eisvögel, Libellen und Amphibien finden neue Nahrung, Laichplätze und Jagdgründe.
  • Weiden und Pappeln verjüngen sich, neue Gebüsche entstehen; Kräuter fördern Insekten.
  • Mehr Wasser in Wiesen erhöht Grundwasser und kühlt den Bach, doch es gibt Nutzungskonflikte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Kaum ein anderes Wildtier verändert seine Umgebung so nachhaltig wie der Biber. Was auf den ersten Blick nach einem einfachen Damm aussieht, entwickelt sich am Rexinger Bach bei Horb zu einem Paradies für Tiere und Pflanzen – mit überraschenden Vorteilen für die Natur und sogar den Menschen. Doch der fleißige Baumeister sorgt nicht nur für Begeisterung.

Das Zirpen von Insekten erfüllt die Luft. Ein leichter Windhauch streift durch die Weiden und Pappeln entlang des Rexinger Bachs. Aus dem Augenwinkel huscht ein leuchtend blauer Schimmer vorbei und schillernde Flügel reflektieren das Sonnenlicht. „Ein Eisvogel“, sagt Peter Daiker, Biberbeauftragter des Landkreises Freudenstadt, und deutet auf den Farbtupfer, der sich auf einem Ast über dem Wasser niederlässt.

Seit sich eine Biberfamilie an diesem Teil des Rexinger Bachs, der keine 100 Meter weiter in den Neckar fließt, niedergelassen hat, entfaltet sich hier ein üppiges Biotop mit einer Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. „Mit dem Biberdamm verändert sich etwas“, berichtet Daiker.

Eine unglaubliche Artenvielfalt entwickelt sich

Es entwickle sich ein strukturiertes Gewässer, fügt er hinzu. Die Dämme stauen etwa das Wasser so, dass dort winzig kleine Stichlinge ihr Zuhause finden. Diese kleinen Fische dienen wiederum als Nahrung für den kleinen blauen Eisvogel mit seinem orangefarbenen Bauch.

  • Wolfgang Albrecht (von links), Wolfgang Kiesewetter, Markus Pagel und Peter Daiker

    Biberberater Wolfgang Albrecht (von links), Wolfgang Kiesewetter vom Nabu in Horb, Markus Pagel, Gewässerbeauftragter des Nabu Baden-Württemberg, und Peter Daiker, Biberbeauftragter des Landkreises Freudenstadt, sind begeistert von der Biberfamilie am Rexinger Bach bei Horb.

    Anna-Sophie Zepf
  • Biberdamm am Rexinger Bach bei Horb

    Der Biberdamm am Rexinger Bach bei Horb ist bereits im März etwa zwei Meter hoch.

    Wolfgang Kiesewetter
  • Biber nagt an Ast am Rexinger Bach bei Horb

    Der nachtaktive Biber nagt an einem Ast am Rexinger Bach bei Horb, das zeigt die Aufnahme einer Wildtierkamera.

    Wolfgang Kiesewetter
  • Biberdamm am Rexinger Bach bei Horb

    Anfang Juli hat die üppige Vegetation den Biberdamm am Rexinger Bach bei Horb beinahe unsichtbar gemacht.

    Anna-Sophie Zepf
  • Gebänderte Prachtlibelle

    Gebänderte Prachtlibellen gibt es nun auch am Rexinger Bach bei Horb, dank der Arbeit des Bibers. (Symbolbild)

    Wolfgang Kiesewetter
  • Mosaikjungfer

    Mosaikjungfern gibt es nun auch am Rexinger Bach bei Horb, dank der Arbeit des Bibers. (Symbolbild)

    Nabu/Klaus Kiuntke
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Und das ist nur eines von vielen Beispielen, die die eingetretenen Veränderungen an diesem kleinen Bach beleuchten. Dank des Bibers habe sich am Rexinger Bach eine unglaubliche Artenvielfalt entwickelt, meint der Biberbeauftragte.

Denn für die verschiedensten Libellenarten sei hier ein Paradies entstanden, erläutert er. Während Markus Pagel, Gewässerbeauftragter des Nabu Baden-Württemberg, auf eine Plattbauch-Libelle deutet und diese anschließend fotografiert. Diese Art sei nur eine von vielen, die sich inzwischen an diesem Bach angesiedelt hätten, erläutert Pagel – so auch die Mosaik- und verschiedene Prachtlibellen.

