Salzbergwerk Stetten: Staatssekretär im Salzbergwerk: Warum Rohstoffe auf die Schiene sollten

Hohen Besuch hatte dieser Tage das Salzbergwerk in Stetten. Von links: Mathias Fischer (Verkehrsministerium), Jan Diercks (Dettmer Rail), Gert Sieksmeyer (Geschäftsführer Dettmer Rail), Nina Löwenhagen (Verkehrsministerium), Florian Lankes (Geschäftsführer Durmin), Raimund Haser (Staatssekretär) und Volker Ehwald (Standortleiter Salzbergwerk).
Thomas Kost- Staatssekretär Raimund Haser besuchte das Salzbergwerk Stetten und informierte sich vor Ort.
- Versatzstoffe kommen seit Anfang 2023 teils per Bahn über den Black Forest Terminal in Horb.
- Die Umstellung spart rund 4000 Lkw-Fahrten und etwa 1500 Tonnen CO₂ pro Jahr.
- Neue, leichtere Container erhöhen die Nutzlast; 100 Stück sind bis Jahresende geplant.
- E-Lkw dürfen mehr Gesamtgewicht fahren, sodass der Versatztransport nicht beeinträchtigt wird.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Dekarbonisierung, hinter diesem Begriff verbirgt sich das Ziel, den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO₂) und anderen Treibhausgase zu reduzieren und im günstigsten Fall auf Null zu bringen. Zwei Hebel mit denen diesen dicken Brocken zu bewegen, sind die Abkehr von fossilen Brennstoffen in der Energieerzeugen sowie die Elektrifizierung des Verkehrs.
Stoßrichtungen, in die sowohl das Salzbergwerk der Wacker Chemie AG als auch die Dettmer Rail GmbH und die Durmin Entsorgung und Logistik GmbH (Teil des auf Recycling spezialisierten Unternehmensverbundes „Die Grünen Engel“) arbeiten, wie Raimund Haser, Staatssekretär im baden-württembergischen Verkehrsministerium, bei seinem Besuch im Bergwerk feststellen konnte.
Verfüllung: Ein gesetzlicher Auftrag
Wie man weiß, hat Wacker den gesetzlichen Auftrag, die beim Abbau der Salzvorkommen unter Tage entstehenden Hohlräume wieder aufzufüllen (zu versetzen). Dazu werden mineralische Abfälle und Schlacken aus der Verbrennung von Müll verwendet. Diese werden in aller Regel als Schüttgut in großen Lkws über die Straße in Stetten angeliefert.
Seit allerdings Anfang 2023 im Industriegebiet Heiligenfeld oberhalb von Horb der Black Forest Terminal (BFT) entstanden ist, öffnen sich für das Salzbergwerk neue Möglichkeiten, den Versatzstoff-Transport von der Straße auf die Schiene zu verlagen. Gemeinsam mit den Partnerunternehmen – alle übrigens unter dem Dach der Dettmer Group aus Bremen beheimatet – werden pro Jahr aus dem Hafen in Nürnberg („bayernhafen“) rund 108.000 Tonnen Versatzstoffe in mit Planen bedeckte Container auf Züge verladen.
Zweimal pro Woche bringt dann ein mit 48 solcher Container bestückter „Langzug“ den Versatz über die Gäubahn zum BFT. Dort werden die Container von den Güterwaggons auf Lastwagen umgehoben, damit sie auf der Straße die „letzte Meile“ von Horb nach Stetten (eine Strecke von 24 Kilometern) zurücklegen, bevor der Versatz etwa 130 Meter unter Tage eingelagert wird.
Eine deutliche Verbesserung für die Umwelt; bevor man auf diese Alternative umgestiegen ist, wurde der ganze Stofftransport von Nürnberg nach Stetten – immerhin eine Strecke von 270 Kilometer – nämlich über die Straße abgewickelt. Die Verlagerung auf die Schiene spart also jährlich 4000 Lkw-Fahrten (etwa 30 Fahrten pro Tag) und reduziert den CO₂-Ausstoß um etwa 1500 Tonnen pro Jahr.
Neue Container entwickelt
Und noch eine Optimierung: Mit Hilfe eines sechsstelligen Betrages aus dem Förderprogramm Umweltschutz und Sicherheit (Deminimis) wurden aktuell als Gemeinschaftsprojekt neue Container entwickelt, die nicht nur leichter sind und somit die Nutzlast der Züge hochbringen, sondern auch mit optimierten Türen, Klappen und Abdeckplanen ausgestattet sind.
Zwei Exemplare dieser verbesserten Behälter waren in Stetten zu sehen. Gert Sieksmeyer, Geschäftsführer der Dettmer Rail, kündigte an, dass die Produktion von 100 neuen Containern beauftragt ist. „Wir werden sie dann sukzessive bis Jahresende austauschen.“ Er nahm an dem Gespräch übrigens gemeinsam mit Dettmer-Rail-Prokurist Jan Diercks und dem Durmin-Geschäftsführer Florian Lankes teil.
Belastungen der Straßen reduzieren
Grundsätzlich war sich die zusammengekommene Runde in dem Wunsch einig, Gütertransport stärker auf die Schiene zu verlagern. Noch fahren zum Beispiel mit Salz aus Stetten fürs Chemiewerk im bayerischen Burghausen beladene Waggons leer ins Hohenzollerische zurück. Und auch die Rückfahrt der Container per Lkws ins Black-Forest-Terminal hat viel Potenzial. Sie können nach dem Abladen des Versatzmaterials mit Streusalz wiederbeladen werden. Das kann man dann von Horb aus auf der Schiene retour nach Nürnberg transportieren. Die Bahn hat gegenüber der Straße zudem einen großen Vorteil: Sie darf rund um die Uhr fahren.
„Wir müssen die Belastungen von der Straße wegkriegen“, betonte deshalb auch Staatssekretär Raimund Haser; vor allem im Hinblick von etwa 650 zu pflegenden Brücken im Land.

