Pflanzenflüsterer aus Burladingen
: Vom Bau in den Garten – über seine Ernte staunen die Nachbarn auf der Alb

Rezo Basar, Bauarbeiter, 65 Jahre alt aus Burladingen, züchtet Tomaten und Zucchini, erntet Feigen und Trauben. Nachbarn können nur immer wieder staunen.
Von
Matthias Badura
Burladingen
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Pflanzenflüsterer Rezo Basar Burladingen mit Frau Elmas

Rezo Basar mit seiner Frau Elmas, im Hintergrund seine weitläufige Tomatenzucht, die rund 160 Stauden umfasst.

Matthias Badura
  • Ein 65-jähriger Bauarbeiter aus Burladingen erzielt reiche Ernten mit Tomaten und Co.
  • Auf seinem gepachteten Gelände wachsen rund 160 Tomatenstauden in sechs Sorten.
  • Er nutzt Stallmist und Regenwasser und beobachtet Pflanzen wie ein Arzt Symptome.
  • Familie hilft mit, erntet Zucchini, Gurken, Trauben, Feigen und sogar Wassermelonen.
  • Wissen teilt er offen, spricht mit den Pflanzen – Nachbarn zeigen sich beeindruckt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Probier“, lädt Rezo Basar ein, pflückt eine Tomate und bietet sie seinem Besucher an. „Und jetzt die hier. Und jetzt die nächste. Und die nächste …“ Sechs Sorten an 160 Stauden wachsen auf seinem von der Stadt Burladingen gepachteten, bauplatzgroßen Gelände gegenüber seines Wohnhauses in der Bühlbergstraße (Zollernalbkreis). Eine schmeckt besser als die andere. Mit Ware aus dem Supermarkt ist dieses Wohlgefühl im Mund in keiner Weise zu vergleichen. Ein himmelweiter Unterschied.

Als Dünger verwendet Basar zur Vorbereitung des Bodens im Frühjahr lediglich Stallmist. „Bei mir ist alles Bio.“ Um die Tomatenstauden herum sprießen außerdem Gurken, Zucchini und wachsen Weinreben. Rings um sein Wohnhaus auf der anderen Straßenseite folgt die Fortsetzung. Dort sind weitere Beete angelegt, stehen Obst- und sogar Feigenbäume.

Alles gelingt ihm. Natürlich nicht immer im gleichen Maße. Es komme auf die Saison und die Wetterlage an, meint er. Die Feigen werden in diesem Jahr wohl nicht mehr reifen und die Fleischtomaten fallen vom Umfang her kleiner aus als im vergangenen Sommer, als sie groß wie Kindsköpfe an den Stauden hingen. Trotzdem ist es wieder ein Ernteerfolg, über den andere nur staunen können.

Rezo Basar Burladingen Tomaten

Tomaten, frisch geerntet. Anders als Ware aus dem Supermarkt haben manche ein paar Schrammen, geschmacklich sind sie der Kaufhausware allerdings himmelweit überlegen. Ein Gedicht.

Matthias Badura

Alle wundern sich

„Wie machst du das bloß?“, fragen Nachbarn fasziniert. „Wir machen doch eigentlich alles genauso.“ Dahinter steckt natürlich zuallererst viel Arbeit. Rund drei Stunden verbringt der 65-Jährige abends nach vorhergehenden neun Stunden als Bauarbeiter im Dienste der Gammertinger Firma Lieb täglich in seinem Garten.

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Daneben muss man – wie er offenbart – ein paar Geheimnisse wissen. Obwohl – für Rezo Basar sind es eigentlich keine Geheimnisse, sondern ganz einfache Erkenntnisse, die er sich von Kind an erworben und verinnerlicht hat. Man müsse die Pflanzen gut und genau beobachten, erklärt er; man müsse Symptome an Blättern, Blüten und Früchten erkennen wie ein Arzt. Der Garten „rede“ zwar nicht, aber er „spreche“ zu einem – „wenn man es versteht, ihm zuzuhören!“

Böse Menschen haben nur mäßigen Erfolg

Umgekehrt redet Basar jedoch mit seinen Tomaten – wie sein Sohn Georg verrät. „Er ist ein Pflanzenflüsterer“, grinst der Nachkomme. Der Vater widerspricht nicht, sondern bestätigt: „Sie mögen das, sie merken, wenn man es gut mit ihnen meint.“ Böse Menschen, ist der 65-Jährige überzeugt, haben als Züchter bloß mäßigen Erfolg.

