Besuch in Empfingen
: Klaus Augenthaler über die Bayern-Kritik und Klopps XXL-Kader

Klaus Augenthaler sieht beim FC Bayern vieles auf dem richtigen Weg. Für die Nationalmannschaft hat der Weltmeister ebenfalls klare Vorstellungen – und erinnert sich dabei an eine Erfahrung aus dem Jahr 1990.
Von
Florian Ganswind
Empfingen
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Klaus Augenthaler kennt den Fußball von der kleinen Vereinsbühne bis zum WM-Finale. Am Sonntag kommt die Bayern-Legende nach Empfingen.

Klaus Augenthaler kennt den Fußball von der kleinen Vereinsbühne bis zum WM-Finale. Am Sonntag kommt die Bayern-Legende nach Empfingen.

Sven Hoppe/dpa
  • Augenthaler sieht den FC Bayern auf gutem Weg und lobt Kompanys ballbesitzorientierten Ansatz.
  • Er betont die Bedeutung kleiner Vereine und verweist auf eigene Herkunft aus dem Amateurbereich.
  • Beim Campus sollen Talente nachrücken – ein schlanker Kader könne bewusst gewählt sein.
  • Kritik an Bayerns Spielweise hält er für üblich bei Erfolg, die Führung prüfe Transfers sehr genau.
  • Zu Klopp: Er ist der Richtige für den Neustart, braucht Zeit und die richtige Mischung aus Charakteren.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Klaus Augenthaler weiß, wie große Erfolge entstehen – und welche Rolle dabei auch die kleinen Vereine spielen.

Vor seinem Besuch beim 100-jährigen Jubiläum der SG Empfingen (Kreis Freudenstadt) am Sonntag, 20. September, spricht der Weltmeister von 1990 über den FC Bayern, Vincent Kompany, den Neustart der Nationalmannschaft und seine eigenen Erfahrungen im Fußball.

Herr Augenthaler, die SG Empfingen feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Welche Bedeutung haben solche Amateurvereine für den deutschen Fußball?
Eine sehr große. Ich bin viel bei den Fanclubs des FC Bayern unterwegs und viele Bayern-Fans spielen selbst in solchen Vereinen. Auch ich bin aus einem kleinen Verein gekommen. Ich denke, dass diese kleinen Vereine das Grundgerüst des Fußballs bilden. Das fängt schon bei der F-Jugend an und dort mit Freude Fußball spielen.

Sie kennen aber auch die andere Seite. Bis vor Kurzem waren Sie in der Global Academy des FC Bayern tätig. Wie haben Sie diese Arbeit erlebt?
Das hat mir großen Spaß gemacht. Da kamen Jugendliche aus den unterschiedlichsten Ländern zu uns, aus Afrika, Amerika und anderen Teilen der Welt. Sie hatten sich zuvor beworben und wurden ausgewählt. Die Jungs haben dann mit mir zwei mal vier Monate trainiert. Am Anfang war das für mich manchmal auch schwierig. Da wurde mir dann auch die Frage gestellt:  Warum spielt mein Sohn nicht? Mir haben die Jungs leidgetan, die vielleicht nur zehn oder elf Minuten zum Einsatz gekommen sind. So geht es wahrscheinlich auch dem einen oder anderen Jugendtrainer in einem kleinen Verein. Man möchte möglichst allen gerecht werden, aber das ist nicht immer möglich.

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Einer Ihrer damaligen Schützlinge war Maycon Cardozo. Er hat inzwischen sogar den Sprung zu den Bayern-Profis geschafft. Was bedeutet Ihnen eine solche Entwicklung?
Das freut mich natürlich. Cardozo war wirklich ein hochtalentierter Jugendlicher, technisch sehr versiert. Ein super Spieler.

Beim FC Bayern wird trotz Erfolgen gerade über die Spielweise diskutiert. Teilweise ist sogar von langweiligem Fußball die Rede. Können Sie diese Kritik nachvollziehen?
Im Endeffekt zählt der Erfolg. Vielleicht ist das auch die Philosophie von Vincent Kompany: Wir sind stark genug und wollen ballbesitzorientiert spielen. Beim FC Bayern ist es eben so: Selbst wenn man Erfolg hat, wird nach Kritikpunkten gesucht. Hinzu kommt, dass die anderen Mannschaften gegen Bayern immer besonders Gas geben. Ich hatte Freunde, die beispielsweise in Hamburg gespielt haben. Für die war das Spiel gegen den FC Bayern immer das wichtigste Spiel.

