75 Jahre Hüblhof in Horb: Zwischen Hightech-Stall und Preisdruck

Thomas, Frederik, Ariane, Diana und Jonas Hübl freuen sich auf viele Besucher beim Hoffest zum 75-jährigen Hofbestehen.
HüblRegionale Landwirtschaft sehen, fühlen, riechen und schmecken. Mit einem großen Hoffest feiert Familie Hübl am 27. und 28. Juni das 75-jährige Bestehen des Hüblhofs auf den Buchhöfen in Horb-Nordstetten.
Besucher können moderne Landwirtschaft erleben, Stallführungen besuchen und einen Blick hinter die Kulissen des Familienbetriebs werfen.
Stetige Weiterentwicklung des Betriebs „Unser Hüblhof wird in der dritten Generation geführt”, erzählt Diana Hübl, während sie gemeinsam mit Ehemann Thomas Hübl durch die eigenen Hallen des Hofes läuft.
In den vergangenen Jahren hat sich viel getan. Ende 2022 übernahmen sie auch noch den Betrieb der Eltern von Diana Hübl – den Muldenhof in Nordstetten. „Mein Vater war gesundheitlich angeschlagen. Mittlerweile geht es ihm aber wieder besser.“
Durch die Zusammenlegung des Muldenhofs der Eltern Boks und des Hüblhofs betreiben sie ihren Betrieb nun an zwei Standorten. Jungtiere sind auf dem Muldenhof, ausgewachsene Kühe und ihre Kälber auf dem Buchhof.
Nach einem weiteren Ausbau dort könne man nun noch höhere Standards gewährleisten: „Wir haben schon vorher alle Vorgaben erfüllt. Nun werden die Kälber nicht mehr einzeln, sondern auf größerer Fläche in Vierergruppen gehalten“, erklärt Diana Hübl. Dadurch wüchsen die Tiere von Beginn an in sozialen Gruppen auf.
Der Muldenhof hatte zuvor 80 Tiere, der Hüblhof 130. In neuer Konstellation sind es jetzt insgesamt etwas mehr als 240 Tiere.
Drei Generationen arbeiten mit Schon jetzt arbeite die vierte Generation tatkräftig mit. So befinde sich der älteste Sohn Jonas in der Ausbildungsphase zum Land- und Baumaschinen-Mechatroniker, während sein Bruder Frederik bald die Ausbildung zum Landwirt beginnen wird. Tochter Ariane geht noch zur Schule. Die Eltern Diana und Thomas Hübl seien zwar „froh”, dass ihre Kinder den Hof übernehmen möchten, aber: „alles ohne Zwang!”, betonen sie.

Der Buchhof war vor 75 Jahren eine Staatsdomäne.
Foto: GanswindDer gemeinsame Betrieb sorgt dafür, dass die drei Generationen täglich miteinander in Kontakt stehen. „Beide Omas und Opa unterstützen uns.“ Zum Team des Hüblhofs gehören auch zwei festangestellte gelernte Landwirte, fünf Minijobber und eine Azubistelle.
Hightech im Kuhstall Neuerdings werde zudem in moderne Technik investiert. Zwei Fütterungsroboter mischen Gras, Mais und Stroh „wie eine Riesen-Küchenmaschine” und beliefern anschließend die Kühe. Dabei scannen sie mithilfe eines Lasers den Boden und entscheiden, ob noch genug Futter für die Kühe da liegt, oder ob neues ausgegeben werden muss.
Rund um die Uhr und bis zu 25-mal täglich mischen die zwei Maschinen verschiedenes Futter. „Trockensteher”, also Vieh im “Mutterschutz”, bekämen beispielsweise anderes Futter als Kühe, die kurz vor dem Kalben stehen, erklären die Landwirte.
Die Automatisierung sei zum einen eine große Arbeitszeit-Entlastung und rentiere sich zum anderen auch durch die Benutzung von Eigenstrom aus Photovoltaik-Anlagen. „Sonntags haben unsere Mitarbeiter frei”, erklärt Thomas Hübl. Das sei dank der Fütterungsroboter möglich geworden. Auch die vier Melkroboter vereinfachen die Arbeitsweisen.
„Wir bilden auch aus” Seit fünf Jahren darf sich der Hof auch „Ausbildungsbetrieb” nennen und stellt jedes Jahr einen neuen Azubi ein. Thomas Hübl beschreibt den Nachwuchs in der Landwirtschaft im direkten Vergleich zu seiner Ausbildungszeit als „brutal hoch”: „Wir waren damals zu zehnt.” Die Berufsschulklassen in Herrenberg seien mittlerweile wieder voll besetzt. Immer mehr junge Erwachsene beginnen demnach eine Ausbildung, ohne einen eigenen Betrieb zu Hause zu haben. Von seiner Klasse übernahmen damals fast alle ein Familienunternehmen, während heutzutage nur etwa 5 von 25 bis 30 Azubis einen eigenen Hof besäßen. „Der Bedarf ist da”, trotz der zunehmenden Schließung konventioneller Landwirtschaftsbetriebe.
Milcheinnahmen gehen enorm zurück Der aktuelle Milchpreis macht den Hübls zu schaffen: Während sie im Dezember 2025 51 Cent pro Liter Milch bekamen, werden aktuell nur noch 35 Cent auf den Liter gezahlt. Momentan gibt der Hof nach eigenen Angaben mehr für die Milchproduktion aus, als er einnimmt.
Ab etwa 40 Cent pro Liter komme man bei null heraus, rechnet Thomas Hübl hoch. So bitter es klingen mag: “Jetzt heißt’s, welcher Landwirt bleibt, welcher geht”, so der 50-Jährige.