Den Ertrag der großen Ernte und die vielen Früchte verbraucht die Familie Basar selbst: frisch, eingedünstet oder als Soße eingekocht. So reicht der verarbeitete oder der nachreifende Tomaten-Vorrat teils bis in den Februar hinein. Genauso verhält es sich mit den anderen Erzeugnissen.

Rezo Basar mit Weintrauben

Rezo Basar mit Weintrauben – auf der Schwäbischen Alb, 800 Meter Höhe. Auch die gelingen ihm.

Matthias Badura

Wasser kommt aus Containern, nicht aus der Leitung

Wasserbedarf? Basar versorgt seine Bestände komplett mit im Winter und Frühjahr gesammeltem Regenwasser aus Containern. Er musste, wie er sagt, in den zurückliegenden, extrem trockenen Wochen kein Frischwasser aus der Leitung zuführen. „Das würde zu teuer werden.“

Nicht nur das Familienoberhaupt scheint einen „grünen Daumen“ zu haben. Auch die übrige Familie besitzt unübersehbar ein Händchen für den Gartenbau. Ehefrau Elmas führt dem Besucher von der Zeitung stolz ihre Zucchini und prächtig gewachsene Gurken vor. Sohn Georg hat es sogar geschafft, in seinem Garten, zwei Straßen weiter, Wassermelonen gedeihen zu lassen. Sie sind weniger groß als Importware aus dem Süden, doch ihre Farbe wirkt vielversprechend. Sie dürften gut gereift sein und im Geschmack der Konkurrenz aus Supermärkten nicht nachstehen. „800 Meter über dem Meer auf der Alb gewachsen, das ist doch was“, freut sich der Erzeuger.

Georg Basar mit Melonen auf der Alb Burladingen

Die gesamte Familie hat ein Händchen für den Gartenbau. Rezo Basars Sohn Georg ist gewissermaßen Obstbauer, pflegt mehrere Bäume auf seinem Anwesen. Hier allerdings zeigt er zwei Wassermelonen. Davon dürfte es auf der Alb und frei gewachsen nicht so viele geben.

Matthias Badura

Pflanzenflüsterer: Früher musste der Sohn schmunzeln

Als Kind habe er über den „Dialog“, den sein Vater mit seinen Pflanzen hielt, geschmunzelt. „Mit den Jahren verstand ich immer mehr, was er damit meinte. Sie brauchen nicht nur Wasser, sie brauchen Aufmerksamkeit, Beobachtung und eine Umgebung, die ihren natürlichen Bedürfnissen entspricht. Mir ist inzwischen klar geworden, wie viel Wahrheit in seinen Worten steckt.“ Georg Basar würde sich diese Aufmerksamkeit auch unter Menschen wünschen. Aber das ist ein anderes Thema.

Nach dem Besuch bei ihm gibt es, nun zu den Eltern Elmas und Rezo zurückgekehrt, einen Imbiss: Brot, Käse und natürlich Tomaten und Gurken. Derart gute muss man lange suchen!

Fragen? Sein Wissen und Können gibt er gerne weiter

Rezo Basar ist Aramäer und kam 1979 aus der Türkei nach Deutschland. Er arbeitete vom ersten Tag seiner Ankunft an als Bauarbeiter, erst in Hörschwag, heute in Gammertingen. Inzwischen 65 Jahre alt und Großvater, wird er in den kommenden Monaten in Rente gehen und sich anschließend natürlich weiter seinem Garten in seinem Eigenheim widmen. Seine Philosophie ebenso wie das handwerkliche Können gibt er an die Enkel weiter. Die interessieren sich augenscheinlich bereits ebenfalls schon für Obst- und Gartenbau. Doch auch sonst darf ihn jedermann fragen. Er geizt nicht mit seinem Wissen und hilft mit Tipps gerne weiter.

Der Besuch unserer Zeitung bei Rezo Basar kam keineswegs durch eine Einladung seinerseits zustande. Aufmerksam gemacht wurden wir mehrfach durch Anwohner, Nachbarn, die – wie schon gesagt – schlichtweg beeindruckt sind, von dem, was in seinem Garten und um sein Haus herum, blüht, wächst und gedeiht. Die Versprechungen, was es da alles zu sehen gibt, wurden alles andere als enttäuscht.