Spektakel Sonnenfinsternis: „Als ob die Zeit still stehen würde“

Fast vollständig verdeckte der Mond am Mittwochabend kurz nach 20.30 Uhr die Sonne. Die Aufnahme entstand beim Trillfinger Friedhof mit Blick in Richtung Eyachtal.
Carola Lenski- Partielle Sonnenfinsternis am Mittwochabend: viele Beobachtungsorte im Raum Haigerloch.
- Schutzbrillen knapp: 400 beim Fotoladen schnell weg, ca. 50 in der Oberen Apotheke in Minuten.
- Beliebte Spots waren Auenloch, Wassertürme, Friedhöfe und erhöhte Punkte mit Westblick.
- Eindrücke reichten von „mega“ bis verhalten: dunkel wurde es kurz, oft überstrahlte die Dämmerung.
- Einige sahen das Ereignis im Urlaub, andere kombinierten es mit Arbeitseinsatz an der Wendelinskapelle.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Keine Frage: auch wenn man nicht gerade in Spanien, Grönland oder Island war, sondern irgendwo im Stadtgebiet stand, wo man frei nach Westen blicken konnte, war das Naturschauspiel am Mittwochabend ein Ereignis. Allerdings eines, dass man nur mit vor der Lichtintensität gut geschützten Augen gut erleben konnten.
Da ist man gleich beim Thema Schutzbrillen. Dass man solche für den ungetrübten Sonnenfinsternis-Spaß und zur Vermeidung nachhaltiger Schäden an den eigenen Augen benötigt, ist vielen erst auf den letzten Drücker bewusst geworden. Anderes als bei der totalen Sonnenfinsternis am 11. August 1999 war das Angebot an solchen Brillen in Haigerloch jedoch rar. Folke Weber, Betreiber des gleichnamigen Fotogeschäftes in der Unterstadt, hatte sich ein Kontigent von 400 Brillen besorgt - in Windeseile waren sie weg. Auch in der Oberen Apotheke gab es Brillen (siehe Infokasten).
Die Picknick-Decke ausgebreitet
Und wo haben Haigerlocher die partielle Sonnenfinsternis beobachtet? Vornehmlich an in der Landschaft erhabenen Punkten, an denen der Blick zum Horizont nicht von Gebäuden oder Bäumen verdeckt war.
Ein Anlaufpunkt war das Auenloch zwischen Gruol und Haigerloch. Der ehemalige Stadtkämmerer Wilfried Selinka war gemeinsam mit seiner Frau Gertrud dort. Dorthin sind laut ihm einige Leute zusammengekommen. „Eine Familie hat es sich auf einer Picknick-Decke gemütlich gemacht und sich die Zeit bis zum Ereignis mit Kartenspielen vertrieben“, erzählt er.

Familie Weimann aus Haigerloch hat es sich im Auenloch auf der Picknickdecke gemütlich gemacht.
Wilfried SelinkaEin älteres Ehepaar stieß mit einem Gläschen Sekt auf die Sonnenfinsternis an. Viele, so sagt Selinka, hätten auch den Blick in die entgegengesetzte Richtung gewendet und den Anblick der von der untergehenden Sonne angestrahlten Gegend rund um die Burg Hohenzollern genossen.
Birgit Fechter aus Haigerloch hatte leider keine eigene Brille, durfte aber freundlicherweise durch die Brille einer älteren Haigerlocherin in die Sonne blicken. Beide verfolgte die Sonnenfinsternis mit ein paar anderen Leuten vom Haigerlocher Wasserturm aus. Ihr Eindruck: „Ich finde das große Aha-Erlebnis von 1999 hat gefehlt, weil es nicht richtig dunkel wurde und die Sonnenfinsternis irgendwie in der normalen Dämmerung unterging.“
Überschwängliche Reaktionen
„Mega“ sagt dagegen der Weildorfer Ortsvorsteher Armin Hipp. Er hat die Sonnenfinsternis vom Parkplatz beim Weildorfer Friedhof beobachtet. Hipp: „Es wurde kurz richtig dunkel.“
Sein Bittelbronner Amtskollege Gerd Klingler hat das Spektakel im eigenen Zuhause verfolgt. „Man konnte nicht nur die Sonnenfinsternis super sehen, sondern auch sehr viele Sternschnuppen danach“, erzählt er. Stimmt, nach der Sonnenfinsternis zog ja der Meteorstrom der Perseiden über den Nachthimmel, so dass man seine eigenen Himmelsbeobachtungen bis weit in die Nacht hinein ausdehnen konnte. Zur Beobachtung der Sonnenfinsternis hatten sich laut Klingler viele Menschen am Bittelbronner Wasserturm versammelt.

