27 Jahre Friedensbewegung in Horb
: „Die schwierigsten Friedenstage aller Zeiten“

Die Horber Friedenstage 2025 setzen ab dem 5. November ein Zeichen für Demokratie und den Frieden – mit prominenten Gästen wie Autor Ilija Trojanow und Karl-Martin Hentschel.
Von
Cornelius Rück
Oberndorf
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Helmut Loschko (von links), Hartmut Denn, Frercks Hartwig, Simon Roth, Iris Müller-Nowack, Ewald Loschko und Angelika Recklebe engagieren sich für den Frieden.

Cornelius Rück

„Es sind die schwierigsten Friedenstage aller Zeiten“, sagt Helmut Loschko von der Horber Initiative für Frieden und Gründer des Projekts Zukunft. „Das sage ich seit vier Jahren, aber es stimmt immer wieder. Früher waren die Positionen klar: Keine Waffenlieferungen, Abrüstung und Demilitarisierung. Heute ist die Diskussion eine andere.“ Die Friedenstage sollen Wege zum Umdenken und zur Veränderung aufzeigen im Angesicht „der so oft empfundenen Ohnmacht“ gegenüber Rechtsruck, Aufrüstung und der „fast vergessenen Klimakatastrophe“, heißt es im Programm.

„Wir wollen keine Parteipolitik verbreiten. Uns war es immer wichtig, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen, nicht nur gegen etwas zu sein“, erklärt Loschko.

Eröffnung der Friedenstage Die Eröffnung der Friedenstage findet am Mittwoch, 5. November, statt. Ab 19 Uhr begrüßt Loschko Gäste im Kloster Horb (Marktplatz 28). Auch der neue Oberbürgermeister (OB) Michael Kessler hat laut Veranstaltern ein Grußwort angekündigt. Anschließend spricht Andreas Zumach, UNO-Korrespondent der Berliner „tageszeitung“ in Genf, zum Thema „Ist eine Welt nach Putin, Trump, Weidel vorstellbar?“.

„Ich finde es toll, dass er wieder kommt. Er ist ein gerngesehener Gast“, meint Loschko. Schon 2013 und 2022 nahm er an den Friedenstagen teil. Auch OB Kessler wird mit Spannung erwartet: „Es ist nicht selbstverständlich, dass ein OB an Friedenstagen teilnimmt. Aber umso mehr freut uns, dass nach Peter Rosenberger auch Michael Kessler direkt mitmacht“, freut sich Frercks Hartwig vom Bündnis „Für Demokratie – aktiv gegen rechts“.

„Das Buch der Macht“ – Lesung mit Ilija Trojanow „Ilija Trojanow hatte ich schon lange im Hinterkopf, aber ich dachte: ,Das ist bestimmt zu teuer‘“, sagt Iris Müller-Nowack, Leiterin der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) im Kreis Freudenstadt. Auch Hartwig dachte sich: „Der kommt ja im Leben nie.“

Umso mehr freuen sich die Veranstalter, dass es doch geklappt hat: Ilija Trojanow kommt am Freitag, 14. November, um 19.30 Uhr ins Kloster Horb und liest aus seinem „Buch der Macht“.

Der Eintritt kostet acht, ermäßigt fünf Euro.

Friedensgottesdienst in Mühlen In der Remigiuskirche (Remigiusstraße 5) der Evangelischen Kirche Horb-Mühlen findet am Sonntag, 16. November, um 9.20 Uhr ein Friedensgottesdienst statt. Pfarrer Johannes Unz greift das Thema der Friedenstage dort auf. „Die Kooperation geht weit zurück, Mühlen hatte schon immer friedensbewegte Pfarrer“, erinnert sich Loschko.

„80 Jahre Frieden in Deutschland“ mit Richard Bösch Richard Bösch, Geschäftsführer und Bildungsreferent im Pax-Christi-Diözesanverband Rottenburg-Stuttgart, kommt am Dienstag, 18. November, um 19 Uhr ins Katholische Gemeindezentrum Hohenberg (Am Garnisonsplatz 25). Dort hält er einen Vortrag zum Thema „80 Jahre Frieden in Deutschland“.

20. Horber Mahnwache „Für Demokratie“ Als uns nach dem Treffen in Potsdam klar wurde, was die AfD vorhat, haben wir [Bündnis „Für Demokratie – aktiv gegen rechts“, Anm. d. Red] angefangen“, erzählt Hartwig. Seitdem wird – zu den Friedenstagen am Donnerstag, 20. November, ab 18 Uhr in der Stadtmitte von Horb vor dem Friseur Doormann (Neckarstraße 20) – jeden Monat eine Mahnwache abgehalten.

Protestlieder aus fünf Jahrhunderten mit Anna-Maria Wilke und Benjamin Guss In der Remigiuskirche in Mühlen spielen Anna-Maria Wilke, Kantorin des Klosters Kirchberg, und Benjamin Geggus am Sonntag, 23. November, ab 17 Uhr Protestlieder vom Bauernkrieg bis heute. Mitsingen ist ausdrücklich erlaubt. Der Eintritt kostet acht Euro, ermäßigt fünf.

„Tax the rich – Verhindern wir die Plutokratie“ „Überreichtum ist Gift für das Klima, für die Wirtschaft und für die Demokratie“, meint Karl-Martin Hentschel, der am Mittwoch, 26. November, um 19.30 Uhr zur letzten Veranstaltung der diesjährigen Friedenstage ins Kloster in Horb kommt. Der ehemalige Abgeordnete (Bündnis 90/Die Grünen) im Landtag Schleswig-Holstein arbeitet als freier Autor und vertritt die NGO Attac ehrenamtlich auf Bundesebene im Vorstand des Netzwerks Steuergerechtigkeit. „Er hat sofort zugesagt“, erinnert sich Loschko. „Uns war es wichtig, jemanden aus dem politischen und wirtschaftlichen Bereich für die Friedenstage zu haben.“

„Die Friedenstage sind eine Institution in Horb, ohne sie würde etwas fehlen. Und schon eine Person, die umdenkt, ist ein Multiplikator“, meint Hartwig.

Hintergrund

Die Horber Friedenstage
finden 2025 zum 27. mal statt. Vor 27 Jahren, nach dem Ende des Jugoslawienkriegs, veranstalteten Helmut Loschko und Mitstreiter die Tage das erste Mal. Das Projekt Zukunft, die Horber Initiative für den Frieden, die Katholische Erwachsenenbildung, das Bündnis für Frieden BB Böblingen, der SPD Kreisverband Freudenstadt/Horb, die Evangelische Kirchengemeinde Mühlen, das Bündnis für Demokratie - aktiv gegen rechts und das Bündnis 90 / Die Grünen Kreis Freudenstadt/Horb laden in diesem Jahr zu verschiedenen Veranstaltungen unter dem Motto „Wer regiert die Welt? – Wie sie mit Ethik und Moral für alle gerecht und überlebensfähig werden kann“ ein, sich informieren zu lassen und mit anderen Bürgern ins Gespräch zu kommen.

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