Kläranlage Haigerloch: Kürzere Arbeitswege – und am Ende auch weniger Kosten

Auf dieser freien Fläche hinter dem Faulturm der Kläranlage im Karlstal wird das Gefahrenstofflager gebaut.
Thomas KostDie Forderung nach dem Bau eines solchen Lagers kommt von der Unfallkasse Baden-Württemberg (UKBW). Diese hat bereits im Jahr 2022 eine routinemäßige Begehung der Kläranlage vorgenommen und dabei alle sicherheitsrelevanten Aspekte unter die Lupe genommen.
Und eine davon war eben der Bau eines hochwassersicheren Gebäudes, in dem Dinge wie Fällmittel oder Altöl gelagert werden können. Im diesjährigen Haushalt wurden deshalb zur Umsetzung der Maßnahme vorsorglich 80 000 Euro eingestellt.
Die günstigere Variante ist nicht gesetzeskonform
Doch schon im Mai hatte die CDU-Gemeinderatsfraktion dagegen gewisse Bedenken geäußert. Ihr Kritik bezog sich auf zwei Punkte: die Kosten und den vorgesehenen Standort.
Aus Sicht der CDU würde es eine günstigere Lösung in Form einer gebrauchten Doppelgarage tun. Doch das geht wegen der gesetzlichen Vorgaben nicht, wie sich jetzt herausgestellt hat. Der gewählte Standort inmitten der Anlage und gleich hinter dem Faulturm und dem Eindicker liegt nämlich im Überschwemmungsgebiet.

Gleich an der Zufahrt zur Kläranlage hätte nach der Vorstellung der Haigerlocher CDU-Gemeinderatsfraktion das zu bauende Gefahrenstofflager stehen können.
Foto: Thomas KostDarum kann dort nur ein hochwassersicheres Gebäude erstellt werden, aus dem bei einer Überschwemmung keine Gefahrenstoffe austreten und Boden und Gewässer verunreinigen. Eine konventionell gebaute Doppelgarage erfüllt diese Anforderungen jedoch nicht.
In diesem Fall könnte man nach Ansicht der CDU doch den Platz für das Gefahrenstofflager verlegen und die Garagen am nordöstlichen Ende der Kläranlage im Bereich der Zufahrt hochwassersicher bauen, indem man das Gelände aufschüttet und die Garagen dort aufsetzt.
Viele Gegenargumente treiben die Kosten theoretisch in die Höhe
Doch dieser Alternativ-Standort stößt auf viele Gegenargumente. Der Behälter sollte mit einem Motorfahrzeug befahrbar sein, weil man schwere Fässer bewegen muss.
Aber schon für eine Aufschüttung von einem Meter, so argumentiert das Büro Rempfler-Klaffschenkel Architekten aus Mössingen, müsste man eine Auffahrtsrampe von zwölf Metern Länge bauen. Das kostet zusätzlich Geld.
Ebenfalls unumgänglich wäre laut Klärmeister Gerd Hölle der Bau einer etwa 150 Meter langen Leitung, welche das Fällmittel aus einem IBC-Behälter in den Klärprozess pumpt. Diese Leitung müsste unter dem bestehenden Weg verlegt werden, was die Kosten ebenfalls in die Höhe treibt.

Der blaue Punkt entspricht dem Standort, an dem das Gefahrenstofflager gebaut wird, der rote Punkt dem von der CDU vorgeschlagenen Alternativ-Standort.
Foto: Thomas KostZu alledem müsste das bereits begonnene behördliche Genehmigungsverfahren zum Bau des Gefahrenstofflagers noch einmal von vorne aufgerollt werden. Zu viele Punkte, die gegen die Vorschläge der CDU-Fraktion sprachen.
Haigerlocher Ratsbeschluss entspricht den Wünschen des Wassermeisters
Deshalb stimmte der Gemeinderat mehrheitlich der Realisierung des Gefahrstofflagers im Bereich des Eindickers und des Faulturms zu und beauftragte das Büro Rempfler-Klaffschenkel Architekten mit der Planung, Ausschreibung und Durchführung eines Gefahrenstofflagerbaus auf der Kläranlage im Karlstal.
Damit wird letztendlich dem Wunsch des Klärwärters Rechnung getragen. „Der vom Ingenieurbüro gewählte Standort wird auch von mir favorisiert“, so Gerd Hölle im Gemeinderat. Er erspare weite Arbeitswege. Bürgermeister Heiko Lebherz fügte noch an, dass „die Art des Baus“ die Gefahrenstoffe hermetisch gegen die Umwelt abschotte.