Konzert im Hechinger Refugio: Wenn Volkslieder aus Protest Entstehen

Christina Stary (von links), Ralf Schneider, Heinz Maier und Albert Kunze traten beim Mitsing-Konzert im Refugio auf.
Gebhard SteinDie musikalische Mischung machts: Unter diesem inoffiziellen Motto kamen bei einem gut besuchten Konzert- und Mitsingabend im Refugio Geflüchtete und Besucher zusammen. Albert Kunze, Musiker und Kulturwissenschaftler aus Schlatt sowie die Pianistin und Chorleiterin Christina Stary aus Ravensburg eröffneten den Abend mit einem Mitsing-Lied für alle: „Asalaam asallaam“ (zu Deutsch: Frieden für alle) – im Kanon gesungen war.
Yiddische Lieder – einige eher melancholisch, andere fröhlich – folgten. Dabei wurden sie von Kunze kommentiert und manchmal auch direkt noch übersetzt.
Manche Volkslieder verpackten ihre Kritik fein in Text und Musik
Der Kulturwissenschaftler führte kurz in die Bedeutung und Verbreitung der yidishen Kultur ein und berichtete über einen ihrer wichtigen Vertreter: Mordechai Gebirtig, für dessen Erforschung und Verbreitung sich der Verein „Yidishland“ seit Jahren einsetzt.
Aber nicht nur Lieder in yidisher Sprache wurden vorgetragen, sondern unter anderem auch ein Lied in der sepharischen Sprache, die jüdische Menschen nach ihrer Vertreibung aus dem Spanien des 16. Jahrhunderts in die halbe Welt mitnahmen.
Im zweiten Teil des Abends ergänzten Ralf Schneider und Heinz Maier aus Tübingen mit Gitarre und Mundharmonika das Team der Musizierenden. Nun ging es auch um deutsche Volkslieder in der Tradition der „Zupfgeigenhansel“, die in den 1980er- und 1990er-Jahre das durch die Nazis und Rechten diskreditierte Volksliedgut neu sichteten und bewerteten. Viele Volkslieder seien eben nicht harmlos-heimelig, sondern widerständig aus Protest gegen Unrecht und Unterdrückung entstanden, manchmal fein in Text und Musik versteckt, erführ das Publikum.
Ein weiteres Konzert zum Mitsingen soll es in wenigen Wochen geben
Aber auch noch einige weiter yidishe Lieder zum Mitsingen folgten. Neben „Donna, Donna“, zu dem dieses Mal englisch mitgesungen wurde, folgte etwa auch „Lo Yisa Goy“ („Kein Volk wird mehr gegen das andere das Schwert erheben“).
Am Ende kündigte Kunze ein weiteres Mitsing-Konzert an, dass in der letzten Aprilwoche stattfinden soll. Zudem ließ er anklingen, dass sich eine neue Form und Tradition in der Mischung zwischen vorgetragenen Liedern und Mitsingen bilden könnte.
Laut dem Refugio gefiel diese Idee dem Publikum: Zudem zollte es den Musikern Beifall. Die folgenden Veranstaltungen werde man rechtzeitig ankündigen, so das Refugio.