Hospiz in Hechingen: Welche Rolle Hoffnung in der Sterbebegleitung spielt

Herbert Walter und Sonja Hesen begleiten Menschen auf ihrem letzten Weg.
RütschleWenn das Leben sich dem Ende zuneigt, verändert sich auch der Blick auf das, was wirklich zählt. Hoffnung bekommt in der Sterbebegleitung eine neue Bedeutung.
Anlässlich des Internationalen Tags der Hoffnung am heutigen Samstag, 12. Juli, berichten zwei Ehrenamtliche der Hechinger Hospizgemeinschaft von ihren Erfahrungen: Herbert Walter, der seit 2023 dabei ist, und Sonja Hesen, die bereits seit 2019 Sterbende begleitet.
Was Hoffnung bedeutet
Anna Hömens koordiniert die Sterbebegleitungen in Hechingen, Burladingen und Bisingen und Haigerloch. Hoffnung in der Sterbebegleitung zeige sich bei jeder Person individuell. Drei Perspektiven stünden dabei aber immer im Zentrum: Lebensqualität, Selbstbestimmung und ein würdevoller Abschied.
„Viele Menschen hoffen kurz vor dem Lebensende darauf, sich noch einen Wunsch zu erfüllen oder eine letzte Sache erledigen zu können“, sagt Hesen. Dabei gehe es selten um materielles, sondern vielmehr um kleine, persönliche Dinge: Ein Mann, der noch einmal in den Wald möchte, den er so liebte, oder eine Frau, die ein letztes Stück Schwarzwälder Kirschtorte in ihrem Lieblingscafé genießen möchte. „Es sind die kleinen Freuden, die Hoffnung geben“, berichtet Walter.
Das Loslassen – ein langer Weg
„Nicht jeder Mensch kann gleich gut loslassen“, erklärt Walter. Besonders junge Sterbende täten sich oft schwer damit.
Manche könnten erst gehen, wenn bestimmte Anliegen erfüllt seien. Wieder andere würden von der Angst vor dem Unbekannten zurückgehalten – vor dem Tod selbst und dem, was danach kommt.
Gleichzeitig hätten viele Sterbende ein Gespür dafür, wann ihre Zeit gekommen sei. Während Angehörige oft noch auf Besserung hofften, seien die Sterbenden manchmal schon bereit zu gehen. „Ein wichtiger Teil der Begleitung ist es, diese verschiedenen Perspektiven auszubalancieren“, erläutert Hömens.
Die Rolle des Glaubens
Glaube spiele in der Sterbebegleitung oft eine große Rolle. Vor allem ältere Menschen schöpfen laut Hömens daraus große Hoffnung.
Walter erzählt von einem sehr gläubigen Mann, der ohne Angst dem Tod entgegenging – voller Vertrauen und innerer Ruhe. Hesen erinnert sich an einen Mann, der all seine verbliebene Kraft darauf verwendete, seinen Angehörigen das Loslassen zu erleichtern – indem er sich noch einmal mit allen traf und Frieden schloss.
Gegen die Einsamkeit
„Einsamkeit ist ein gesellschaftliches Problem“, sagt Hömens. Sie betreffe Menschen jeden Alters.
Bei älteren Menschen fehle oft das soziale Umfeld – Freunde und Familie seien verstorben oder lebten weit entfernt. Bei jüngeren Menschen äußere sich das anders: Viele ihrer Altersgenossen wüssten nicht, wie man mit einem sterbenden Freund umgeht. Das führe zu Rückzug – nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Unsicherheit.
So könne sich Einsamkeit wie ein zusätzlicher Schatten über die verbleibende Zeit legen. In diesen Fällen sei es besonders wichtig, präsent zu sein – als jemand, der einfach da ist.
Wie Sterbebegleitung das eigene Leben verändert
Auf die Frage, was die Begleitung Sterbender mit dem eigenen Leben mache, antwortet Walter: „Man entwickelt ein völlig anderes Problembewusstsein.“ Was früher schwerwiegend erschien, relativiere sich.
Auch Hesen empfindet, dass das Leben an Tiefe gewinne. „Ich pflege meine Kontakte noch viel intensiver als früher“, sagt sie. Denn was am Ende bleibe, sei oft das, was man mit anderen geteilt hat.