Sie halten die Kritik – beispielsweise von Mario Basler -  also für überzogen?
Wenn der FC Bayern Erfolg hat, sucht man eben trotzdem nach Kritik. Das war auch zu Zeiten von Mario Basler und anderen so. Ich finde, Bayern ist auf einem sehr guten Weg. Die Vereinsführung weiß genau, was sie tut. Wenn dort ein Spieler verpflichtet wird, dann wird der nicht zweimal angeschaut, sondern vielleicht 15-mal genau geprüft.

08.07.1990, Italien, Rom: Nach dem WM-Finale Argentinien-Deutschland (0:1) jubeln Holger Osieck (von links), Franz Beckenbauer, Klaus Augenthaler, Stefan Reuter, Jürgen Klinsmann, Frank Mill und Karl-Heinz Riedle.

08.07.1990, Italien, Rom: Nach dem WM-Finale Argentinien-Deutschland (0:1) jubeln Holger Osieck (von links), Franz Beckenbauer, Klaus Augenthaler, Stefan Reuter, Jürgen Klinsmann, Frank Mill und Karl-Heinz Riedle.

Frank Kleefeldt/dpa

Was gefällt Ihnen an Vincent Kompany besonders?
Ich habe Trainingseinheiten unter Kompany gesehen. Da spürt man die Freude. Und wenn man sich die Spiele anschaut, sieht man, wie die Spieler miteinander umgehen. Sie umarmen sich, sie jubeln gemeinsam, man erkennt die Spielfreude. Das macht sehr viel mit einer Mannschaft.

Der Bayern-Kader ist nicht riesig. Reicht die Breite aus, um in allen Wettbewerben erfolgreich zu sein?
Ich weiß nicht, ob das vielleicht bewusst etwas knapper geplant ist. Da spielt natürlich auch das Geld eine Rolle. Jeder neue Spieler kostet ein paar Millionen. Gleichzeitig ist der FC Bayern mit seinem Campus mittlerweile so weit, dass von dort Talente nachkommen. Für diese jungen Spieler muss der Weg in die Mannschaft aber auch frei bleiben.

Bei der Nationalmannschaft beginnt mit Jürgen Klopp gerade ein neues Kapitel. Ist er für Sie der richtige Mann?
Es muss sich etwas ändern. Ich glaube, Klopp ist dafür der Richtige. Ob es funktioniert, wird man sehen. Zaubern kann auch er nicht. Aber Jürgen Klopp hat einen Namen und dort, wo er gearbeitet hat, hatte er Erfolg. Man muss ihm allerdings die nötige Zeit geben. Die Arbeit als Bundestrainer ist schließlich etwas anderes als die eines Vereinstrainers. Er ist nicht jeden Tag mit seinen Spielern auf dem Trainingsplatz, sondern muss viel herumreisen, Spiele anschauen und seine Mannschaft zusammenstellen.

Wie entscheidend ist dabei die Auswahl der Charaktere – und nicht nur die reine fußballerische Qualität?
Sehr wichtig. Ich hatte selbst den direkten Vergleich zwischen den Weltmeisterschaften 1986 und 1990. Auch 1986 in Mexiko hatten wir lauter gute Spieler. Aber es war nicht so wie vier Jahre später in Italien. 1990 waren wir eine Einheit, die sich teilweise blind verstanden hat. In Mexiko gab es dagegen beispielsweise Spieler, die beleidigt waren. Das war 1990 anders. Die Zusammenstellung einer Mannschaft und die Charaktere spielen deshalb eine ganz wichtige Rolle.

Klopp hat für seinen Auftakt einen ungewöhnlich großen Kreis von Spielern nominiert. Finden Sie diesen Ansatz richtig?
Ja, ich finde es gut, wenn man zunächst einmal mehr Spieler einlädt. Er muss jetzt in relativ kurzer Zeit viele Spieler kennenlernen. Deshalb kann ich diesen Weg nachvollziehen.

Sollte Klopp beim Neuaufbau vor allem auf junge Spieler setzen?
Nur mit Jugend geht es nicht. Man braucht auch erfahrene Spieler. Das war bei uns nicht anders. Lothar Matthäus war 1990 beispielsweise einer der erfahrenen Spieler. Entscheidend ist am Ende die Qualität – und die richtige Mischung.