Nachruf auf Dieter Hemmer: Sein ganzer Stolz war die eigene Firma

Dieter Hemmer, Seniorchef der Haigerlocher Firma Hemmer GmbH, ist im Alter von 89 Jahren gestorben
privatEr starb nach kurzer schwerer Krankheit in seinem Eigenheim in der Hohenbergstraße im Alter von 89 Jahren.
Das ist für die Familie ein weiterer schwerer Schicksalsschlag, nachdem erst im Januar Harald Hemmer im Alter von 61 Jahren völlig überraschend aus dem Leben gerissen wurde.
Er war zielstrebig, fleißig und mit geschäftlichem Weitblick ausgestattet, gleichzeitig ein fürsorglicher Vater und ein Familienmensch: so lässt sich Dieter Hemmer vielleicht am besten beschreiben.
Früh das Elternhaus verlassen
Am 22. Oktober 1936 ist er in Niederwenigern, einem Stadtteil von Hattingen, zur Welt gekommen. Weil sein Vater ein Oberleutnant der Gendarmerie war, zog die Familie sozusagen mit dem Krieg mit und fand Unterschlupf bei den Großeltern in Thüringen, der Vater starb schließlich in den Kriegswirren.
Im Alter von 14 Jahren verließ Dieter Hemmer das Elternhaus und begann eine Ausbildung zum landwirtschaftlichen Verwalter. Kurz vor der Grenzschließung entschlossen sich die Hemmers den Weg nach West-Deutschland anzutreten. „Mit nur einem Koffer“, wie Tochter Petra Lange aus Erzählungen ihrer Familie über die damalige Zeit berichtet.
In der Nähe von Köln arbeitete Dieter Hemmer als junger Mann zunächst als Raupenfahrer im Braunkohle-Tagebau. Weil es aber bald keine Arbeit mehr gab, entschloss er sich, seine Zukunft in Süddeutschland zu suchen. Bei der großen Baufirma Strabag AG fand er Arbeit. Als Raupenfahrer war er beim Bau der Straße zwischen Hausen am Tann und Tieringen eingesetzt und dort lernte er auch seine spätere Frau Martha kennen, die aus Hausen stammt.
Erste Heimat ist Dotternhausen
Dieter Hemmer begann schließlich eine Ausbildung zum Heizungsbauer bei einer Heizungsbaufirma in Ebingen, 1962 wurde geheiratet und ein Haus in Dotternhausen gebaut. In Dotternhausen kamen auch Sohn Harald (1964) und Tochter Petra (1968) zur Welt. Weil er als Halbwaise aus seinem Leben etwas machen wollte, sattelte Dieter Hemmer auf seinen Gesellenberuf die Ausbildung als Zentralheizungsbaumeister drauf, die er 1968 mit der Meisterprüfung an der Handwerkskammer in Stuttgart erfolgreich abschloss.
Ein paar Jahre war der frisch gebackene Handwerksmeister Geschäftsführer der Firma Ofen-Fischer in Rosenfeld, seine berufliche Zukunft und die Chance zur Selbstständigkeit sah er aber dann in Haigerloch, weil es dort nur sehr wenige Heizungsbauunternehmen gab. 1974 zog er deshalb mit seiner Frau und den beiden Kindern in die Felsenstadt, wo ein neues Eigenheim in der Hohenbergstraße nicht nur zum Lebensmittelpunkt wurde, sondern zunächst einmal auch die Zentrale des Heizungsbaubetriebes war, den Dieter und Martha Hemmer 1975 gründeten.
1993 Geschäft übergeben
Ihr Betrieb entwickelte sich sehr gut und schon zu Beginn der 90er-Jahre baute man im Haigerlocher Gewerbegebiet Madertal ein Geschäftsgebäude mit Werkstatt.
1993 gab Dieter Hemmer die Firma schließlich in die Hände seines Sohnes Harald, nachdem dieser zwei Meisterprüfungen abgelegt hatte.
Bis ins hohe Alter schaffte der Seniorchef in der Hemmer GmbH mit und es erfüllte ihn mit Stolz, dass sein Sohn das Werk erfolgreich ausbaute, wofür er den Grundstein gelegt hatte. Auch wenn Dieter Hemmer in sein Unternehmen viel Zeit und Energie investierte, so nahm er sich doch auch Zeit für seine Familie und seine Hobbys. Mit seiner Ehefrau ging er gern auf Reisen, auch weit außerhalb Europas. Sein ganzer Stolz waren die vier Enkel und vier Urenkel. Seine Passion galt den kleinen weißen Zelluloid-Bällen. Dieter Hemmer war begeisterter Tischtennisspieler, spielte in den Tischtennisclubs in Bad Imnau und Hechingen und gründete im SV Haigerloch eine Tischtennis-Abteilung. Er nahm sogar bei einer Tischtennis-Weltmeisterschaft für Senioren in Kanada teil.
Enkel tritt in große Fußstapfen
Mitglied in der Ehrsamen Handwerkervereinigung Haigerloch war Hemmer ebenso wie im CDU-Stadtverband. Für seine Partei und seine Stadt war er auf lokalpolitischer Ebene aktiv. Von 1994 bis 2004 gehörte Hemmer dem Haigerlocher Gemeinderat und dem Beschließenden Ausschuss der Stadt (Vorläufer des Haigerlocher Ortschaftsrates) an, 2001 bis 2004 war er Stellvertreter des damaligen Bürgermeisters Roland Trojan.
Das 50-jährige Jubiläum der Firma und den im Sommer geplanten Abschluss des Firmenneubaus im Gewerbegebiet „Lichtäcker“ können nun weder der Seniorchef noch sein Sohn miterleben, die Zukunft der Firma Hemmer liegt in den Händen von Enkel Marc und der Familie.
Die Trauerfeier und Beerdigung finden am Samstag, 25. April, um 10 Uhr auf dem Friedhof in Haigerloch statt.