Baugebiet „Mühlacker IV“ in Sulzau
: Dialog-Teilnehmer füllen „Themenlandkarte“

Zum geplanten Baugebiet „Mühlacker IV“ in Sulzau sind auch nach dem runden Tisch noch viele Fragen offen.
Von
Marzell Steinmetz
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Die Dialog-Teilnehmer sammeln am runden Tisch Themen für das Baugebiet „Mühlacker IV“.

Marzell Steinmetz

Vertreter der Gemeinde Starzach, der Bürgerinitiative (BI) Sulzau, der Investoren sowie Mitglieder des Gemeinderats trafen sich am Dienstag zu einem runden Tisch im Bierlinger Bürgerhaus.

Thema war nicht das Für und Wider des geplanten Baugebiets „Mühlacker IV“, sondern eine strukturierte Sammlung der relevanten Fragestellungen im Vorfeld des Bürgerentscheids am 8. März 2026.

Die Gemeinde hatte die Servicestelle Dialogische Bürgerbeteiligung Baden-Württemberg mit der Moderation beauftragt. Deren Vertreter Ulrich Arndt betonte die Neutralität des Verfahrens: Aufgabe sei es, Themen zu sammeln und zu ordnen, nicht zu bewerten. Grundlage war eine sogenannte Themenlandkarte mit sieben Bereichen, darunter Verkehr und Infrastruktur, Umwelt, Kosten-Nutzen-Verhältnis sowie Ortsentwicklung.

Externer Bauträger übernimmt die Erschließung

Aus Sicht der Verwaltung wies Andreas Scholz auf die steigende Nachfrage nach Bauplätzen in Starzach hin. Kämmerer Philipp Holzwarth nannte mögliche Mehreinnahmen durch Grundsteuer sowie eine Entlastung bei Fixkosten, etwa für Abwasser, durch mehr Einwohner. Da ein externer Bauträger die Erschließung übernehme, müsse die Gemeinde dafür keine Schulden aufnehmen. Der frühere Gemeinderat Hans-Peter Ruckgaber regte an, die Bebauung abschnittsweise und angepasst an die dörfliche Struktur umzusetzen.

Zum geplanten Baugebiet „Mühlacker IV“ in Sulzau gibt es einen Bürgerentscheid.

Foto: Marzell Steinmetz

Die Bürgerinitiative machte deutlich, dass aus ihrer Sicht noch zahlreiche Fragen offen sind. Geplant seien 47 Wohneinheiten – fraglich sei, ob dafür in Sulzau tatsächlich Bedarf bestehe, zumal noch freie Bauplätze vorhanden seien. Zudem müsse das Kosten-Nutzen-Verhältnis kritisch geprüft werden: Mehreinnahmen könnten höheren Ausgaben für Infrastruktur gegenüberstehen. Bei einem möglichen Zuzug von rund 200 Menschen befürchtet die BI Belastungen für Abwasser, Verkehr, Kindergärten, Schule und den öffentlichen Nahverkehr sowie Veränderungen der sozialen Struktur und Herausforderungen bei der Integration.

Die Investoren von Königskinder Immobilien verwiesen auf den städtebaulichen Vertrag, über den die Gemeinde Einfluss nehmen könne. Raimund Wurzel sieht aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen wieder steigenden Bedarf an Bauplätzen. Planer Thomas Schwarztrauber betonte, dass bislang nur ein Entwurf vorliege und viele Bedenken planerisch lösbar seien.

Im Gemeinderat gingen die Einschätzungen auseinander. Monika Honegg sprach sich für neuen Wohnraum aus, um junge Familien zu gewinnen und Einnahmen zu sichern; sie rechnet nicht mit einem sprunghaften Zuzug.

Mögliche Konkurrenz zu Baugebiet in Wachendorf

Dietmar Ragg mahnte, die Kosten für die Allgemeinheit genau zu prüfen und sicherzustellen, dass die Gemeinde vom Einwohnerzuwachs profitiert. Annerose Hartmann verwies schließlich auf mögliche Konkurrenz zum noch nicht erschlossenen Baugebiet „Brühl III“ in Wachendorf.

Das weitere Vorgehen

Die Themenlandkarte
wird nun ergänzt mit den Beiträgen der Teilnehmer und ins Internet gestellt. Eine Online-Beteiligung wurde gestartet. Bis 9. Januar 2026 werden hier weitere Informationen und Beiträge zum Baugebiet „Mühlacker IV“ gesammelt.

Diskussion im Bürgerforum:
Der nächste Schritt ist ein Bürgerforum mit ausgelosten Teilnehmern. Zuvor waren 1400 Bürger angeschrieben worden, 60 haben geantwortet. Von diesen wurden 35 ausgelost. Alter, Bildungsstand, aber auch Wohnort sind dabei berücksichtigt worden. Die Termine für das Bürgerforum wurden auf den 13., 23. und 24. Januar 2026 festgelegt. Eingeladen werden sollen dazu Experten: Die Dialog-Teilnehmer schlugen einen Soziologen, Bauplaner, Referenten aus dem Gemeindetag, einen Finanzexperten zu Fragen der Stadtentwicklung, Hans-Peter Ruckgaber als Ortskundigen, Vertreter der Kommunalaufsicht und der Investoren Königskinder Immobilien vor.

Argumente für den Gemeinderat:
Die Ergebnisse der Diskussion im Bürgerforum werden am 9. Februar an den Gemeinderat übergeben und öffentlich vorgestellt. Das Bürgerforum liefert damit dem Gremium Argumente für die Stellungnahme zum Bürgerentscheid.

Der KreisLetter
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Freudenstadt Montag bis Samstag im kompakten Überblick.