Nachruf auf Alwine Siedler: Abschied von der Gruoler „Metzge-Chefe“

Zuvorkommend und gastfreundlich: So bleibt Alwine Siedler in Erinnerung.
FamilienfotoNach kurzer schwerer Krankheit ist sie am Mittwoch im Krankenhaus im Kreise ihrer zahlreichen Familienmitglieder verstorben.
Am 25. Oktober 1939 wurde Alwine Siedler als erste Tochter von Anna Siedler, geborene Münzer, und Klemens Siedler im Gruoler Stunzachtal geboren. Bereits im Alter von drei Jahren sollten sie und ihre jüngere Schwester Helga ihren Vater an den damals tobenden Zweiten Weltkrieg verlieren. Alleine mit zwei Kindern führte Mutter Anna die gemeinsame Löwenwirtschaft in der Ortsmitte selbstständig fort; die Gastwirtschaft gegenüber der Metzgerei, die später Helga mit ihrem Mann Josef aufrecht erhielt.
Aus der Ehe entstammen vier Kinder
Im April 1960 heiratete Alwine den Metzgermeister Erich Siedler, mit dem sie die Töchter Marianne und Elvira sowie die Söhne Klemens und Alexander haben sollte. Neben den vier Kindern gibt es inzwischen auch acht Enkel und drei Urenkel.
Mit ihrem im Oktober 2019 verstorbenen Mann Erich teilte Alwine Siedler fast 60 Jahre nicht nur Freud und Leid, sondern vor allem auch eines: sehr viel Arbeit. Gemeinsam betrieben sie die Metzgerei im Ortskern von Gruol sowie die Fernküche mit Partyservice am Ortsausgang in Richtung Heiligenzimmern.
Doch nicht nur die Metzgerei und das Gasthaus sollten die Menschen aus der Umgebung nach Gruol treiben: Besonders der Löwensaal, den Alwine, mit ihrem Mann Erich, Schwester Helga und ihre Mutter Anna in den 60er-Jahren unter großem Kraftaufwand errichtet und etabliert hatten, wurde durch den Einsatz der vier Schaffer als Festsaal für Hochzeiten, Fasnetsveranstaltungen, Tanzabende sowie das Berg- und Tal-Fest der Verwaltungsschule Haigerloch überregional bekannt.
Insbesondere durch das Berg- und Tal-Fest entstanden viele langjährige Freundschaften zu den Gästen, die später Bürgermeister und Landespolitiker werden sollten und die Gruol mit seinen Wirtsleuten vom Löwen bis heute in guter Erinnerung verbunden sind.
Mutter, Oma und Gastgeberin mit Leib und Seele
Nachdem Alwine die Metzgerei über 50 Jahre lang und bis weit über das Rentenalter hinaus betrieb, wurde die Wohnhaus von ihr und ihrem Mann umgebaut.
Da die Gastfreundschaft und das Bewirten fest in ihren Genen verankert waren, begrüßte sie in dieser Zeit gerne Familie, Freundinnen und Freunde bei sich zuhause und auf ihrem „wunderfitzigen Hof“, um sie liebevoll mit viel leckerem Essen und Getränken zu versorgen. Wenn sie sagte: „Das wird aber alles aufgegessen“, traute sich niemand zu widersprechen.
Doch neben vielen Tugenden gehörte die Geduld besonders hier nicht zu Alwines größten Stärken: „Ist die Rote schon fertig?“ Eine Frage, die sie provisorisch schon zu stellen pflegte, bevor die Wurst überhaupt auf dem Grill lag.
Im Krankenhaus verschieden
Dass Alwine, – die „Chefe“ im Beruflichen wie im Privaten - nach ihrem bewegten und arbeitsreichen Leben so schnell nichts aus der Bahn wirft, bewies sie auch in ihren letzten Stunden. Dass selbst der Tod, kein Gegner ist, den man besonders fürchten oder dem man ohne Kampf nachgeben müsste, demonstrierte sie noch in den letzten Krankenhausmomenten. Und war so, wie auch zu Lebzeiten, bis zum Schluss für ihre Lieben und ihre „Menschle“ da.
Die Trauerfeier mit Beerdigung findet am heutigen Samstag, 1. Juli, um 11 Uhr auf dem Friedhof in Gruol statt. Da Alwine Siedler das Geschehene im Ort bis zuletzt interessierte, wird der Umtrunk nach der Trauerfeier auf dem umtriebigen Hof der Verstorbenen stattfinden. Dieser steht an diesem Tag allen Trauergästen offen.