Eine echte Aufwertung des Lebensraums

Durch die Biberdämme gebe es eine echte „Aufwertung des Lebensraums“, beschreibt er begeistert und geht auf diverse Amphibienarten, unter anderem den Grasfrosch, ein, die das entstandene Habitat als Laichplatz für ihren Nachwuchs verwenden.

Eisvogel

Eisvögel, die bundesweit als gefährdete Vogelart gelten, haben dank des Biberdamms am Rexinger Bach bei Horb nun neue Jagdgründe. (Symbolbild)

Tom Dove

Auch die Pflanzenwelt ziehe enorme Vorteile aus dem neu angelegten Biotop. Weiden und Pappeln, die von den Nagern angefressen werden, verjüngen sich. Das bedeutet, sie bilden neue Triebe und verbreiten sich rund um das Flussufer.

Es entstehen neue Gebüsche, die wiederum den Bibern als Nahrung dienen, aber ebenso als Brutstätte für diverse Vögel. Kräuter wie Mädesüß und Seifenkraut finden den idealen Nährboden und entwickeln sich zu einem Insektenparadies.

Auffüllung des Grundwasserspiegels

Weitere Pluspunkte entstehen, wenn der Biber den Bachgrund tiefer ausgräbt und rund um den Bachverlauf Wege in die Wiesen trampelt, denn so kann sich das Wasser weiter ausbreiten und es bilden sich vermehrt stehende Gewässer.

Diese füllen durch Versickerung nach und nach den Grundwasserspiegel wieder auf. Das Grundwasser zirkuliert zudem zurück in den Rexingerbach und kühlt diesen dabei um einige Grad herunter, was für die dort lebenden Fische und Insekten, aber auch für den Biber, einen gewaltigen Unterschied während andauernder Hitzewellen bedeutet.

Durch die Grabungsaktivitäten des kleinen Baumeisters am Flussbett wachsen überdies die Schlammflächen unter Wasser und diese speichern CO₂. Gemeinsam mit dem Damm wird das Wasser so auch noch gefiltert. Es gebe im Rexinger Bach dadurch sehr klares Wasser, berichtet Pagel.

Welche Auswirkungen ein Biberdamm auf Hochwasser habe, sei ebenfalls eher unbekannt, meint Daiker. Durch die künstlich angelegte Begradigung der Flüsse, erhöhe sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Diese werde durch die Bemühungen des Bibers rückgängig gemacht und in einen natürlicheren Zustand zurückversetzt. „Der Wasserabfluss wird so gebremst“, erklärt der Biberbeauftragte.

Libelle Plattbauch

Für verschiedene Libellenarten ist am Rexinger Bach in Horb ein Paradies entstanden – so auch für die Plattbauch-Libelle.

Markus Pagel

So positiv die Arbeiten des Bibers auch für die Natur und teilweise auch für den Menschen sind, so lassen sie sich doch nicht immer mit der Kulturlandschaft verbinden. Hier entstehen immer wieder Konflikte, wenn ein Biber die Infrastruktur stört.

Indem er etwa Bäume annagt oder fällt, die sich nicht regenerieren können. Obstbäume, aber auch Nadelbäume, seien nicht in der Lage, sich so zu verjüngen wie Pappeln oder Weiden, berichtet Daiker. Solche Bäume müssten dann mit einem Drahtgeflecht gesichert werden.

Auch seien die Landwirte nicht glücklich, wenn ihre Wiesen durch die Stauung des Bibers Quadratmeter für Quadratmeter unter Wasser gesetzt werden, erklärt der Biberbeauftragte.

Aber die Vorteile, die der Biber mit seinen Bauten für die Natur und im Endeffekt auch für den Menschen habe, überwögen klar die Nachteile, meinen die Experten, die die kleine Biberfamilie in den höchsten Tönen loben. Denn: „Der Biber repariert, was wir kaputtgemacht haben“, stellt Daiker fest.

Biberberatung im Kreis Freudenstadt

Im Landkreis Freudenstadt gibt es schätzungsweise 150 Biber: Um Konflikte mit den Nagern, ihren Dämmen und den daraus entstehenden Konsequenzen zu vermeiden, gibt es im Landkreis acht Biberberater. Diese dienen als Ansprechpartner für Landwirte, aber auch Anwohner, in deren Nähe sich ein Biber niederlässt.

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