Wiederverwerten statt Schublade: Ob iPhone oder Tastenhandy – Nabu Hechingen sammelt Altgeräte

Gert Rominger von der Hechinger Nabu-Gruppe koordiniert die Handysammelaktion in der Zollernstadt.
RothWer kennt es nicht: Nach dem Kauf eines neuen Smartphones, landet das alte in einer heimischen Schublade. So ist es wenig verwunderlich, dass die Haushalte in Deutschland – je nach Expertenschätzung – zwischen 100 und 200 Millionen Althandys horten. Und damit auch ungenutzte wertvolle Rohstoffe wie Gold, Silber und Kupfer.
Dagegen etwas tun möchte die Hechinger Nabu-Gruppe mit ihrer Handysammelaktion. Entsprechende Sammelboxen sind am Bürgerbüro, bei der Apotheke Spranger und der Buchhandlung von Theresa Welte in der Oberstadt aufgestellt. Wer sein Smartphone, Tastenhandy, Tablet, Headset oder Ladekabel nicht mehr braucht, kann es dort abgeben und somit für den guten Zweck spenden.
Gert Rominger, Sprecher der Hechinger Nabu-Gruppe und Koordinator der Handy-Sammelaktion, betont im Gespräch mit unserer Redaktion: „Wir lagern mit den Althandys Zuhause wertvolle Rohstoffe. Die Handys können aber repariert oder deren Rohstoffe wieder auf den Markt gebracht werden.“ Derzeit ist die „Handy-Aktion Baden-Württemberg“ Kooperationspartner der Hechinger Nabu-Gruppe. Spendenziele sind beispielsweise die von der Organisation für weltweite Gesundheitsarbeit – Deutsches Institut für Ärztliche Mission (Dofäm) – geförderten Projekte im Ostkongo. Dort wird mit den Spenden die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung gefördert. Brot für die Welt unterstützt das Projekt mit.
Export von Elektroschrott soll verringert werden
Gerade die bürgerkriegsgeplagten Menschen im zentralafrikanischen Kongo, eines der rohstoffreichsten und daher für die Handyproduktion wichtigsten Länder der Welt, sind für Rominger ein Anreiz, das Althandy dem guten Zweck zu überlassen. Der Nabu-Aktive übergibt die Geräte an Olaf Hofmann aus Bisingen, der hauptamtlich für Difäm mit Sitz in Tübingen tätig ist.
Ein weiteres Anliegen der Naturschützer ist, den Export an Elektroschrott in den globalen Süden zu minimieren. Ein erschreckendes Beispiel sei die Elektroschrotthalde im ghanaischen Agra, wo die in Armut lebende Bevölkerung versuche, unfachmännisch Rohstoffe aus den Smartphones zu gewinnen und sich dabei giftigen Dämpfen aussetze. „Wir plädieren daher für eine fachmännische Wiederverwertung unter sozialen und Umweltstandards ein“, erläutert Rominger.
Seit mehr als zehn Jahren hat die Hechinger Nabu-Gruppe die Sammelboxen in der Kernstadt verteilt. Alle vier bis sechs Wochen leert Rominger diese. „In dieser Zeit kommen regelmäßig rund 50 Geräte zusammen“, zeigt sich der Nabu-Aktive zufrieden. Bei den Warentauschtagen in der Stadthalle stehen die Boxen auch bereit. „Da werden nochmal einige Geräte abgegeben“, berichtet Rominger aus Erfahrung. Ob Nokia-Tastenhandy, iPhone oder Samsung Tablet – in den Boxen finde sich eine Mischung jeglicher Marken.
Nabu-eigene Aktion pausiert derzeit
Vorgesehen ist, dass sich das Spendenziel der Hechinger Sammelaktion zeitnah ändert. Denn: Der Nabu organisiert bundesweit eigentlich eine eigene Handysammlung. Seit Jahresbeginn 2024 pausiert diese aber. Derzeit wird an einer Neukonzeption gearbeitet. Sobald die Nabu-Aktion wieder läuft, sollen auch die Handys aus Hechingen wieder dorthin gehen. Der Erlös kommt unter anderem dem Nabu-Insektenschutzfonds zugute. Gefördert werden dabei Projekte wie das Anlegen von Blühwiesen.
Ob „Handy-Aktion Baden-Württemberg oder die Nabu-eigene Aktion. Gert Rominger, Gründungsmitglied der Nabu-Gruppe Hechingen, hofft mit der Sammlung ein „Bewusstsein zu schaffen, um mit Rohstoffen besser umzugehen und die Technik nachhaltig zu nutzen“.
Die Handys und Smartphones werden laut den Organisatoren datenschutzkonform aufbereitet. Es wird dennoch empfohlen, vor der Abgabe der Geräte sämtliche persönliche Daten zu löschen.
Erfolge der „Handy-Aktion Baden-Württemberg“
Termin: 3. April
Über die dunkle Seite von Smartphone & Co. informiert Olaf Hofmann, Bildungsreferent bei Difäm (Deutsches Institut für Ärztliche Mission), auch bei einem Vortrag, der am Donnerstag, 3. April, ab 19.30 Uhr im Bildungshaus St. Luzen stattfindet. Hofmann informiert dabei über die Herkunft und den Abbau „Seltener Erden“, die in der Technik verwendet werden. Die Veranstaltung ist Teil des Jahresprogramms der Hechinger Nabu-Gruppe.
206 300 Geräte
Difäm ist Gründungsmitglied der „Handy-Aktion Baden-Württemberg“. Entstanden aus einer kleinen lokalen Sammelaktion des Difäm mit der Kreissparkasse in Tübingen seien bis heute über 206 300 Geräte gesammelt worden, informiert Hofmann. Mit den Handy-Sammlungen konnten rund 1,9 Tonnen Kupfer, 31 Kilogramm Silber und fünf Kilogramm Gold in den Kreislauf zurückgeführt werden. Fast 15 Prozent der gesammelten Handys wurden wiederaufbereitet. Durch die gesammelten Althandys kam ein Erlös von rund 99 300 Euro zusammen. Mittlerweile haben sich weitere Unterstützer der Handyaktion angeschlossen.
