In Hechingen und Burladingen
: Drei Musikvereine spielen für einen Mann

Seit Monaten haben die drei Musikvereine Stetten/Haigerloch, Stetten/Hechingen und Stetten/Hörschwag auf zwei Benefizkonzerte hingearbeitet. Sie wurden ein voller Erfolg.
Von
Thomas Kost
Oberndorf
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Drei Musikvereine

Kost

„Melodien des Abschieds – Ein Gedenkkonzert für Robert“, das war die verbindende Klammer, die über beiden Auftritten stand.

In allen drei Stettener Musikvereinen hatte Robert Hinderer aus Stetten bei Hechingen – in der Musikantenszene nur als „Polka-Done“ bekannt – seine Spuren hinterlassen; entweder als Musiker oder Dirigent.

Nachdem man mit dem „Polka-Done“ noch im vergangenen Sommer dessen 60. Geburtstag gefeiert hatte, wollten ihn die drei Vereine dieses Jahr mit einem extra für ihn komponierten Polka überraschen. Doch aus der Überraschung wurde leider nichts: Robert Hinderer starb im September 2024. Ein Schock für alle. Quasi an dessen Grab entschieden sich die drei Musikvereine zwei Konzerte mit zwölf seiner Lieblingsmelodien zu geben.

Etwa 100 Musiker und Musikerinnen standen unter der Leitung von Dirigent Gerhard Nesselhauf.

Foto: Kost

Beide Abende wurden nach monatelanger Vorbereitung und einer intensiven dreitägigen Gesamtprobe unter der Leitung von Dirigent Gerhard Nesselhauf aus Bisingen grandios – auch wenn man mit kleineren Unwägbarkeiten zu kämpfen hatte.

Gugguba Hechingen greift ebenfalls zu den Instrumenten

So konnte beim ersten Auftritt in der voll besetzten Museumshalle in Hechingen der Tenor Timo Pfeffer wegen einer anderen Verpflichtung kurzfristig nicht mitwirken. Dabei war er gleich für drei Duette eingeplant, zwei mit der Hechinger Mezzosopranistin Irina Gulde („The Prayer“ und „Vivo per lei“) und eines mit Sängerin Patricia Nell aus Stetten („Tanz der Vampire“). Doch Musikanten sind Improvisationskünstler und deshalb sprang beim weltbekannten Musical-Stück über die Blutsauger kurzfristig Nesselhauf als Sänger ein.

Abgerundet wurde der erste Abend mit einem Auftritt der Hechinger Guggenmusik „Gugguba“, die sich nach Konzertende im Foyer des Museums um ein auf eine Staffelei gestelltes Bild von Robert Hinderer gruppierten und loslegten wie die Feuerwehr.

Gesangssolisten sind das I-Tüpfelchen

Ganz musste man auf Opern- und Musicalsänger Timo Pfeffer jedoch nicht verzichten: In den Genuss seiner gewaltigen Stimme kam immerhin das Publikum im Burladingen. Überhaupt waren die Gesangseinlagen die Highlights der beiden Abende. So erntete Patricia Nell mit einer tief zu Herzen gehenden Version von Whitney Houstons Welthit „I Will Always Love You“ in Burladingen stehende Ovationen. Und es gab mindestens genauso viel Applaus, als sie zusammen mit Gerhard Nesselhauf im Duett die unbeschwert dahingleitende Polka „Ein Liebesbrief“ sang.

Uraufführung des Liedes „Dr Polka-Done“

Sich aber nur auf die Gesangseinlagen zu fokussieren, wäre den rund 100 Musikerinnen und Musikern Unrecht getan. Denn sie bewiesen immer wieder aufs Neue, wie vielseitig und schön Blasmusik klingen kann – angefangen von der mächtigen Eröffnungsmusik „Generations Fanfare“, über die Märsche „Euphoria“ und „Sweet Breeze in May“ bis zum Schlussstück „Simon and Garfunkel“, das ein Potpourri mit den wohl vier berühmtesten Liedern („Bridge Over Troubled Water“, „Mrs. Robinson“, „Sounds of Silence“ und „The Boxer“) des US-Folkrock-Duos war.

Zwischendurch durften zwei Solisten ihr Können beweisen. Tubist Daniel Edele in der Ballade „Für Theresa“ und Bertram Kohler mit seinem Altsaxofon im bereits erwähnten Whitney-Houston-Hit.

Gänsehaut bot anschließend die Uraufführung der von Timo Dellweg für Hinderer komponierten Polka „Dr Polka-Done“. Ein Stück mit einer sehr eingängigen Melodie, das man in Zukunft sicher noch öfters hören wird.

Bürgermeister Licht lobt Projekt der drei Vereine

Mit dem Song „Thank You for the Music“ von ABBA (Patrica Nell und Irina Gulde als famoses Duett) und dem „Second Waltz“ (Stefan Pfeffer, Lena Heck, Katja Kohler taten sich hier als Solisten hervor) endete ein toller Abend in Burladingen, der mit einer Gedenkminute für Robert Hinderer und Grußworten von Bürgermeister Davide Licht begonnen hatte. Dass die drei Musikvereine dem Verstorbenen mit zwei Konzerten ihre Ehre erweisen, so Licht, zeige, welch außergewöhnlicher Mensch Robert Hinderer gewesen sei. Im Publikum befanden sich übrigens auch Mitglieder seiner Familie.

Beide Male mussten die Zuhörer übrigens keinen Eintritt zahlen, sondern durften für die Musiktherapie des Fördervereins krebskranker Kinder in Tübingen spenden.

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