Vortrag in Hechingen
: Tipps für den eigenen Garten

Hausgärten als wichtiger Teil des Biotopverbunds: Bei der Nabu-Gruppe Hechingen hielt Peter Faber einen Vortrag zum Thema „Naturnaher Garten“.
Von
(red/pm)
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

So schön kann ein naturnaher Garten aussehen: Blühende Pflanzen, Totholz und Steine gehören in jeden Naturgarten.

Peter Faber

Kürzlich gab Gärtnermeister Peter Faber bei einem Nabu-Vortrag im Bildungshaus St. Luzen wieder wertvolle Einblicke in seine reichhaltige Erfahrung in Gartengestaltung und –pflege. Der Gartenfachmann und passionierte Naturfotograf war über 30 Jahre für den Lehr- und Versuchsgarten Braike der Hochschule Nürtingen-Geislingen verantwortlich.

Seine brillanten Aufnahmen stammten teilweise auch von diesem „Mustergarten“. Sein eigener Hausgarten in Engstlatt ist natürlich ebenfalls naturnah gestaltet. Von dort und vom Nabu-Projekt „Insektenland Kräutersand“, das bei der Balinger Gartenschau 2023 großen Eindruck hinterlassen hat, stammten zahlreiche weitere Aufnahmen.​

Die Eingangsfrage, weshalb naturnahe Gärten so wichtig sind, wurde mit einer einfachen Gleichung beantwortet: Pflanzenvielfalt bewirkt Insektenvielfalt und schafft Futtergrundlage und Lebensraum für unsere gefährdeten Brutvögel und – bei entsprechenden Standortbedingungen – auch für Amphibien, Reptilien und Kleinsäuger wie den Igel.

Rückgang der Artenvielfalt

​Die Ausbreitung der bebauten Flächen, Monokulturen und Pestizideinsatz in der intensiven Landwirtschaft sind maßgeblich für den Rückgang der Artenvielfalt in der Feldflur, erläuterte der Fachmann unter Hinweis auf die „Krefelder Studie“. Diese und mehrere nachfolgende wissenschaftliche Arbeiten hätten einen erschreckenden Rückgang sowohl bei der Artenvielfalt als auch der Biomasse der Insekten aufgedeckt.

„Eine gewisse Kompensation können wir mit unseren Hausgärten leisten, wenn wir anstelle von mährobotergepflegtem Einheitsrasen oder gar Schotterflächen für mehr Stauden und heimische Sträucher sorgen und auch ‚wilde Ecken‘ mit Brennnessel, Efeu, Steinriegel und Totholz in unseren Gärten zulassen“, so sein dringender Appell. Wichtig sei, blühende Pflanzen bis spät in den Herbst hinein im Garten zu haben – von Krokussen und Kornelkirschen bis zum hochwachsenden Efeu.

Hainbuche oder Liguster anpflanzen

​Anstelle von Betonmauern oder Schotterkörben könne man an den Grundstücksgrenzen Trockenmauern setzen und ansonsten heimische Sträucher wie Hainbuche oder Liguster anpflanzen.​

Weil ein Großteil der Insekten nachtaktiv ist, sollte die Beleuchtung rund ums Haus in der Nacht abgeschaltet werden, Insekten werden von Lichtquellen – auch LED – angelockt. ​

„Wildbienenhotels“ seien zwar gut gemeint und als Schauobjekt sinnvoll, aber nur wenn im Umgebungsbereich ganzjährig genügend Blühpflanzen vorhanden seien. Allerdings seien 90 Prozent der in Gartenmärkten angebotenen Nisthilfen ungeeignet. Stark gefährdet seien die in der Erde nistenden Arten wie etwa einige Sandbienenarten. Die Bedeutung der Wildbienen als unverzichtbare Bestäuber zeige sich auch darin, dass zum Beispiel Hummeln schon ab 3 Grad Celsius unterwegs sind, Honigbienen aber erst ab zirka 10 Grad ausfliegen.

Loblied auf „selbst erzeugten“ Kompost

​Bei der Anpflanzung und der Ausbringung von Samen müsse auf die Standorteignung und auf gebietsheimisches Material zu achten. Der Gärtnermeister bemerkte dazu, dass die Gartengestaltung und -pflege nicht selten von wenig fachkundigen Leuten übernommen werde, da die Berufsbezeichnung „Gärtner“ nicht geschützt sei. Ein Loblied stimmte Peter Faber auf den „selbst erzeugten“ Kompost an, der zur Bodenverbesserung besser geeignet sei als gekaufte Pflanzerde oder gar Torf. ​

Mit seinen Hinweisen und den meisterhaften Aufnahmen der den naturnahen Hausgarten besiedelnden Tier- und Pflanzenwelt motivierte der Referent die zahlreich erschienenen Gäste zur „Nachahmung“.​

Nabu-Vorstandsmitglied Jürgen Detel dankte dem Referenten und verwies noch auf die Nabu-Broschüre „Gartenlust“, die unter www.nabu-shop.de/nabu-aktiv-gartenlust-fuer-mehr-natur-im-garten zu finden ist.

ZAK News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Zollernalbkreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.