Familie Hübl lädt zum Hoffest mit Gläserner Produktion und Fachmesse ein Zum 75-jährigen Bestehen des Buchhofs veranstaltet Familie Hübl am Samstag, 27. Juni, ab 14 Uhr und am Sonntag, 28. Juni, ab 10 Uhr ein Hoffest in Horb-Nordstetten (Buchhöfe 5 und 6).
Auf dem Programm stehen Hofführungen, ein Auftritt von Kabarettist Niki König (Samstag), eine Hallenparty (Samstagabend) sowie ein Gottesdienst mit Dekan Anton Bock (der Onkel von Diana Hübl) und Susanne Veith (Sonntag, 10 Uhr). Für Kinder gibt es Waldmobil, Hüpfburg, Strohburg, Kinderschminken und Lichtgewehrschießen. Die Bewirtung übernehmen die Narrenzunft Nordstetten, der Kleintierzuchtverein Empfingen und der Heuwasenhof.
Verschiedene Firmen und Organisationen präsentieren sich auf einer Fachmesse: beispielsweise die Roboter-Firma Lely, aher auch viele Unternehmen aus der Region wie beispielsweise die Walz-Mühle, Öl Brändle oder Gfrörer Schotterwerk.
„Auf die Hitze stellen wir uns natürlich ein“, sagt Familie Hübl. So wird es auch beispielsweise Schattenplätze und Programm in der Scheune geben.
Die Hübl-Historie: vom Sudetenland auf den Buchhof
Aus dem Sudetenland
Wenn Familie Hübl Ende Juni das 75-jährige Bestehen ihres Hofes auf den Buchhöfen feiert, dann erinnert das Jubiläum auch an einen Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Geschichte des heutigen Betriebs beginnt nicht in Horb, sondern im Sudetenland, einer deutschsprachig geprägten Region im heutigen Tschechien nahe der polnischen Grenze.
Von dort wurde die Familie Hübl 1945 aus dem Dorf Thomigsdorf, dem heutigen Damníkov, vertrieben.
Zunächst lebte die Familie von 1946 bis 1949 in einem Lager im ostfriesischen Haage im heutigen Landkreis Aurich. Anschließend gelang die Umsiedlung nach Süddeutschland. Nach einem kurzen Aufenthalt in Betra ergab sich 1951 die Chance auf einen Neubeginn.
Die ehemalige Staatsdomäne
Damals wurde die ehemalige Staatsdomäne Buchhof aufgeteilt. Im Oktober 1951 entstanden dort sechs landwirtschaftliche Betriebe. Fünf der Höfe gingen an vertriebene Familien aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und dem Sudetenland, ein Hof an den bisherigen Pächter Wilhelm Maier.
Otto und Marie Hübl erhielten damals eine der neuen Hofstellen. Gemeinsam mit ihren sechs Kindern bauten sie einen landwirtschaftlichen Betrieb auf – mit wenigen Hektar Land, einigen Kühen, Schweinen und Geflügel. Im Laufe der Jahre wuchs der Hof durch Zukäufe und Pachtflächen. Zweite Generation übernimmt
In den 1960er-Jahren wurde der Kuhstall erweitert. Anfang der 1970er-Jahre übernahm Emil Hübl, der jüngste Sohn der Familie, den Betrieb in zweiter Generation. Durch die Heirat mit Lieselotte Müller wurden später zwei Buchhof-Betriebe gemeinsam bewirtschaftet.
Der Hof entwickelte sich in dieser Zeit zu einem Milchvieh- und Ackerbaubetrieb. Doch 1991 traf die Familie ein schwerer Schicksalsschlag: Emil Hübl starb im Alter von nur 43 Jahren.
Fortan trugen seine Frau Lieselotte, die drei Kinder Thomas, Sabine und Joachim sowie die älteren Familienangehörigen die Verantwortung für den Betrieb. Thomas Hübl absolvierte seine Ausbildung zum Landwirt und übernahm gemeinsam mit seiner Mutter schrittweise die Führung des Hofes.
Ausbau in dritter Generation
Mit Thomas Hübl begann Ende der 1990er-Jahre die dritte Generation auf dem Buchhof. 1999 entstand ein neuer Laufstall für 70 Milchkühe. Zehn Jahre später wurde ein Jungviehstall angebaut.
2006 heiraten Diana und Thomas Hübl. Sie stammt ebenfalls aus einer landwirtschaftlichen Familie. Ihre Eltern bewirtschafteten den Muldenhof in Nordstetten.
Im Jahr 2015 entschied sich Diana Hübl, ihren Beruf im Bankwesen aufzugeben und vollständig in die Landwirtschaft einzusteigen. Gleichzeitig wurde der Milchviehstall erweitert und modernisiert. Zwei Melkroboter ersetzten den bisherigen Melkstand. 2018 eröffnete die Familie Hübl ihr 24-Stunden-Direktvermarktungshaus mit regionalen Produkten.
Feuer und Neuanfang
Ein weiteres einschneidendes Ereignis folgte im Juli 2019. Ein Großbrand zerstörte das Wohnhaus der Familie sowie ein Wirtschaftsgebäude. Rund eineinhalb Jahre lebten Thomas und Diana Hübl mit ihrer Familie in Wohncontainern, bis Anfang 2021 das neue Wohnhaus bezogen werden konnte.
2022 begann schließlich ein neues Kapitel. Die Betriebe des Buchhofs und des Nordstetter Muldenhofs wurden zusammengeführt.