Kernzeitraben-Betreuung Bisingen: Grundschüler-Eltern kritisieren Absagen

Die Kernzeitraben sind derzeit unter anderem im oberen Geschoss der Kita Rappelkiste untergebracht.
KauffmannEltern haben sich über begrenzte Kapazitäten bei den Kernzeitraben während der Bürgerfragestunde des Gemeinderats am Dienstag beschwert.
Wie Elternbeiratsvorsitzende Eva Fux stellvertretend berichtete, haben 14 Kinder für das Schuljahr 2025/2026 keinen Platz in der Verlässlichen Grundschule erhalten.
Kein neues Thema
Das sorgt für Zähneknirschen bei betroffenen Eltern, denn schon berufsbedingt sind viele von ihnen auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen. Es ist kein neues Thema, das die Eltern ansprechen: Vor fast genau einem Jahr bestand die gleiche Problematik, und auch damals brachten Eltern das Thema in der Bürgerfragestunde auf. Danach hat die Gemeinde die „Vergissmeinnicht-Gruppe“ zusätzlich geschaffen und das Problem gelöst, allerdings nur für den Moment.
Gleiche Probleme
Inzwischen stellen sich die gleichen Probleme für das Schuljahr 2025/2026 erneut. Im Gemeinderat waren diesmal gut zehn Elternteile. Nicht alle von ihnen hatten eine Absage erhalten, doch sie wollten mit ihrer Anwesenheit Solidarität mit den Betroffenen signalisieren. Eva Fux fragte bei der Bürgerfragestunde nicht umsonst: „Was wird gemacht, damit wir nächstes Jahr nicht wieder das gleiche Problem haben?“ Andere Eltern applaudierten nach ihrem Redebeitrag.
Nur 14 Absagen
Bürgermeister Roman Waizenegger berichtete, dass 169 Zusagen erteilt worden waren, denen 14 Absagen gegenüberstehen. Im vergangenen Jahr sei es gelungen, „ad hoc eine neue Gruppe aus dem Boden zu stampfen, das können wir dieses Jahr nicht“.
Eltern, die bei den Mitarbeitern des Rathauses nachfragen, verspricht er eine Auskunft, die die Entscheidung transparent erklärt: „Wenn Sie sich ungerecht behandelt fühlen, sprechen Sie uns an.“ Waizenegger stellt aber auch klar: „Wir werden es nicht schaffen, jeden unterzubringen.“
Rechtsanspruch ab 26/27
Manche Eltern dürfte diese Aussage erzittern lassen, denn perspektivisch geht es nicht ausschließlich um die von Eva Fux angesprochenen Probleme.
Ab dem Schuljahr 2026/2027 greift nämlich ein Rechtsanspruch auf die Betreuung eines Grundschulkinds: im ersten Jahr für die Erstklässler und pro Folgejahr für eine weitere Klassenstufe bis Klasse vier.
Anspruch schlägt Kriterien
Das bedeutet zum einen, dass eine Lösung für das Kapazitätsproblem so oder so her muss. Zum anderen, dass die Kapazitäten bei den Kernzeitraben mit der Einführung des Rechtsanspruchs noch knapper werden könnten.
Waizenegger: „Dann haben die Erstklässler Vorrang.“ Was für die Vergabe der Plätze an Erstklässler in Zukunft keine Rolle mehr spielen wird, sind Kriterien wie Geschwister, Arbeitsumfang der Eltern und Anzahl der Elternteile.
Das würde in der Praxis bedeuten, dass ab 26/27 die bisherigen Vergabekriterien zunächst für Erstklässler außer Kraft sind, weil der Rechtsanspruch für sie die Zusage garantiert.
Die zweite Auswirkung: Wenn sich viele Erstklässler anmelden, können die Kapazitäten für die Kinder der Klassen zwei, drei und vier geringer werden.
Valide Vorhersagen, wie viele Eltern ihre Erstklässler im übernächsten Schuljahr anmelden, lassen sich gleichwohl nicht treffen. Auch wenn der Rechtsanspruch seit Jahren bekannt ist, kam das Thema erst im Juni 2024 in die öffentliche Diskussion, als sich Eltern über Absagen beschwerten. Und davor? War es kein Thema. Waizenegger: „Wir hatten bis vor zwei, drei Jahren das Glück, alle bedienen zu können.“
Kein Nischenthema
Die Betreuung der Grundschüler ist indes keineswegs ein Nischenthema. Das zeigt der Blick auf die Zahlen: Die Grundschule zählt rund 350 Schüler und zum nächsten Schuljahr sind es 169 Kinder, die betreut werden. Das ist fast jedes zweite Grundschulkind. Die Zahlen verdeutlichen auf sinnfällige Weise die hohe Nachfrage und hohe Relevanz des Angebots.
Problem ist Platz
Warum genau können die Kapazitäten nicht ausgeweitet werden? Wie Waizenegger erklärt, sind die Raumkapazitäten zu bestimmten Zeiten ausgereizt. Neue Räume kann man nicht mal eben aus dem Boden stampfen. Selbst, wenn es genug Platz geben würde, braucht es zum anderen auch das Personal. Dieses stellt der Sozialdienstleister Haus Nazareth im Auftrag der Gemeinde. Gegebenenfalls müsste der Gemeinderat im Angesicht des klammen Haushalts entscheiden, welche Priorität die Verlässliche Grundschule hat.
Kita Rappelkiste entzerren
Waizenegger blickte in die Zukunft: Das Ziel sei, die Rappelkiste zu „entzerren“. Die Kindergartenkinder ziehen um, und die Kernzeitraben könnten das gesamte Gebäude belegen.
Das könnte schon einmal das Platzproblem lösen. Waizenegger sprach in diesem Zusammenhang von neuem Platz, der in der Kita Reute an der Bahnhofstraße entstehen wird.
Allerdings: Der Kita-Baubeginn ist für Herbst 2025 vorgesehen. Geht man von einer Bauzeit von einem Jahr aus, könnte es hinhauen: Dann könnten mehr Räume exakt zum Schuljahr 2026/2027 zur Verfügung stehen.
Das wäre eine zeitlich jedoch enge Sache. Im Gespräch war in der Vergangenheit auch die Errichtung eines weiteren Gebäudes in Modulbauweise neben dem Schulsportstadion.
Keine Absagen möglich
Aufgrund des Rechtsanspruchs, der Stück für Stück ausgeweitet wird, wird das Thema erneut auf den Gemeinderat zukommen. Spätestens, wenn der Rechtsanspruch für alle Grundschüler gilt, sind ohnehin keine Absagen mehr möglich – das würden sich betroffene Eltern sicher jetzt schon wünschen.