Es braucht Lösungen: Angeregt diskutierten die geladenen Gäste im Salzbergwerk über aktuelle Fragestellungen rund um das Thema Gütertransport.
Christoph Kleiner/Wacker Chemie AGSonderregelungen für E-Brummis
Volker Ehwald, Leiter des Bergwerks in Stetten, trieb noch eine andere Frage um: Wenn Lastwagen in Zukunft elektrifiziert werden, steigt aufgrund der schweren Batterien auch ihr Gewicht. Bisher ist das maximale Gesamtgewicht eines Lkws auf deutschen Straßen jedoch auf 40 Tonnen beschränkt. Müssen schwere E-Brummis also weniger Fracht laden und deshalb öfters fahren, damit sie überhaupt noch auf deutschen Straßen rollen dürfen?
Nein, für emissionsfreie Fahrzeuge wurde das zulässige Gesamtgewicht generell auf zwei Tonnen angehoben, im kombinierten Verkehr (Schiene/Straße) sind sogar 44 Tonnen möglich. Insofern dürfte das in Zukunft keinen negativen Einfluss auf den Versatzmaterial-Transport per Lkw ins Bergwerk haben, meinte der Staatssekretär.
Die Welt unter Tage besucht
Und dann war es auch schon an der Zeit, in offenen Fahrzeugen den Clara-Stollen hinab in die Welt des Salzabbaus zu fahren. Volker Ehwald, zeigte dort zusammen mit seinem Kollegen Ludger Kaup (Obersteiger) und Sabrina Thies (Gesamtbetriebsführerin), wie man Salz mittels Sprengungen oder mit einer riesigen Schneidemaschine gewinnt.

Volker Ehwald (links) und Staatsekretär Raimund Haser (rechts) mit zwei Mineuren vor der Maschine, mit der unter Tage das Gestein gefräst und geschnitten wird. Die andere Methode zur Abbau von Salz sind Sprengungen.
Carolin Sayer/VerkehrsministeriumStaatssekretär Raimund Haser und seine beiden Mitarbeiter im Verkehrsministerium, Nina Löwenhagen und Mathias Fischer, nahmen nach der gut zweistündigen Besichtigungstour positive Eindrücke mit zurück ans Tageslicht. Baden-Württemberg, so der Staatssekretär in einem Fazit gegenüber unserer Redaktion, sei ein rohstoffreiches Land. Die Aufgabe sei es, die industrielle Wertschöpfung im Bereich der Rohstoffgewinnung in ein gutes Zusammenspiel mit einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur zu bringen.
Zahlen und Fakten zum Bergwerk
Das Bergwerk in Stetten ist neben Heilbronn eines von zwei Salzbergwerken in Baden-Württemberg, allerdings das wesentlich kleinere. Das Werksgelände ist etwa 7,8 Hektar groß und die zahlreichen Abbaukammern und Fahrwege unter Tage enstrecken sich auf ein Gelände von zwölf Quadratkilometern. Salz aus Stetten wird als Streusalz und Sole für die Straßen sowie als Chemiesalz verwendet. Keine Silizium-Industrie kommt ohne Salz aus und deshalb hat das Bergwerk eine große Bedeuutung für die Wacker Chemie AG im bayerischen Burghausen. Jeder zweite Computerchip der Welt beinhaltet Polysilizium von Wacker. Salz steckt in insgesamt 3000 Produkten.