Musikverein Schlatt: Neuer Dirigent, Musiker-Ehrungen und ein kurzweiliges Konzert

Ein Jahreskonzert, das in Erinnerung bleiben wird – dank neuer musikalischer Wege, eindrucksvoller Darbietungen und vor allem: einer Ehrung, die die Herzen berührte. Josef Schuler (Mitte) ist 75 Jahre Musiker aus Leidenschaft.
AlberDer Musikverein Schlatt präsentierte in der Schlatter Festhalle sein diesjähriges Jahreskonzert und bot dem Publikum einen musikalischen Abend, der sowohl klanglich als auch emotional viele Höhepunkte bereithielt.
Den Auftakt gestaltete die neu formierte Jugendkapelle, Ergebnis einer Kooperation der Musikvereine Boll, Stetten, Jungingen, Schlatt und der Stadtkapelle Hechingen. „Heute ist vieles neu“, eröffnete die erste Vorsitzende Julia Alber den Abend und erklärte den Gästen die Hintergründe des Zusammenschlusses. Insgesamt 46 Kinder und Jugendliche musizieren seit April gemeinsam ein starkes Signal für die Zukunft der Blasmusik in Hechingen und Umgebung.
Die JuKa I eröffnete mit The Circus Band, The Flying Trapeze und der beschwingten Zugabe My First Polka und begeisterte das Publikum auf Anhieb. Anschließend folgte die JuKa II mit energiegeladenen Titeln wie Narcotic, Timber und ihrem stimmungsvollen Zugabestück Partyplanet. In seiner Dankesrede würdigte Jugendleiter-Stellvertreter Lucas Schuler die Arbeit von Jugenddirigent Sebastian Schorr.
Ein neuer Dirigent durch Zufall gefunden
Nach einer Umbaupause nahm die aktive Kapelle Platz, die seit Juni unter der Leitung von Gerhard Nesselhauf probt. Eine Geschichte, die fast schon zu schön für den Zufall klingt, führte zu dieser Zusammenarbeit: Bei einem Sommerfest hörten Vereinsmitglieder den Musikverein Stetten/Hörschwag unter der Leitung von Gerhard Nesselhauf spielen – und so begann die Verbindung, die schließlich zum neuen musikalischen Leiter führte.
Julia Alber bedankte sich bei Susi Schuler, die Nesselhauf anwarb. Schnell wurde klar: Mit Nesselhauf hat die Kapelle einen Dirigenten gefunden, der nicht nur musikalisch fordert, sondern auch begeistert. Die wichtigste Nachricht an diesem Abend: Gerhard Nesselhauf übernimmt die musikalische Leitung des MV Schlatt unbefristet. Das Konzertprogramm unter seiner Leitung bot eine breite stilistische Vielfalt: Von der feierlichen Highland Cathedral über das farbenreiche Concerto d’Amore bis hin zu Memory, gefühlvoll vorgetragen von Solist Ralf Schuler am Tenorhorn.
Der emotionale Höhepunkt: Ehrung für Josef Schuler
Nach der Pause folgte der wohl bewegendste Moment des Abends: Gustolf Kohler vom Blasmusik-Kreisverband ehrte langjährige Mitglieder, darunter Rick Schuler (20 Jahre aktive Tätigkeit) und Rosina Schuler (30 Jahre aktive Tätigkeit). Doch die außergewöhnlichste Ehrung galt niemand Geringerem als Josef Schuler.
Ein Mann, dessen Name in Schlatt, im Killertal und weit darüber hinaus fest mit Musik verbunden ist. Seit 1950 ist er aktives Mitglied des Musikvereins – ganze 75 Jahre. Dafür überreichte Kohler das neu geschaffene Ehrenzeichen in Platin auf Bandspange mit Jahreszahl 75, eine Seltenheit und besondere Auszeichnung.
In ihrer Ansprache würdigte Julia Alber Josef Schuler als „Vollblutmusiker durch und durch“. Seine musikalische Laufbahn ist beeindruckend: Solist an der Trompete, später am Bariton, Stellvertretender Dirigent, Mitglied der BigBand, jahrzehntelanger Kassenprüfer und ein Mensch, der den Verein nicht nur musikalisch, sondern auch tatkräftig mitprägte. Sein musikalisches Erbe ist im Verein allgegenwärtig – nicht zuletzt, weil mittlerweile ein großer Teil seiner Kinder und Enkelkinder in der Kapelle sitzt oder in anderen Blasorchestern spielt.

Die Bläser begeistern die Besucher des Jahreskonzerts in der Festhalle Schlatt.
Foto: AlberSichtlich gerührt nahm Josef Schuler die Ehrung entgegen, bevor seine Familie ihm zu Ehren zwei Stücke darbot – ein berührender Moment, der das Publikum ebenso bewegte wie die Musikerinnen und Musiker auf der Bühne.
Ein kraftvoller zweiter Konzertteil
Im Anschluss durfte das Publikum weitere musikalische Facetten genießen: Die lyrische Yorkshire Ballad, das energiegeladene Indian Fire, die beschwingte Bodensee Polka mit starkem Tenorhornsolo zu Beginn, sowie das dramatische Die Posaunen von Jericho mit beeindruckenden solistischen Leistungen des Posaunenregisters von Marco Salzsieder, Alexander Schuler und Matthias Weber. Abgeschlossen wurde das Programm mit dem modernen, lebensfrohen Vita Con Musica.
Mit der Zugabe Arsenal setzte die Kapelle den würdigen Schlusspunkt unter ein musikalisch hochwertiges und atmosphärisch dichtes Konzert.