Schmerzen Burladingen
: Wie Julian Herrmann für die härteste Nacht seines Lebens trainiert

Der 17 Jahre alte Burladinger ist für den Westerwälder-Backyard-Lauf angemeldet. Anschließend möchte er in den Polizeidienst eintreten.
Von
Matthias Badura
Burladingen
Jetzt in der App anhören
Julian Herrmann Marathon Ultra

Julian Herrmann steht im kommenden Frühjahr eine Tortur bevor. Er nimmt am Ultra-Marathon in Höchstenbach teil. Dafür trainiert der Burladinger die Beine, hier im Tiefental-Stadion der Stadt, – und auch den Magen.

Privat
  • Ein 17-Jähriger aus Burladingen trainiert für den Westerwälder Backyard Ultra.
  • Start ist um 19 Uhr in Höchstenbach, pro Stunde sind 6,7 Kilometer zu laufen – bis zum Limit.
  • Er bereitet Beine und Magen vor, nutzt Kohlenhydratgel und läuft mehrmals wöchentlich.
  • Unterstützt wird er nachts von drei Helferinnen mit Getränken und Suppe.
  • Berufsziel Polizei mit SEK oder BFE, Augenlasern geplant, Nebenjob bei Edeka zur Finanzierung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Julian Herrmann hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Der 17 Jahre alte Burladinger trainiert für die Teilnahme am Westerwälder Backyard Ultra, der erneut am 7. Mai 2027  in Höchstenbach/Rheinland-Pfalz stattfindet. Das ist kein gewöhnlicher Marathonlauf. Gewonnen hat – brutal gesagt – wer am Schluss übrigbleibt. In einer Stunde sind 6,7 Kilometer zu absolvieren, darauf folgt die nächste Runde und anschließend die nächste – soweit die Füße tragen. Haben die Läufer ihre Runde vor der Zeit absolviert, dürfen sie sich für den Rest der Stunde ausruhen. Andernfalls geht es nahtlos weiter. Bis ans Limit.

Bei solchen Läufen legen die stärksten Teilnehmer schier unglaubliche Strecken zurück. Den Weltrekord hält bei den Männern der Australier Phil Gore mit 119 Runden und 798 Kilometern, bei den Frauen ist es die Britin Sarah Perry; 95 Runden und 637 Kilometer.

Ein Preisgeld gibt es nicht

„Das wird ganz schön ekelhaft“, meint Julian Herrmann, wenn er an die Schmerzen denkt, die ihn am 7. Mai kommenden Jahres in Höchstenbach erwarten. In der Nacht! Denn gestartet wird um 19 Uhr. Sollte er bis 10 Uhr am anderen Morgen durchhalten, hätte er über 100 Kilometer geschafft. Theoretisch geht es anschließend immer noch weiter. Eben bis nur noch einer oder eine übrig ist. Den Siegern winken Ehre und Anerkennung, ein Preisgeld gibt es nicht.

Berufswunsch: Sonderkommando Polizei

Der 17-Jährige besucht derzeit das Gymnasium in Gammertingen mit den Schwerpunktfächern Biologie, Geologie und Englisch. Sein Berufswunsch ist es, die Polizeilaufbahn einzuschlagen, um später ins Spezialeinsatzkommando, SEK, oder in die  Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit, BFE, übernommen zu werden. Die Bewerbung hat er abgeschickt, jetzt wartet er auf die Zusage. In kommender Zeit möchte er sich als Brillenträger die Augen lasern lassen, weil man mit Sehhilfe auf der Nase nicht eingestellt wird. Auf die Operation spart er fleißig und jobbt neben der Schule her; derzeit bei Edeka Burladingen. Sofern das Geld reicht, will er sich zudem eine Fallschirmspringer-Ausbildung finanzieren. Zwei Tandem-Sprünge hat er als Passagier bereits hinter sich.

ZAK News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Zollernalbkreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.

Auch der Magen muss trainiert werden

Momentan joggt er zur Vorbereitung auf den Backyard Ultra drei bis viermal in der Woche, absolviert dabei je einmal eine Halbmarathonstrecke von 21 Kilometern. Zu seinem Training gehört außerdem die Einnahme von Kohlenhydratgel. Den hochkonzentrierten Energiedrink benötigt man während des Wettkampfs, um die Glykogenspeicher in den Muskeln rasch wieder aufzufüllen und um den Salzverlust, der durch Schwitzen entsteht, auszugleichen. Man muss die Einnahme gewöhnt sein, ansonsten stellen sich Magenprobleme ein. In dem Fall endet der Lauf vorzeitig auf dem Klo.

Drei Mädels an seiner Seite

Bei der Veranstaltung am 7. Mai kommenden Jahres wird Julian Herrmann von einem Team unterstützt: Lucy Steinhart, Nele Hupfauf (Hettingen) und Romy Drissner (Veringenstadt) versorgen ihn mit Getränken, Suppe in der Nacht und was er sonst zum Durchhalten während des Laufs braucht.

Hawaii als Fernziel

Der noch größere Traum des 17-Jährigen wäre die Teilnahme am Ironman-Marathon auf Hawaii. „Aber da ist nicht nur die Anmeldung schweineteuer, man muss ja zuerst mal hinkommen.“ Die Frage ist zudem, ob er für diese Tortur in ein paar Jahren ausreichend fit wäre. Er hofft auf seine Einstellung bei der Polizei nach dem Abitur 2027. Dann will er – weil die Ausbildung und der Dienst ja vorgehen – mit dem Training zurückfahren.

Was gefällt ihm grundsätzlich am Laufen über große Distanzen, was fasziniert ihn an der Quälerei? „Es ist eine Willenssache. Man gelangt an seine Grenzen, man muss durchhalten und Schmerzen verkraften. Das ist Überwindung und bedeutet eine Herausforderung an sich selbst.“

Energiedrinks sind ganz schön teuer

Ein kleines Sponsoring erhält Julian Herrmann vom Arbeitgeber seines Jobs, dem er neben Schule und Training nachgeht. (Sven Lotz, Betreiber des Edeka Burladingen.) Wer den Burladinger sonst unterstützen möchte, kann sich bei ihm melden. Die Energiedrinks, die er beim Training und beim Lauf in Höchstenbach benötigt, sind zwar nicht so kostspielig wie ein  Flug nach Hawaii – aber für einen angehenden Abiturienten eben doch „ganz schön teuer“. Kontakt: julianherrmann2008@gmail.com