In der Villa Eugenia
: Die Eindrücke von der Eröffnung der Artothek in Hechingen

Manches ist einfach schön, anderes verstörend. Dem einen gefällt dies, der andere findet es langweilig und schwärmt für anderes: Die Artothek, die am Sonntag eröffnet wurde, ließ wieder viele Fragen offen.
Von
Klaus Stopper
Oberndorf
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Ein großer Andrang herrschte zur Vernissage der Artothek des Landkreises in der Hechinger Villa Eugenia

Klaus Stopper /Klaus Stopper

So sahen das wohl auch die zahlreichen Besucher, die hier zur Vernissage kamen und von denen durchaus einige auch vor Ort Werke kauften oder mieteten. Der Landkreis hatte dafür extra ein kleines Verkaufsbüro in einem Nebenraum eingerichtet.

14 Arbeiten hatten nach einer Stunde bereits den Besitzer gewechselt und waren demzufolge auch gleich abgehängt und mitgenommen worden. Kein schlechter Umsatz angesichts der Gesamtzahl von 101 ausgestellten Werken.

Und auch wer nichts mieten oder kaufen wollte, kam nicht nur unten beim lecker angerichteten Buffet in der Rotunde voll auf seine Kosten. Denn was hier in der Galerie der Villa Eugenia bei der vom Landkreis organisierten Schau als Positionen von über 50 Künstlern der Region gezeigt wird und wurde, ist ein Panoptikum all dessen, was vom studierten Kunstlehrer und der gelernten Grafikerin bis zum bekennenden Amateur, von der gegenständlich arbeitenden Aquarellistin bis zum geheimnisvoll alchimistisch vorgehenden Abstraktionsfan angefertigt wird.

Was der Künstler sagen will, kann eine Frage sein.

„Was will uns der Künstler damit sagen?“ sei eine der Überlegungen, die man sich beim Rundgang durch Ausstellungen stellen kann, hatte zur Eröffnung Stephan Luithardt gefragt, der als teilnehmender Künstler ebenfalls zu Wort kam, nachdem Karl Wolf vom Landratsamt, Dorothee Müllges für die Stadt und Kreisarchivar Uwe Folwarczny Grußworte gesprochen hatten und der junge Calvin Felix Münch mit beeindruckender Virtuosität die musikalische Umrahmung übernommen hatte.

Luithardt betonte, dass ihn Kunst interessiert, die zeitgenössische Entwicklungen aufgreift und die als eine „notwendige Beunruhigung“ diene, die die Gegenwart hinterfragt.

Ob er damit für alle Künstler sprach? Es waren eben auch einige Arbeiten zu sehen, die einfach nur schön sein sollen. Bei manchem wurde die Wirkung von Materialien erkundet. Ein Ring aus Rost auf mit Wachs durchtränkten Papier. Seltene Erden in Krusten.

Dann wieder Arbeiten, die auf Anhieb harmlos wirken, wie etwa eine Collage historischer Postkarten mit Straßenansichten, die bei genauem Anschauen dann allesamt Adolf-Hitler-Straßen abbildeten. Oder eine fast mittelalterlich wirkende „dekonstruierte“ Kreuzigungsszene mit Plattgold-Hintergrund.

Wenn der Papst ein Baby zur Welt bringt

Hier eine afrikanische Maske, der Puppenbeine aus den Augen ragen, da eine Grafik eines Papstes, der gerade ein Baby zur Welt bringt. Oder eine große, alte Tür, meisterhaft auf Leinwand gemalt. Irgendwann schwirrte einem beim Rundgang dann auch der Kopf.

Interessant auch, dass eine Aufgeregtheit des vergangenen Jahres lautlos beigelegt wurde. Da wurden erstmals auch Arbeiten von Leuten ausgestellt, die nicht Mitglied handverlesener Kreise des Kunstvereins Hechingen oder des Verbands bildender Künstler Baden-Württemberg sind. Damals waren schrillere Arbeiten zu sehen. Manchen gefiel das, anderen nicht. Es gab Boykotte. Nun gab es eine engere Jurierung und weniger unorganisierte Arbeiten waren zu sehen.

Schadet oder nutzt das dieser Ausstellung? Das sind diese wunderbaren Kunst- Fragen, die jeder für sich selbst beantworten muss.

Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 13. Dezember, Montag-Freitag täglich von 16 bis 18 Uhr geöffnet, und zum Abschluss am Samstag und Sonntag 14. und 15. Dezember, jeweils von 15 bis 17 Uhr.

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