Klanglabor-Tanzprojekt: Hechinger Schüler lernen auch mal „peinlich sein“

Frank Willens (vorne) hat mit Neuntklässlern der Realschule eine Choreographie für das Klanglabor-Projekt einstudiert. Sein Unterricht beeindruckte die Schüler.
StopperSo jemand wie Frank Willens erlebt man an Hechinger Schulen nicht alle Tage. Ein echter Profi-Tänzer. Geboren in Kalifornien, wohnt seit 2003 in Berlin, ist auf namhaften Bühnen aufgetreten, hat in Filmen mitgespielt und seit 2008 entwickelt er eigene Stücke und tourt mit ihnen durch die Welt. Seit Juli 2023 ist er festes Ensemblemitglied des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch.
Lange Reise nach Hechingen
Er bringt vollen Einsatz. Um in Hechingen zwei Tage lang unterrichten zu können, flog er von Taipeh über Istanbul nach Berlin, wo er acht Stunden mit seiner Familie verbrachte, bevor es dann wieder acht Stunden mit dem Bus in die Zollernstadt ging. „Ich kann unterwegs ganz gut schlafen“, sagt er. Klingt überzeugend. Er sprüht beim Gespräch mit der Zeitung nach den Workshops immer noch vor Energie.
Ziel: Aufführung am 14. Mai
An allen Hechinger Schulen hat er in der kurzen Zeit Workshops gegeben. Das Ziel: Im Rahmen des Klanglabor-Festivals in Hechingen gibt es am Mittwoch, 14. Mai, in der Stadthalle um 18 Uhr ein besonderes Konzert zum Thema „Karneval der Tiere“, in dem Schüler und Schülerinnen nicht nur Musik machen, sondern eben auch tanzen. Nach einem halben Stündchen zuschauen beim Training wird klar: Das dürfte eine ziemlich spannende und wirklich sehenswerte Vorführung werden.
Ein Gesamtkunstwerk
Kein Jazz-Dance zu wummernden Bässen, dafür eine klassische Melodie und Bewegungen aus der Gruppe heraus, die verblüffen. Die meisten Schüler in der Gruppe stehen starr, und nur nacheinander treten immer wieder kleine Grüppchen in Aktion. Es sieht aus, als ob sie mit den Armen fechten, dann wieder Erstarren, an anderer Stelle machen andere Schüler weiter. Nur eine von vielen Ideen, die Willens mit den verschiedenen Schülern einstudiert hat. Als Gesamtkunstwerk werden sich die jungen Leute ohnehin nur bei der Generalprobe vor dem Konzert erleben.
Es braucht auch Mut
Was Willens den jungen Leuten beibringt: Auf der Bühne zählt jede Bewegung. Auch wenn man nur steht, ist es wichtig, wie man die Arme hält, dass man nicht rumzappelt. Nur so entsteht ein spannender Gesamteindruck. Und was auch wichtig ist: „Man muss auch mal peinlich sein können“, so Willens. Wie könnte man ein Tier nachspielen? Ein Gefühl? Mal was ausprobieren, das erfordert Mut. Aber nur so kann Kunst entstehen.
Ein Leben für die Kunst
„Ich glaube auch, dass es für die spannend ist, dass sie mal jemand wie mich kennenlernen“, sagt er. Jemand, der in den USA eigentlich Medizin studieren wollte, dann an der Uni von Tanz fasziniert wurde, dafür seinen Lebensplan aufgab und der seinem Künstlerleben fast alles unterordnet. Dem Dinge wichtig sind, die im normalen Leben wenig zählen, der für die Bühne bedenkenlos alles ausprobiert, was ihm oder anderen einfällt.
Willens motiviert Schüler
Und die Schüler? Willens lacht: „Manche wollten erst nicht und haben gesagt, das sei ihnen peinlich“, erzählt er. Er habe dann gesagt „das ist kein Problem peinlich zu sein, ich kriege Geld dafür, peinlich zu sein“. Das habe gewirkt. Eigentlich haben dann alle mitgemacht, auch wenn er etwas kämpfen musste, dass wirklich alle konzentriert dabei blieben. Aber die Vorstellung soll so gut werden wie nur irgend möglich, diesen Ehrgeiz will er in den jungen Leuten wecken.
Er hatte Lust und Zeit
Für ihn ist das spannend. Workshops mit Schülern hat er noch nie ausprobiert. Raphael Schenkel, der Organisator des Klanglabors, hat jemanden gesucht, der für dieses Projekt mit den Schülern eine Choreographie einstudiert. Ein gemeinsamer Bekannter vermittelte den Kontakt, Willens hatte Lust und Zeit dafür.
Für ihn sei es spannend, wie sich die jungen Leute verhalten, wie sie sich bewegen. Wie sie auf ihn reagieren. Jemanden kennenzulernen, der von seiner Kunst lebt, verändere für die Schüler ja auch den Blick auf das, was sie auf Bühnen oder in Filmen sehen, vermutet Willens. Ihm ist wichtig: „Dass das echte Leute sind, dass man so leben kann, das will ich auch zeigen.“
Klanglabor Hechingen
Programm
Das vom Junginger Profi-Klarinettisten Raphael Schenkel ins Leben gerufene internationale Musik-Festival Klanglabor findet in diesem Jahr von Mittwoch bis Sonntag, 14. bis 18. Mai, in Hechingen statt. Den Auftakt am Mittwoch, 14. Mai, in der Stadthalle von 18 Uhr an bildet eine Schüleraufführung, zu der Rudolph Guckelsberger liest. An den folgenden Tagen sind in der Hechinger Synagoge ungewöhnliche Konzerte zu erleben, darunter auch eine Uraufführung. Den Abschluss bildet der bekannte Hechinger Posaunist Samuel Restle mit der 17-köpfigen Restle/Wöger-Bigband.