Buch in Rottenburg vorgestellt
: Eine oft schwer zu ertragende Materie

Karlheinz Heiss recherchiert seit Jahren zu Missbrauch in der katholischen Kirche und fordert echte, ehrliche Aufklärung
Von
Mirko Witkowski
Rottenburg
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Karlheinz Heiss präsentiert seine neuen Recherchen zu Missbrauch in der katholischen Kirche.

Karlheinz Heiss präsentiert seine neuen Recherchen zu Missbrauch in der katholischen Kirche.

Andreas Straub
  • Neues Buch in Rottenburg vorgestellt: Heiss zeigt Missbrauchsfälle in der Kirche auf.
  • Er sieht ein systemisches Problem und wirft Vertuschung bis in Bischofsebene vor.
  • Fall Fussen: Versetzung statt Entlassung, später Urteile wegen Exorzismus und sadistischen Taten.
  • Heiss präsentiert zahlreiche Quellen – Gerichtsurteile aus der Nazizeit bewertet er vorsichtig.
  • Er vermutet gesäuberte Diözesanakten und kritisiert doppelte Moral, weshalb Verfehlungen schwerer wiegen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dass es in der katholischen Kirche nicht nur individuelle Verfehlungen, sondern ein systemisches Problem mit Missbrauch gab, räumt diese inzwischen selbst ein. „Für mich sind auch die Bischöfe ein Teil des Problems“, sagt Karlheinz Heiss. Der frühere Rottenburger Musikschulleiter und inzwischen in Entringen lebende Autor recherchiert seit Jahren zu Missbrauchsfällen und hat mehrere Bücher dazu veröffentlicht.

„Es wurde viel vertuscht und unter den Teppich gekehrt.“ Anhand konkreter, detailliert aufgeschlüsselter Fälle, legt Heiss nahe, dass auch Bischof Joannes Baptista Sproll von Verfehlungen gewusst haben muss. Pfarrer Hubert Fussen, wegen Sittlichkeitsdelikten verurteilt, wurde beispielsweise lediglich versetzt, nicht aber aus dem Klerus entfernt. „Er sollte aus der Schusslinie genommen werden“, sagt Heiss.

Autor stellt zahlreiche Quellen vor

Am Mittwochabend stellte er sein neues Buch „Sühneopfer – Gerichtsurteile gegen katholische Priester wegen Sittlichkeitsdelikten während der Zeit des Nationalsozialismus“ in der Volkshochschule vor – seinem früheren Arbeitsort, ausgerechnet in der Sprollstraße. Darin stellt er hauptsächlich Quellen vor.

Ein gutes Dutzend Interessierte erlebten den Vortrag eines engagierten Aufklärers, der sich tief in die schwierige, oft schwer zu ertragende Materie eingearbeitet hat und immer wieder in Seitenstränge abschweifte. Heiss zitierte aus dem Brief eines Pfarrers außer Dienst an ihn, der sein Werk als „verdienstvoll“ würdigte, wenngleich er in der Wertung nicht unbedingt zustimme. Klar ist: Gerichtsurteile aus der Nazizeit sind mit Vorsicht zu genießen. „Die Justiz im Dritten Reich war gegenüber Sittlichkeitsverbrechen von Priestern sehr milde gestimmt“, sagt Heiss. Das lasse am Narrativ der „verfolgten Kirche“ doch sehr zweifeln. Fussen wurde zunächst in Stuttgart zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Später verschärfte ein Sondergericht in Frankfurt die Strafe.

Konkret ging es um Exorzismus und sadistische Handlungen an einer jungen Frau. Sie wurde als sogenanntes Sühneopfer betrachtet. Der Begriff hat seinen Ursprung im Alten Testament, wird an sich aber auf das Leben, Leiden und Sterben Jesu bezogen. Von Fussen wurde er so ausgelegt, dass Gott durch ein Opfer besänftigt werden solle. Zudem übernachtete die junge Frau regelmäßig bei ihm. Weil das für Gerede sorgte, wurde sie als seine Schwester deklariert.

Verfehlungen wiegen umso schwerer

Heiss berichtete weiter von einem „wahren Netzwerk von Priestern“, die im Namen des Sühneopfers wilde Orgien veranstalteten und auch vor Inzest keinen Halt machten (Buchbinder, Dürr, Feifel, Herzer, Nille). „Da muss es bordellmäßig zugegangen sein“, so Heiss.

Er erzählte von einem Priester, dessen Personalakte Lücken an den spannendsten Stellen aufweist (Hummler) und einem CDU-Ministerpräsidenten aus Baden-Württemberg (Gebhard Müller), der ein Gerichtsurteil im Nachlass hat. Für Heiss ist offensichtlich, dass die Akten bei der Diözese „gesäubert“ wurden, vermutlich bereits Ende der 70er-Jahre.

„Die Frage ist, was mit den Unterlagen passiert ist“, sagt Heiss. „Das ist ein riesen Problem in der Aufarbeitung.“ Gesellschaftliche Vorstellungen und Sexualstrafrecht unterlagen ebenfalls einem Wandel. „Die katholische Kirche setzt die Maßstäbe viel höher und verkündet eine Moral, an die sie sich selbst nicht hält“, sagt Heiss. Deshalb wögen die Verfehlungen umso schwerer.

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