Kunstverein Hechingen: Jahresausstellung eröffnet: Hufgeklapper im Rathaus

Die Performance-Künstlerin Liv Rahel Schwenk überraschte bei der Vernissage des Kunstvereins Hechingen mit einer Schau, die verblüffte.
Klaus Stoppper- Der Kunstverein Hechingen eröffnet die Jahresausstellung im Rathaus-Treppenhaus.
- Motto ist „Feuerpferd“: Es steht laut Chen Wang für Energie, Mut, Freiheit und Hitzigkeit.
- Gezeigt werden abstrakte und gegenständliche Werke, oft mit Natur- und Feuermotiven.
- Performance: Liv Rahel Schwenk inszeniert einen Text mit Tierkreisjahren im Foyer.
- Die Schau ist bis einschließlich Sonntag, 2. November, zu Rathauszeiten und sonntags 14–17 Uhr zu sehen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Vielfalt der künstlerischen Ambitionen macht auch dieses Jahr den Reiz dieser Schau des Kunstvereins aus. Künstlerinnen und Künstler, die das Schaffen von Kunst als Beruf betreiben, ehemalige und auch aktive Kunstpädagogen mit akademischer Ausbildung, aber auch viele Quereinsteiger in die Kunst, die mit teils verblüffender Originalität und ganz unterschiedlichen Techniken und Herangehensweisen ihre Leidenschaft für das bildnerische Schaffen ausleben, stellen beim Kunstverein und früher der Künstlergilde Hechingen seit Jahrzehnten zum Jahresende ihre Arbeiten im Rathaus-Treppenhaus aus.
Es ist nicht alles wie jedes Jahr beim Kunstverein
Also alles wie jedes Jahr? Nicht ganz. „Feuerpferd“ lautet in diesem Jahr das Motto, nicht zuletzt auch angestoßen durch die aus China stammenden und nun in Stuttgart wirkenden Künstlerinnen Chen Wang und Minqi Sun, die gemeinsam mit Thora Gerstner und Silja Lenz den Vorstand des Vereins bilden.
Tierzeichen-Symbole stehen in China für Jahre. Das Feuerpferd für das aktuelle Jahr stehe für Energie, Leidenschaft, Mut und Freiheit, aber auch für Hitzigkeit, Chaos und Machtkämpfe, erklärte Chen Wang in ihrer Ansprache. Dass die Ausstellung sehr gut besucht war, ist auch ein Hinweis darauf, dass so etwas in Hechingen auf Neugier stößt.
Trotz aller Leidenschaft und Hitzigkeit halten sich die meisten im Rathaus gezeigten Arbeiten allerdings im buchstäblichen Sinn durchaus im Rahmen. Viele Arbeiten sind abstrakt, widmen sich auf den ersten Blick eher zurückhaltend dem Thema des Feuers. Oder lodert im gewohnt großformatigen, abstrahierten Landschaftsgemälde von Joachim Wörner doch ein Waldbrand?

Eine kreative Jahreusschau: Zum Motto "Feuerpferd" passt auch Zigarettenrauch. Im weitesten Sinne.
Klaus StopperAndere Arbeiten stellen gegenständlich Fragen. Hat der Nutzer eines Rollator-Bildes noch Energie? Sind die Autos auf dem Marktplatz vom Totenschädel in der Zigarre geraucht und vom Lampion-Heiligen besiegt? Und was hat die durchscheinende Figur auf dem wunderbaren Ölbild von Chen Wang so vom Stuhl gehauen?
Viele Werke widmen sich – oft auch in feinen Papierarbeiten – der Natur, Sinneseindrücken, aber auch das Feuer ist als Motiv vielfach erkennbar. Nicht zu vergessen ein feines schwarzes Band von Silja Lenz, das sich über Etagen hinweg durch das Treppenhaus windet. Das sei wohl die Zündschnur für das Feuerpferd, vermutete eine Besucherin, die dann recht lange vor diesem Werk stehen blieb. Diese Beschreibungen bieten nur einen kleinen Ausschnitt durch die Arbeiten. Das persönliche Lieblingswerk muss sich schon jeder Ausstellungsbesucher selbst wählen.
Jetter: Hechingen ist neugierig auf die Neuen
Die Vernissage bot einen besonderen Mix. Als Bürgermeister-Stellvertreter hob Klaus Jetter in seiner Ansprache hervor, auf welche Neugier das Wirken der vier Stuttgarter Vorstandskünstlerinnen in Hechingen weckt und dass damit auch die Hoffnung verknüpft sei, auch junge Kunstbegeisterte anzusprechen.
Kontrastreiches Rahmenprogramm
Was Jugendarbeit heißt, bewies die Jugendkapelle des Musikvereins Sickingen in ihrer musikalischen Umrahmung der Vernissage. Die Performance-Künstlerin Liv Rahel Schwenk überraschte mit einer Schau, die verblüffte. Sich in ungewöhnlichen Körperhaltungen durch das Foyer windend, trug sie einen mit Fantasie angereicherten Text über die Geschichte des Rathauses vor, dessen Zeiteinteilungen in „Jahr des Holzaffen“ oder „Jahr der Blechschlange“ auf das Ausstellungsmotto verwiesen.

Hechingen sei neugierig auf die neue Vereinsführung, hieß es bei der vielleicht deshalb so gut besuchten Eröffnung.
Klaus StopperEin Abend, der viele sinnliche Eindrücke bot, den die Besucher nach dem offiziellen Teil – bewirtet durch die Stadt mit Sekt und Häppchen – auch gern zu lebhaftem Geplauder nutzten. Kurz: Es war eine gelungene Veranstaltung.
Info: Zu sehen ist die Ausstellung bis einschließlich Sonntag, 2. November, jeweils zu den üblichen Rathaus-Öffnungszeiten sowie zusätzlich immer sonntags von 14 bis 17 Uhr.
