Kommunalpolitik Haigerloch
: Owinger Ortschaftsrat will Rathaus behalten

Das Rathaus verkaufen? Was das von der Stadt beauftragte Büro Reschl Projektplanung empfiehlt, ist für den Owinger Ortschaftsrat in der jetzigen Situation ein „No Go“.
Von
Thomas Kost
Oberndorf
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Zwei Gebäude im Besitz der Stadt, über deren Zukunft im Ortschaftsrat Owingen diskutiert wurde: das Rathaus (links) und die Zunftstube des Narrenvereins

Kost

Seit Wochen wird quer durch alle Haigerlocher Ortschaftsräte diskutiert, welche öffentlichen Gebäude sich die Stadt in Zukunft noch leisten kann und will. Nicht alle werden noch benötigt, aber alle verursachen Unterhalts- oder Instandsetzungskosten. Geld, das die Stadt derzeit nicht hat.

Owingen ist einer der Ortsteile, in denen es verhältnismäßig wenige Gebäude gibt, welche noch der Stadt gehören. Back- oder Waaghaus sind längst Geschichte, das alte Gemeindehaus in der Kirchstraße war bereits im November 2022 an einen privaten Investor verkauft worden, dieser will dort mehrere Wohnungen einrichten. Die Grundschule unddas Feuerwehrhaus stehen derzeit nicht zur Debatte, ebenso wenig die Eyachtalhalle.

Fachbüro empfiehlt Verkauf zweier Gebäude

Bleiben also noch das Rathaus und die Zunftstube des „Aubenger Narraverei“ in direkter Nachbarschaft. Das Büro Reschl bescheinigt zwar beiden Gebäuden einen ordentlichen Zustand (Note 2), kalkuliert aber die Gebäude- und Unterhaltskosten auf zehn Jahre gerechnet auf 500 000 Euro (Rathaus) respektive 250 000 Euro (Zunftstube).

Und um diese beide Objekte hat sich der Owinger Ortschaftsrat intensiv Gedanken gemacht. Zuerst in der Oktober-Sitzung und dann noch mal am Montag vor einer in einer extra einberufenen Klausur-Tagung.

Diese akribische Vorbereitung kürzte die Debatte an diesem Montag um die Zukunft der beiden Gebäude erheblich ab, denn es herrschte prinzipielle Einigkeit: Das Rathaus soll im Besitz der Stadt bleiben, so die einstimmige Meinung.

Ortschaftsrat sieht viele Nachteile bei Verkauf

Die Argumente, die aus Sicht des Gremiums gegen einen Verkauf sprechen: Es ist eines der letzten öffentlichen Gebäude in Owingen und es müsste erst einmal geklärt werden, wo die Ortschaftsverwaltung alternativ untergebracht werden könnte oder der Ortschaftsrat seine Sitzungen abhalten kann. Zudem werde die die Mosterei im Untergeschoss vom Obst- und Gartenbauverein genutzt.

Weil das ganze Ensemble mit Rathaus, Zunftstube und dem Platz davor nicht nur das räumliche, sondern auch das kulturelle Zentrum des Dorfes bilden, hat der Ortschaftsrat noch eine weitere Sorge: die dort regelmäßig stattfindenden öffentlichen Veranstaltungen (Brunnenhockete des Musikvereins, Narrenbaumstellen, Martinsfeier, Weihnachtssingen) könnten abgewürgt werden, wenn das Rathaus an einen Privatbesitzer geht, der dort Wohnungen einrichtet.

Narrenverein: Aus Pächter könnte Besitzer werden

Leichter tat sich das Gremium mit einer Veräußerung der Zunftstube – und zwar an den örtlichen Narrenverein. Auf der Suche nach einer neuen Heimat hatte dieser bereits 1999 einen Pachtvertrag dafür abgeschlossen und ab der Jahrtausendwende die Sanierung des Gebäudes innen und außen in Eigenleistung und mit eigenen finanziellen Mitteln in Angriff genommen. 2001 war das Projekt umgesetzt.

„Der Narrenverein kann sich einen Kauf der Zunftstube vorstellen“, erklärte Ortsvorsteher Karl-Heinz Binder in der Ortschaftsratssitzung. In Abstimmung mit der Stadt soll ein Gutachter nun den Wert des Gebäudes ermitteln, damit man dem „Aubenger Narraverei“ ein entsprechendes Angebot unterbreiten kann.

Allerdings, so der Wunsch des Gremiums, sollen die Grenzen des Grundstücks, das man ebenfalls mit veräußern würde, relativ eng um die Zunftstube gefasst werden, damit es auch hier nicht zu Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens auf dem Platz kommt.

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