Beeindruckend: Thomas Brauchle schaut sich das Spektakel auf dem Wanderparkplatz beim Trillfinger Obst- und Gartenbauverein an.
Thomas KostSchwieriger war es in Bad Imnau, wegen der Tallage des Ortes an der Eyach. „Wir sind mit acht Leuten nach Wiesenstetten hoch und haben die Sonnenfinsternis von dort aus gesehen“, berichtet Imnaus Ortsvorsteher Robert Wenz.
Überall sind Leute unterwegs
Seinem Owinger Amtskollegen Karl-Heinz Binder ist die Sonnenfinsternis dagegen entgangen. Er war hinterm Haus und hatte keine freie Sicht. Was er wahrgenommen hat: „Es ist kurz sichtbar duster geworden, dann vor dem Sonnenuntergang nochmal heller.“ Er schätzt, dass viele Owinger als Beobachtungspunkt den kleinen Warrenberg gewählt haben.
CDU-Gemeinderat Walter Stocker aus Stetten saß auf dem Balkon. Weil er keine Schutzbrille mehr ergattern konnte, vermied er den direkten Blick in die Sonne. „Trotzdem war es eine besondere Stimmung und man hatte das Gefühl, dass die Zeit stillsteht.“
Was er von seinem erhabenen Standpunkt seines Hauses in der Milanstraße aus registriert hat: „Beim Lidl-Einkaufsmarkt war überhaupt nichts los und auf der B463 nur wenig Verkehr.“ Oberhalb vom Salzbergwerk und bei der Alb-Liege zwischen Schafstall und Schützenhaus sind laut Stocker viele Leute gewesen, um das Naturschauspiel zu beobachten.
Aha-Erlebnis beim Arbeitseinsatz
In Trillfingen bot der Wanderparkplatz beim Vereinsgelände des Obst- und Gartenbauvereins eine gute Position zur Beobachtung des partiellen Finsternis. Auf besondere Art und Weise hat der Förderverein zum Erhalt der örtlichen Wendelinskapelle die Sonnenfinsternis erlebt, nämlich bei einem abendlichen Arbeitseinsatz. Es gilt nämlich, die frisch renovierte Kapelle bis zum Tag des Offenen Denkmals am 13. September auf Hochglanz zu bringen.

Die Trillfinger Wendellinskapelle - nicht zweifarbig gestrichen, sondern von der Sonnenfinsternis in ein besonderes Licht getaucht.
Horst Henle„Wir haben unsere Arbeiten immer wieder unterbrochen, um uns das Schauspiel anzusehen. Das war schon beeindruckend, wie die Sonne immer mehr zur Sichel geworden ist“, erzählt der Fördervereinsvorsitzende Martin Beuter. Das restliche Sonnenlicht hat zudem die Wendelinskapelle in ein wunderbares Licht getaucht, was Ortsvorsteher Horst Henle auch gleich mit einem Handy-Foto verewigt hat.
Beobachtungen aus dem Urlaub
Es gab aber auch Haigerlocher, die die Sonnenfinsternis von ganz woanders beobachtet haben. Nämlich an Urlaubsorten. Die Haigerlocher Gemeinderätin Nadine Reiband weilt derzeit im Schwarzwald und ist mit ihrer Familie auf den Feldberg gepilgert. „Da war die Sicht hervorragend. Mit den entsprechenden Schutzbrillen konnten wir den Mond erkennen, wie er die Sonne fast ganz bedeckt hat“, berichtet sie
Gruols Ortsvorsteher Reiner Schullian hat die Sonnenfinsternis vom Plattensee in Ungarn beobachtet. „Obwohl sie ja nur partiell war, war sie trotzdem sehr interessant“, beschreibt er sein Erlebnis. Nicht ganz so weit ist Max Sauter von der Firma Sauter Transporte gereist. Er war auf dem Kleinen Heuberg bei Balingen. „Schon spektakulär, das Ganze“, so sein Eindruck. Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.
Auch die Apotheke hat Brillen
„Habt ihr Sonnenfinsternisbrillen?“ Noch zwei Tage vor dem Ereignis wurde diese Anfrage in der Oberen Apotheke in Haigerloch verneint. Bestellt waren die Brillen zu diesem Zeitpunkt aber schon längst, angekommen sind sie dann aber erst am Tag des Ereignisses. Die Nachricht „Hier gibt’s Brillen“, wurde vom Apotheker-Ehepaar Nina und Sebastian Müller sofort über Social-Media-Kanäle wie WhatsApp und Instagram publik gemacht – und die Followerschaft reagierte umgehend.
Das kleine Kontingent von etwa 50 Brillen war binnen zwei Minuten weg. „Ich konnte am Mittwochnachmittag eine der letzten Brillen ergattern“, zeigte sich der stellvertretende Bürgermeister Markus Gauss erleichtert. Er schwang sich dann am Abend auf sein E-Bike und sah sich das Schauspiel zwischen Weildorf und Haigerloch live an.












